sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.

Das Knie von Onesimo

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Einer von zahlreichen Patienten am Dienstagmorgen ist Onesimo. Er hinkt, ein Bein nachziehend, auf einen Holzpflock gestuetzt herein. Die Anamnese erweist sich selbst fuer meine Uebersetzerin als nicht ganz unkompliziert, irgendwie scheint er ein wenig durcheinander zu sein, schwitzt stark, ein Auge ist geroetet. Langsam zeigt sich ein roter Faden: Onesimo ist am Abend zuvor ueberfallen worden, hat nach einem Schlag ins Gesicht das Bewusstsein verloren, jetzt schmerzt das linke Knie und ist stark geschwollen.

Nun waere es gut, jemanden zu Rate ziehen zu koennen, der ihn ein wenig kennt, um heraus zu finden, ob er wegen einer Schaedelverletzung so neben sich ist, oder ob man dies schon von ihm kennt. Aber es gibt, so meint er, keinen, er hat keine Angehoerigen in der Naehe und ist erst vor kurzem von „up country“ angereist. Nachdem ich ihn untersucht habe, schreibe ich eine Liste, was zu tun ist. Rose, die Sozialarbeiterin dazu bitten – denn wie soll er mit diesem Knie ohne Unterstuetzung zum Roentgeninstitut gelangen? Das Labor ist wichtig: hat er von zuhause eine Malaria mitgebracht? Und er braucht Gehstoecke, hat aber kein Geld dafuer, sagt er – darum kuemmert sich Headnurse Lilian. Und dann braucht es ein Schmerzmittel und etwas zu trinken, und schliesslich organisiert Rose zwei Community Health Worker, die ihn im Ambulanzfahrzeug zum Roentgen bringen,  nachdem die internistische Kollegin ihn noch einmal in Augenschein genommen und die  Laborwerte sich als unauffaellig erwiesen haben.

Das Roentgenbild zeigt, viel spaeter am Tag, eine Tibiaplateaufraktur mit leichter Verschiebung. Onesimo will keinesfalls ins Krankenhaus, viel zu teuer sei das fuer ihn. Daher machen wir zu viert (die Chirurgin und drei starke Maenner) den Oberschenkelgips. Jetzt ist eigentlich so leidlich Ordnung in die Misere gebracht, und auch dem Patient scheint es besser zu gehen als am Morgen. Nur, wie soll er sicher nachhause kommen zu Fuss auf einem Bein, auf den Buckelpfaden von Mathare?

Ich mache mich auf die Suche, ob noch einer der Community Health Worker zu engagieren ist und finde tatsaechlich einen, der gerne mitgehen will. Kaum betritt er den Verbandsraum, in dem der Patient  gerade noch das Balancieren auf einem Bein uebt und sich ueberlegt, dass er eigentlich eine dritte Hand braeuchte, um den nun uebrigen Schuh zu verstauen, geht ein Strahlen ueber sein Gesicht: Onesimo ist sein Nachbar! Das macht die weitere Versorgung deutlich einfacher…

Die Daily Nation findet in diesen Tagen mahnende Worte. Nachdem der „Plasticban“ in Kraft getreten ist, gibt es ueberall Stofftaschen zu kaufen (die duennen Tuetchen, die zwar praktisch waren (sogar als sogenannte „flying toilets“), aber allerorten  – in Baeumen, Wiesen, Fluessen etc. etc. etc. die Umwelt verunziert haben, sind bei Strafe verboten worden). Die Zeitung weist darauf hin, dass man die Stoffvariante auch oefters mal waschen sollte, damit sich keine Bakterien und Pilze darin ansiedeln und dem Kaeufer von Obst und Gemuese schaden koennten…

Weitere Infos unter http://www.german-doctors.de

Danke an Sascha fuer das Foto!

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