sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.

Uchungu wapi? – Wo tut es weh?

Ein Kommentar

Dienstag, 12.50 Uhr

Ein Herr mittleren Alters beklagt, neuerdings magnetisch zu sein. Ein Fall fuer die Chirurgie, denn: beim Arbeiten ist ihm vor einigen Tagen ein Metallsplitter in den Unterarm geraten. Die Schwestern im Dressingroom sind zuversichtlich, dass die Entfernung des Fremdkoerpers schnell erledigt ist und mochten die Aktion noch vor der Mittagspause gestartet sehen.

Die Chirurgin spritzt die oertliche Betaeubung und schaut noch schnell eine Lady mit Malariasymptomatik an. Bei  taeglich  an die 300 Patienten (verteilt auf 6 Aerzte) sind nicht nur die Patienten des eigenen Fachgebiets zu sehen.

Das Metallteilchen ist schnell entfernt, allerdings springt der Patient fast vor Schreck vom Tisch, als neben ihm das Sterilisationgeraet Dampf ablaesst. Auch die Chirurgin fragt sich, ob das Teil demnaechst explodieren koennte, was dann aber doch nicht der Fall ist. Die Geraeuschkulisse dient nicht unbedingt der Entspannung, zumal auch auf der anderen Seite des Vorhangs gegipst und Beinulzera verbunden werden, aber der Patient ist schliesslich doch dankbar, vom Metall befreit zu sein.

Eigentlich waere jetzt Zeit fuer die Mittagspause, aber auf der Liege im Vorraum ist ein neuer Notfall angekommen: nach einer Schlaegerei und Bearbeitung mit der Machete muss sofort ein juegerer Mann angeschaut werden. Auf dem Ruecken prang ihm ein 30 cm langer , tiefer, sowie mehrere kuerzere Schnitte, Schuerfwunden finden sich im Gesicht, an beiden Haenden, Knien und Knoecheln. Der Mann selbst ist nur halb bei Bewusstsein und mag nicht die Augen oeffnen. Die Ehefrau, deutlich veraergert ueber die Aktivitaeten ihres Gatten, berichtet eine fuenfminuetige Bewusstlosigkeit. Also schnell die grossen Wunden versorgen, Tetanusimpfung, und dann ab zur Ueberwachung…..so  wuerde man zumindest im deutschen Kontext planen.

Die blutende Nase, zum Glueck noch symmetrisch, wird hier nicht geroengt, da sowieso keine Konsequenzen anstehen und Roentgenbilder teuer sind. Und die Ueberwachung? Schickt man den Patient ins naechstmoegliche Krankenhaus, so wird er dort vermutlich 4-6 Stunden warten muessen, bis er neben all den anderen Notfaellen dann endlich an der Reihe ist, angeschaut und vermutlich auf der Stelle wegen Geringfuegigkeit wieder nachhause geschickt zu werden. Aber: waehrend der Wartezeit im Klinikbereich, die Ehefrau an der Seite, ist, falls sich das Befinden drastisch verschlechtern sollte, schneller jemand zu erreichen als von zuhause aus, wo man ihn erstmal auf ein Motorradtaxi laden und im immer etwas unuebersichtlichen, chaotischen Strassenverkehr  dann erst in die Klinik bringen muesste.

Endlich sind alle Wunden versorgt, der Patient wieder soweit in der Lage, die Augen zu oeffnen und zu berichten, welcher Wochentag heute und wann sein Geburtsjahr ist. Die Mittagspause kann angetreten werden, die vier Weissbrotscheiben mit Tomate, die jeder der Aerzte bekommt (ein Privileg, denn die anderen Mitarbeiter erhalten die Brotscheiben ohne Belag), warten gluecklicherweise noch in einer Plastikdose. Die Koechin macht jetzt auch Pause und verbirgt sich hinter der Tageszeitung. Und in der Tat ist in der Daily Nation Interessantes an Informationen zu finden: 170 Freiwillige, kenianische Schwestern, Laboranten und Aerzte machen sich demnaechst auf nach Westafrika, um im Kampf gegen Ebola zur Hilfe zu eilen. Auch ist eine 80jaehrige mit 5 kg Cannabis erwischt worden. Sie habe den Dealerjjob von ihrem verstorbenen Ehemann geerbt und erwartet nun ihre Verurteilung.

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Ein Kommentar zu “Uchungu wapi? – Wo tut es weh?

  1. danke für deinen bericht sabine! ich seh das alles lebendig vor mir. es ist schön, ein Lebenszeichen von dir zu bekommen, wenn man in den Nachrichten von Nigeria hört, ist ja nicht so prickelnd, was da passiert.
    liebe grüße und viel kraft und Weißbrot mit Tomate zum durchhalten. 🙂

    die bea

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