sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.

Afrika malen….

Hinterlasse einen Kommentar

Schwarz  – der schwarze Kontinent, die Schönheit der Gesichter,

schwarz ist nicht gleich schwarz…

Ein rostfarbenes Rot  für die rote Erde, Eisenoxid, das sein Leuchten intensiviert, wenn die Sonne niedrig steht.

Ein tanzendes, vergnügtes Rot, das aus buntem Waxprint winkt und aus der Musik, die nicht einmal dann traurig klingt, wenn es um Tieftrauriges geht..

Ein samtig dunkles Rot für Wärme und Zärtlichkeit, für die Gastfreundschaft, die Tapferkeit und die endlose Geduld.

Das Ringelbraun der Stachelschweinborste und die scharfe Spitze daran, für den Mut, Fragen zu stellen,.

Ein sonniges Gelb für das Lachen der Kinder.

Ein blasses, schweigendes Gold in Gedenken an die unzähligen Kinder, die nicht leben konnten oder durften.

Ein Ultramarin der feinsten Sorte für den hohen, weiten Himmel, der sich über das Buschland spannt….

Ein geheimnisvolles Grünblau im Dunkel mit roten Leuchttupfen für die Stimmen der Frösche und Grillen in der Nacht, solche, die wie rostige Schaukeln klingen, jene, die leise beginnen, lauter und höher werden bis zu einer kleinen Pause… und wieder von vorne beginnen – die vielstimmige Nachtsymphonie.

Ein lustiges Gelbgrünblaurot für die selbst gebastelten Einbände der Patientenakten, mal aus alten Getränkekartons, mal kollagiert, mal fein, mal knittrig und  rotbestäubt, aber immer kreativ.

Ein kreischendes Grün für die jungen Maispflanzen, die neben Erdnussblättern und Kassavakraut aus der roten Erde sprossen. Ein quietschgelbes Grün  für den an der Mauer klebenden Gecko, den fleißigen Mückenfänger. Ein schartiges, runzliges, getüpfeltes Grün für die Früchte,  mit und ohne Stacheln, herb und süss und mild und scharf.

Ein Giftgrün für Korruption und Unmäßigkeit, für den Aberglauben, der nicht zögert, Menschen zu opfern, damit die Geister zufrieden sind, ein tödliches Grün, fast schwarz.

Ein schreiendes Rot für all die zu stellenden Fragen, jene, auf die es keine Antwort gibt, jene, die lächerlich klingen, und jene, deren Beantwortung uns die Schamröte ins Gesicht treiben könnte.

Ein zorniges Rot für all die Tränen – man könnte meinen, die Taschentücher der Engel seien so nass geweint, dass es sogar in der Wüste regnen müsste.

Ein dunkles Violett, matt und glanzlos zuweilen, für den Wert eines Menschenlebens – wie leicht es sich hier stirbt, wie leicht ein Leben aufgegeben wird.

Ein nichtssagendes, müdes Grau für die Resignation.

Ein untiefes Blau, gefährlich und kalt, für das Meer, das große Grab für Fliehende und Hoffende.

Ein unerträgliches Rot für all den Schmerz, den durch Gewalt und Nachlässigkeit, durch Ignoranz und Schlamperei, Egoismus und Machtmissbrauch zugefügten, unerträglich in Form und Farbe und Ton.

Ein tiefes Blau, ein schweigendes Rot und

Weiß für die Stille.

Die Stille. Berührtsein. Umantwortringen.  Beschämtsein.

Und ein Schimmer von zarthellem Grün für die Hoffnung auf einen oder eine, der oder die wahrnimmt, aushält, sich zuwendet, tröstet, hört, hinsieht…

Wie ist Afrika? Feinsinnig und brutal, abstoßend und voller Wunder, gewalttätig und zärtlich, trocken und feuchtwarm, weich und voller Stacheln, voller Tod und hinreißend lebendig.

So ist es und verlangt ein weites Herz und dass das Schlimme nicht das Wunderbare überwachsen darf. Und es verlangt das trotzdem, trotz allem für Afrika zu sein und für seine Menschen, denn in jedem einzelnen liegt ein Samenkorn Hoffnung für die Zukunft dieses Kontinents.

SWB

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s