sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Back to work…

Zurück zu meinen Patienten – steiler Einstieg in eine volle Woche (am 12. postop. Tag). Alle freuen sich, dass ich wieder da bin, die einheimischen Mitarbeiter fragenimmer wieder, wie es geht, lassen mir ein Höckerchen im Verbandsraum frei, dass ich nicht die ganze Zeit im Stehen schreiben muss, eine der Schwestern aus der Triage sagt, sie schätzten sehr, dass ich mit den Patienten helfe, obwohl ich noch nicht wieder so fit sei. Das tut gut und man fühlt sich gleich fitter…

Wie immer ist unser Spektrum bunt und vielfältig, vom Insekt im Kinderohr, das herausgespült werden muss über die vielen Gipse (einige sind bereits seit zwei Wochen überfällig, weil ich nicht da war und keiner sonst sich berufen fühlte, sich in die Akten hineinzuarbeiten) bis zu akuten Bäuchen und noch viel mehr.  An einem Mittag denke ich, ich mache mal für 10 Minuten die Tür und die Augen zu, aber die vielen Patienten vor der Tür wissen, da ist eine Doktorin drin, und die kann eigentlich nur fit sein und ist dafür da zu helfen, und so wird immer wieder die Klinke heruntergedrückt und geklopft.

Rufus, 38 Jahre alt, stellt sich mit einer grotesk geschwollenen Oberlippe vor. Bei genauerem Betrachten zeigt sich, dass es ein praller Abszess ist. Wir erklären ihm, dass unbedingt der Eiter raus und zugleich ein Antibiotikum über die Vene gegeben werden muss, weil die Nähe zu den in den Kopf eintretenden Gefässen ein grosses Risiko beinhaltet. Kein Problem, Rufus positioniert sich cool auf der wackeligen Liege im kleinen septischen OP, aber als die Schwester sich mit der Nadel für den intravenösen Zugang nähert, geht garnichts mehr. Der Patient springt auf, wedelt wild mit den Armen, nein, keine Spritze, auf keinen Fall! Verschiedene der sich einfindenden einheimischen Mitarbeiterinnen versuchen mehr oder weniger laut, ihn zu überzeugen, und ich frage mich: warum? Schlechte Erfahrungen? Aberglaube? Hätte der Witchdoctor etwas einzuwenden? Einfach nur Weichei?

Wir bitten die Vertretung der Headnurse dazu, die mit etwas mehr Sanftmut, aber nicht ohne Taktik an die Sache herangeht, und schliesslich ist Rufus doch bereit, sich auf den venösen Zugang einzulassen. Er habe halt eine Spritzenphobie, wird mir erläutert. Maximal angespannt, die Hand vor die zusammengekniffenen Augen gepresst, übersteht er die Prozedur des Nadellegens dann gerade so.

Ich habe schwere Bedenken, wie es werden wird, wenn ich erst den Abszess eröffne, und bitte vorsichtshalber einen unserer starken Männer dazu, es kommen, vorgewarnt von den Schwestern, gleich zwei, man weiss ja nie, aber dann zuckt Rufus nicht mit auch nur einer Wimper. Da habe er keine Probleme, meint er, jetzt wieder ganz der Coole, ein Schnitt, keine grosse Sache. Nur eben, die Nadeln… Während Inzision, Ablaufen grösserer Mengen Eiters und ausführlicher Spülung  geht dann alles sehr entspannt zu, auch der zweite starke Mann ist längst wieder nach draussen verschwunden.

Patienten in diesen Tagen in ein Krankenhaus zu verlegen, ist nicht ganz einfach, egal, wie schwer krank sie sind. Eines der grösseren Häuser hat Fisteloperateure zu Gast und kann neben deren Patienten keine weiteren mehr aufnehmen, zu zweien unserer anderen grossen Referalhospitals können Patienten nicht mehr mit der Ambulanz gebracht werden, weil es sich (was früher keinen störte) um einen anderen Stadtteil handelt, die Kranken sollen sich selbst auf den Weg machen…

 


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Kleiner kenianischer Selbstversuch

Der erste Arbeitstag ist geschafft mit der gewohnten chirurgisch-bunten Vielfalt, der nächste Tag, Sylvester, bringt Bauchweh und ich schaffe es nicht zur Arbeit. Die Kollegen, die das hier Üblichste vermuten, wähnen mich von der Arbeit aus beim Erholen und Spazieren, aber meine Welt versinkt zunehmend im Schmerz. Abends dann muss sich die Chirurgin dem Offensichtlichen stellen, dass es doch sehr typisch für einen gammeligen Blinddarm aussieht. Also ab in ein Krankenhaus, der freundliche internistische Kollege kommt  mit, zum Glück auch mit einem dicken Bündel kenianischer Schillinge bewaffnet, und das ist ein Glück, denn Behandlung gibts erstmal  nur gegen Cash.  Dass man jetzt, am Sylvesterabend, die Krankenversicherung anruft, verschieben wir erstmal. Die Aufnahme, dass man gesehen wird, kostet nur 20 Euro, die Blutabnahme dann schon 70, und die weiteren Untersuchungen liegen schon über 300.  Der Abend zieht sich in die Länge, das Jahr wechselt, ich habe mich in die Sitzgruppe im Wartebereich gelegt, der Kollege tippt Neujahrgrüsse in sein Smartphone. Um 3 Uhr morgens schliesslich ist meine Verdachtsdiagnose rundum bestätigt und es soll gleich in den OP gehen, allerdings auch gegen Vorauskasse, und jetzt rufen wir dann doch die Krankenversicherung an, die sich netterweise ab jetzt um alles kümmert. Der Kollege fährt nachhause und ich in den OP. Es steht nun wirklich nicht auf meiner Wunschliste, mich in Afrika operieren zu lassen, aber inzwischen will ich nur noch die Schmerzen loswerden und alles andere ist egal. Das ist jetzt auch grösstenteils geschafft, wobei ich mich immer noch frage, wofür das nun wieder gut sein soll, während meine chirurgischen Patienten, für die ich ja eigentlich da sein wollte, weggeschickt werden. Vermutlich kann der Horizont garnicht genügend erweitert werden und auch die Chance, dass die Empathie wächst…


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Joy to the world

Grund zur Freude: der grosse Gott macht sich ganz klein: Er weiss, wie sich Menschsein anfühlt – ein Flüchtlingsbaby, Jesus, in einer Futterkrippe, weil kein Platz im Gasthaus ist.

Wo Plätzchen, Christbaumschmuck und teure Geschenke auch kaum zu finden sind,  werde ich die nächsten Wochen chirurgisch arbeiten: in unserer German-Doctors-Ambulanz im Mathare Valley Slum in Nairobi. Mehr Infos unter http://www.german-doctors.de

Joy to the world: the almighty god comes to us as a baby, born to refugee parents in a stable – there was no room in a better place. He knows what life in this world feels like.

Where cookies, christmas-tree decoration and expensive gifts are also not present, I will work during the next weeks  in our German-Doctors‘ Out-Patient-Department in Mathare Valley Slum, Nairobi. More information: http://www.german-doctors.de

 


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Wandbilder für die Grundschule Birkach

Eine befreundete Lehrerin hatte die Idee, ob ich mich nicht an der Wandgestaltung im Neubaubereich der Birkacher Grundschule in Stuttgart beteiligen wollte. Ich wollte! Drei Bilder sind fotografiert, vergrössert und schon teilweise montiert worden, hier schonmal eines (ausserdem gibt es noch ein Kind mit Schmetterlingsnetz und ein „Seestück“ mit Wellen und Wassertieren).

A friend, who is teacher in Birkach primaryschool, asked, if they could use some of my paintings from childrens‘ books in the newly built part of the school. Of course! Besides the children in the tree,  a boy, who has caught a lot of interesting objects in a net supposed to catch butterflies, can be seen and a little ocean with water-animals.


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Freunde…Friends

Eine weitere „Challenge“ mit Collage unter dem Titel „wofür bin ich besonders dankbar im vergehenden Jahr?“ hat stattgefunden. Ich dachte mir: Freunde und gute Begegnungen sind immer noch das Beste im Leben… (Ihr könnt ja mal schauen, wo Ihr Euch wiederfindet😊).

Another challenge, prompt: what am I most thankful for regarding this year?  I thought – best in life are a good being together and my friends. So I tried  a collage… have look if you can find yourself!


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Koffergeheimnisse – Suitcasesecrets

With her new x-ray-glasses Margot finally found out, who had messed up her suitcase in former times…

(done at a Challenge from the Illustrator’s Communitiy EditArt (on Instagram:  @editorialartgroup ,  prompt: What is in your suitcase?)

Mithilfe ihrer neuen Röntgenbrille fand  Margot endlich heraus, wer auch schon in früheren Zeiten in ihrem Koffer alles in Unordnung gebracht hatte…

(Bild im Rahmen einer Challenge der Illustratorengruppe EditArt, Thema: Was ist in deinem Koffer? – auf Instagram:  @editorialartgroup )


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Königin Esther und das Sonnenvögelchen

Herzliche Einladung zur Ausstellung meiner Buchillustrationen in der Tagungsstätte Bernhäuser Forst in der Dr.-Manfred-Müller-Strasse 4, 70794 Filderstadt

Dauer: von 18.11.2019 bis 30.4.2020 geöffnet: Mo bis Sa 8-17 Uhr, So 8-14 Uhr, je nach Gästeaufkommen auch mal ausserhalb dieser Zeiten, bitte vorher anrufen unter 0711/79761-0.

Die Tagungsstätte ist landschaftlich schön und mit Aussicht am Waldrand gelegen, eignet sich also auch für einen Wochenendausflug mit Wanderrunde,  zudem kann man sie zum Bilderraten nutzen ( aus welcher Geschichte könnte welches Bild stammen?) …