sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.

After Work Colours

5 Kommentare

Die Sonne neigt sich dem Horizont zu und schickt  noch vereinzelt Lichtbaender in den Pfadedjungel von Mathare.

Die Motorradtaxiwartebank, hoelzern und ein wenig wackelig, ist nur noch vereinzelt besetzt und darf als diskreter Aussichtspunkt dienen.

Auf dem Weg herrscht nach wie vor bunte Betriebsamkeit. Ein steter Strom von Menschen fliesst in beiden Richtungen, jedoch nicht in Eile; es ist ein ruhiges, bestaendiges Fliessen, zielstrebig, aber auch bereit fuer Unterbrechungen, einen Wortwechsel, eine Begruessung. Einen Handel. Ein Innehalten.

Eine Geschaeftrsfrau sitzt auf dem Boden gegenueber und putzt ihre Backutensilien. Sie hat den ganzen Tag ueber in heissem Fett Teigkugeln gebacken und dann verkauft. Eine himmelblaue Thermoskanne steht neben zwei Plastikflaschen, die eben aus dem Waschwasser aufgetaucht sind. Ein ueberaus magerer Hund, hellbraun, mit struppigem Fell und einer Wunde an der Flanke, zieht die Ohren ein und geht drei Schritte rueckwaerts, als ein junger Mann vorueberlaeuft.

Ein Schulkind in dunkelblauer Uniform traegt ein Kleineres auf dem Arm. Eine Grossmutter in blauschwarzer Karowolljacke und gelbweissem Bluemchenkopftuch heuert zusammen mit ihrem Enkel, einem Schulbub, ein Motorradtaxi an. Drei vom Sand graurot bestaubte, magere Schafe draengen sich um eine Abfallkiste auf der Suche nach Gemueseresten, die Koepfe tief hineingetaucht.

Eine Mangoverkaeuferin in mangogruener Bluse wartet auf Kundschaft. Ein Maedchen mit weissem Kopftuch schaelt Kartoffeln, der Eimer ist bereits halbvoll. Eine kleine Katze mit zerfetzten, blutigen Ohren steigt vorsichtig in eine Abfallkiste mit gelbgruenen Kohlblaettern hinein. Eine mittelalte Lady traegt eine zusammengerollte gruene Matratze auf dem Kopf und einen Holztisch in den Haenden vor sich her. Ihr Schritt ist langsam und wuerdevoll.

Ein Schulbub in leuchtend blauem Pullover schaut, was ich schreibe und will mir die Hand schuetteln.

Musik, in der die Sonne scheint, droehnt aus dem Lautsprecher eines in hell-giftgruen gestrichenen Verkaufsbuedchens. Eine sehr alte Dame mit nur einem uebrigen Frontzahn bespricht mit einer der Krankenschwestern den Stoffverband an ihrem linken Fuss, der seinerseits in einem blauen Flipflop steckt. Am anderen, gesunden Fuss traegt sie einen grauen Slipper. In einer eingebrochenen Betonverschalung saeugt eine magere Huendin ihre winzigen Jungen, zwei davon sind schwarz, die anderen hellbraun.

Eine wohlgenaehrte Dame aus der Verwaltung, gelbschwarz gepunktet im Kaeferlook gekleidet, zupft die gelbe Kostuemjacke zuecht. Ein sehr junges Paar traegt ein winziges Neugeborenes im rosa Wollplaid. Ein Schwein, mehr grau als rosig, draengt sich grunzend zwischen zwei Huetten in einen engen Durchgang hinein.

Ein etwa Fuenfjaehriges im lila Bluemchenkleid balanciert eine Tuete Pommes und strahlt mich im Voruebergehen an. Eine Lady im blaugrauen Kleid schneidet einen Fisch ein, bevor sie ihn in der Reihe der anderen an ein rostiges Metallgestell haengt. Drei Schulmaedels in dunkelblauen Blusen und grauen Roecken marschieren vorbei, auf den weissen Kniestruempfen ringeln sich jeweils drei blaue Streifen.

Zwei alte Damen, gut verpackt in dicke Wolljacken und mit langen Roecken, besteigen ein Motrorradtaxi. Eine schlanke junge Frau in rosa Kleid, rosa Ohrring und rosa Haarreif tippt in ihr Handy. Ueber den Bretterverschlag gegenueber schiebt sich ein letzter Sonnenstreifen.

Rose, heute in petrolfarbenem Pullover, ansonsten in Schwarz gekleidet, macht sich auf den Heimweg, die Donnerstagsleinentasche ist violett. Ein Bettler, von oben bis unten erdfarben gekleidet, sitzt an eine staubige Wellblechwand gelehnt. Er dreht unermuedlich an einer Schnur, bald links-, bald rechtsherum und streckt die Hand nach den Voruebergehenden aus. Zwei junge Maenner, schlank und sportlich, in rotem und weissem T-Shirt, schlendern vorueber. Makelllos glaenzen die Schuhe.

Drei kleine Maedchen kommen zum Haendeschuetteln zu mir herueber, ein kleiner Junge im roten Pullover setzt sich neben mich und lacht. Die Geschaeftsfrau packt ihre frisch gespuelten, dunkelgruenen Teller zusammen.

Ein kleines Maedchen im lila Kleid traegt einen orangefarbenen Schirm. Ben, der starke Mann von der Registrierung , wie immer im blauen Kittel, traegt die letzte Wartebank hinein. Ein schmucker junger Mann im blauen T-Shirt, auf dem eine Windmuehle prangt, lehnt laessig am tuerkisfarbenen Kartenverkaufsstand. Eine Hand ruht auf der Huefte, der andere Unterarm lehnt auf der Theke. Zwei silberne Ketten glaenzen auf seiner Brust, eine kurz, die andere lang.

Ein Schulmaedel in graukarierter Uniform traegt einen rosa Rucksack mit Mangadesign. Daraus schaut ein blauer Plastikteller hervor. Ein Junge in azurblauer Sportjacke schneidet gruenes Gemuese in eine hellblaue Schuessel.

Am Himmel steigt rosig die Daemmerung auf.

Der Watchman schliesst das graue Metalltor.

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5 Kommentare zu “After Work Colours

  1. Deine Wortbilder stehen den gemalten nicht nach. Danke für´s Mitnehmen nach Mathare !

  2. I love each of your writings. The way your write truly lets me feel that I know what part of your day is like and what you’re experiencing with your life’s special opportunities. Thank you so much for the time and care you take with everything you write. It’s so obvious the passion you have for all the people.

    • Thanks so much, Carol! I often feel that it is totally inadequate to take pictures of such poverty so I try to paint with words. There still is the taste and the sound missing, but maybe it is a little window to this so much different world….

  3. ganz bunt kann ich die szenen sehen, die du beschreibst liebe sabine – und habe grade überlegt, wie sich das wohl alles anhört?
    ich liebe deine patientenfälle!

    herzlich
    bea

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