sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Reisen…Travelling…

Ein Reisepass ist auch eine Einladung zum Gedankenreisen, sich erinnern, exotische Visa anschauen…Ist das Teil dann noch abgelaufen, kann man sich auch farblich noch ein bisschen darin ausbreiten, weil der Passrücken bindungsmäßig so geschaffen ist, dass er sich zum Buchrücken entfaltet, wenn man etwas einklebt…Und plötzlich hat sich der Bundesadler in ein Huhn verwandelt!

Passports are not only documents, but also an invitation to travel by imagination, remember, looking at exotic visa… And: passports are made to unfold, if paper or other additions are glued inside – the back is transforming into a bookback! So what to do with the expired one that still holds a lot of memories?


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Afrikanisches Grün

Im Rahmen des La Ninja Phänomens, das auch in der Trockenzeit zu sintflutartigen Regenfällen im östlichen Afrika und damit auch zum zunehmenden Überfluten der Seen führt, gibt es viel frisches Grün…


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Fragmente…

…noch ein Wort zum Nachdenken:

„Welche Heiterkeit kann daraus entstehen zu wissen, daß man nicht der Garant seiner selbst sein muß; daß man den Ganzen spielen kann in der Figur des eigenen fragmentarischen Lebens.“

(Fulbert Steffensky in „Der alltägliche Charme des Glaubens“, Echter 2002)


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Feder…

„Ich bin ein Mensch, der eine schöne Feder auf seine Handfläche legt und sie in die Luft bläst. Ich bin weder für die Schönheit der Feder verantwortlich noch für den Blick, mit dem andere sie sehen.“

(Fulbert Steffensky in seinem Buch „Der alltägliche Charme des Glaubens“ Echter 2002)


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Reisen in diesen Zeiten…

Neujahr, 4 Uhr morgens. Ich stehe mit einer dicken Reisetasche und 15 Paketen Verbandsmaterial am Flughafen. Es herrscht verschlafene Ruhe. Umweltfreundliche Stille. Im Rucksack warten elektronisch erstelltes Visum, negativer PCR-Test, Anmeldung beim kenianischen Gesundheitsministerium etc. etc. etc. Eigentlich fühle ich mich gut vorbereitet. Die Fluglinie sieht dies jedoch nicht so. Das PCR-Testergebnis ist auf deutsch verfasst. Das geht garnicht. Ich weise darauf hin, dass auch auf Bantu oder Chinesisch die Worte PCR-Test, negativ, mein Name und das Datum in Zahlen dieselben wären, aber….wenn ich nicht sofort eine englische Übersetzung vorweise, muss ich zurück nachhause fahren, sagt mir der motzige Herr am Schalter.

Neujahr, 4.15 morgens. Was nun? Die einzige Lösung für das Problem könnte die Laborbereitschaft in dem Krankenhaus sein, wo ich den Test gemacht habe, zum Glück dort, denn all die anderen Labors und Teststellen sind jetzt natürlich nicht erreichbar…Ich rufe dort an. Die Laborbereitschaft hat ein weites Herz und Verständnis. Stellt in Windeseile eine englische Übersetzung zusammen und faxt diese an die Fluglinie. Endlich ist das Blatt angekommen. Wird akzeptiert. Es kann losgehen. In Kenia wieder Vorweisen der diversen Blätter und QR-Codes. Endlich bin ich da.

Die Rückreisevorschriften wandeln sich wöchentlich. Die Kollegen, die zwei Wochen vor mir abgereist sind, hatten noch vergeblich versucht, sich auf einer afrikanischen Plattform einzuloggen, die dann aber als gehackt und nicht funktionsfähig geoutet wurde. Inzwischen hat nämlich das kenianische Gesundheitsministerium beschlossen, dass niemand das Land ohne negatives Testergebnis verlassen darf. Als ich dann zur Abreise anstehe, funktioniert die Plattform wieder. Man muß, um ausreisen zu dürfen, das negative Testergebnis dort hochladen, einen QRCode generieren und diesen dann ausdrucken. Je näher der Abreisetermin rückt, desto kribbeliger wird man als Reisender. Wird Strom da sein? (Dann musst du halt zum Ausdrucken in ein Hotel fahren, das einen Generator hat…schlägt jemand Findiges vor), wird der Computer funktionieren? Der Drucker? (alles nicht garantiert). Freitags vor Abreise fahren wir zum Testen. 2 Stunden Weg durch die allgegenwärtigen Nairobistaus, im Auto mit einer der hustenden, niesenden und tropfnasigen Schwestern und der gestern mit „bad flu“ erkrankten Hausangestellten (wobei die beiden nicht getestet werden, sondern nur denselben oder einen ähnlichen Weg fahren wollen), obwohl das Labor garnicht so weit entfernt ist. Fast genauso lang zurück. Das Testergebnis soll per email kommen.

Warten. Nachdenken über die Möglichkeiten. Nach 6 Wochen ohne Abstand, kaum Lüften, ohne Extra-Kittel bei verdächtigen Patienten, dafür aber mit vielen Hustenden, die ihre Masken entweder garnicht oder unter dem Kinn tragen, ist man sich nicht so sicher, wie der Test ausfallen wird. Abends um 10 ist er da und negativ (drei Luftsprünge!), aber das Hochladen auf der Plattform funktioniert nicht. Zu dritt versuchen wir’s, der schweizer Kollege, tief über den Bildschirm gebeugt, fragt, wie nur ein Durchschnittsmensch ohne medizinische Vorbildung mit diesem System zurecht kommen soll? Allein die Auswahloptionen für die Tests…Zum Trost: das Labor arbeitet auch am Samstag. Morgen rufen wir an.

Ja, ja, sagt der Kollege im Labor am Samstag, kommt alles noch, er schickt die nötigen Daten, auch auf die Plattform, das müßte ich nicht machen. Dort taucht dann auch tatsächlich nach einer weiteren Warteweile ein QRCode auf. Der Drucker tut brav sein Werk. Und die Papiersammlung scheint komplett incl. der Voranmeldung beim RKI mit Registrierungsnummer. Am Abend, nachdem ich mich in einer Schlange, die die halbe Gebäudelänge umfaßt, endlich ins Flughafengebäude geschlängelt habe, zeigt sich allerdings, daß doch noch etwas fehlt. Den QRCode will keiner sehen, dafür aber einen Corona-Schnelltest. Ach? Das stand nirgends. Und der PCR Test ist doch frisch? Nein. Entweder noch einen Abstrich, jetzt sofort, oder hierbleiben. Letzteres geht garnicht, ich hätte nicht mal mehr ein Bett, weil die beiden neuen Kollegen gerade angekommen sind. Am Flughafen gibt es den Test nicht, also mit dem ganzen Gepäck in ein Taxi, vollgestopft mit ärgerlichen Fluggästen, die auch von dieser Option überrascht wurden, und ab zu einer Klinik. Die sich als drei Zelte im Garten erweist, dort wieder warten, nochmal 35 Dollar bezahlen, wieder warten. Endlich mit dem gewünschten Ergebnis zurück, gerade noch rechtzeitig zum Abflug.

Zurück in Deutschland will niemand irgendein Papier sehen. Man nimmt seinen Koffer vom Band und verschwindet. Selten habe ich mich so gefreut, wieder zuhause zu sein…


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Sonntagsausflug

Das Wochenende vor der letzten Arbeitswoche soll ein entspanntes sein. Während die Kollegen am Samstag um 6 Uhr aufstehen, um dann 4 Stunden Autofahrt nach Amboseli hinter sich zu bringen, bin ich nur mit diesem und jenem und Pausen dazwischen beschäftigt, eine sehr wohltuende Variante nach der trubeligen Woche, wie ich finde. Eine schöne Abschieds-Tasse für die Übersetzerin kaufen (um von den Plastikbechern los zu kommen), interessante Gespräche mit den Neuankömmlingen, die in zwei Wochen weiter in das neue Projekt nach Kilifi fahren, Stofftiere anschauen mit dem vierjährigen Familienmitglied, ein bisschen laufen…Am Abend dann kommt die kenianische Kollegin, um hier zu übernachten, damit wir am Sonntag morgen zusammen zum Wandern starten können. Wir fahren das kurze Stück zu den Ngong Hills (erinnert sich jemand an den Beginn der Schmonzette „Jenseits von Afrika“: Ich hatte eine Farm am Fuße der Ngongberge…Karen Blixens Wahlheimat?), um dann hinauf und die Bergkette entlang zu wandern, die stellenweise bis zu 2600m hoch steht.

Der Weitblick ist wunderbar, zum Glück ziehen die Wolken noch in großer Höhe (gegen Ende der Tour hat uns dann eine dicke, nasse Regenwolke eingehüllt) und man kann hier gedanklich und ganz befreit auch atemtechnisch völlig ohne Maske ein wenig über den weiten Ebenen gen Norden schweben – ein sehr willkommenes Gegengewicht zu den Staus auf zehnspurigen Straßen, den grauen Mauern und Wegen, dem Coronahinundher, dem Gedränge und dem Lärm in Nairobis dicht bewohntem Stadt- und Slumgebiet. Die Kollegen kommen wie wir auch am Sonntagabend zurück, der Kilimandscharo, in dichte Wolken gehüllt, hatte sich nicht sehen lassen, dafür ein paar Elefanten. Leider auch nicht der erhoffte Leopard.

Jetzt muß erstmal alles wieder trocknen, vom Rucksack über die Kleidung incl. der Unterwäsche und Geldbörse bis hin zu den Schuhen (die einen Hauch der roten Erdfarbe behalten werden)…


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10 vor 3 im Dressingroom

Die Uhr im Verbandsraum zeigt 10 vor 3. Ein jüngerer Mann schiebt eine vermummte Gestalt im Rollstuhl herein. Ein Tuch um den Kopf gewickelt, lehnt die Kranke etwas schief in dem Gefährt. Schmerzen in der rechten Seite, berichtet der Ehemann der 27jährigen, sie könne sich kaum noch bewegen. Seit vier Tagen werde es schlimmer. Die Patientin reagiert nicht auf Ansprache, nur ein Kneifen am Brustbein führt noch zu ungezielten Bewegungen.

Wir legen die Kranke auf eine der Liegen. Die Vorgeschichte ist schnörkelreich. Gerade wurde sie aus einem Krankenhaus entlassen, wo man sie auf „Typhoid“, eher eine Verlegenheitsdiagnose, behandelt hatte. Ohne Erfolg. HIVpositiv sei sie auch. In der Untersuchung zeigt sich eine rechtsseitige Lähmung von Arm und Bein, der Blick ist konstant nach links gerichtet. Ich bitte den CO der HIVAbteilung hinzu. Er vermutet eine Enzephalitis, Kryptokokken oder einen Abszeß.

Wir sind uns einig, dass die Patientin bei uns nicht gut aufgehoben ist. Wir bitten die Headnurse zum klärenden Gespräch mit dem Ehemann. Schickt sie in einem Taxi, sonst wird sie nicht aufgenommen, ist die Empfehlung. Eine nicht ansprechbare 27jährige mit Halbseitenlähmung im Taxi schicken? Aber immer noch dauert der Klinikstreik an. Eine völlig überlaufene Klinik gibt es noch, wo wir sie hinschicken könnten, aber mit dem Krankenwagen hat sie keine Chance. Wir rufen an, schlägt die Headnurse vor. Chronischer Zustand, lautet die Antwort, nehmen wir nicht.

Eine Lähmung seit zwei Tagen ist kein chronischer Zustand, sage ich. Schickt sie einfach so hin, empfiehlt die Headnurse, lange erfahren in dem ganzen Kummer mit Streik und Abweisungen – wenn sie selbst kommt, ohne jede Spur einer Vorbehandlung, müssen sie sie nehmen. Na denn. Ich bin versucht, nichts mit dieser Entscheidung zu tun haben zu wollen.

Patrick, 62 Jahre, war letzte Woche schon einmal da. Mit einer zu großen Prostata, die schon lange drückt und einem Harnwegsinfekt. Da saß er drei Stunden lang im überfüllten Wartebereich zwischen hustenden Anderen. Heute hustet er selbst. Hat Fieber. Atemnot. Die Sättigung ist bei 89% angekommen. Ich kenne das Bild von zuhause: älterer Herr, entsprechende Symptomatik. Zuhause hätte man einen Test. Aber auch so geht es ihm so schlecht, dass wir ihn einweisen müssen. Und wieder dieselbe Problematik: wenn sein Bruder ihn nicht zum Taxi stützt und dann, völlig ohne Vorbehandlung, ins Krankenhaus, wird er nicht aufgenommen.

In mir sträubt sich alles. Meldet wenigstens an, dass ihr einen jungen Taxifahrer braucht, wenn der sich ansteckt, bringt es ihn nicht so schnell um, sage ich. Lautes Gelächter der Dressingroommannschaft. Ein Lachen aus Verzweiflung über die Umstände. Den nächsten Patient kann ich nicht schallen, weil im Sonoraum eine tote Siebenjährige liegt. Die bekümmerten Eltern warten vor der Tür auf die Abholung.

Nebenbei – ich versuche gerade, die vielen Platzwunden am Schädel eines Motorradunfalls zu nähen, während der Patient fast von der wackeligen Op-Liege fällt – höre ich, draußen liege noch ein Notfall. Eine Stichverletzung. Wo der Stich denn sei, frage ich beim Nähen. Im Brustkorb, sagt mir eine der Schwestern entspannt. Der Patient war bei Nacht schonmal bei einem Healthpost, da wurde die Wunde zugenäht. Ich bitte, einen der Kollegen zu dem Patient zu schicken und bitte dringend um Eile. Und tatsächlich – endlich habe ich den Genähten abfahrbereit, denn auch er dämmert langsam ein – hat der junge Mann mit der Stichverletzung einen Puls von 115, eine Sauerstoffsättigung von 88% und ganz offensichtlich eine Verletzung der linken Lunge. Diese beiden bekommen wir dann tatsächlich noch mit der Ambulanz unter, offenbar ist da deutlicher, dass es sich nicht um chronische Zustände handelt…Gerade rechtzeitig, als die Blutspuren von der Nähaktion weggeputzt sind, taucht eine Abordnung der Regierung auf und möchte eine Kontrollbegehung machen: drei geschniegelte, gebügelte Ladies in feschen Kostümen auf geschäftig klappernden Absätzen. Vielerlei wurde bemängelt, heißt es hinterher, aber vor allem, dass die Patienten, auch die mit Husten und Fieber, im Wartebereich eng beieinander sitzen wie die Ölsardinen. Aber wen soll man wegschicken?

Die Uhr im Dressingroom zeigt immer noch 10 vor 3. Wie gestern und vor vier Wochen auch schon. Und vor drei Monaten, berichtet meine Übersetzerin. Irgendwie hat sich noch keiner zuständig gefühlt, sie mit einer neuen Batterie zu bestücken. Was nicht so kompliziert wäre wie die Unterbringung von schwer kranken Patienten. Aber in Wirklichkeit ist es ja erst 11.15 Uhr. Die Zeit verläuft scheinbar nicht immer geradlinig…


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Mütter

Die Mutter von Milka(8 Monate) ist beschäftigt. Zwar müssen die beiden ein Weilchen warten, bis sie in den Behandlungsraum kommen können, aber so wird die Zeit nicht lang: das Kind patscht mit seinen kleinen Händen so lange an Mamas Maske, bis dahinter ihr Lächeln zum Vorschein kommt, dann lachen beide. Das läßt sich beliebig oft wiederholen. Das Mädel ist auch nicht wirklich krank, ein Pickel am Arm soll begutachtet werden.

Die Mutter von Violet(3 Monate) zieht die Maske über die Augen. Ein großer Abszeß, der fast die Hälfte des Oberschenkels ihrer Tochter einnimmt, soll jetzt, nach einer Woche, endlich geöffnet werden, und das will sie nicht mit ansehen. Sie dachten ja, es würde vielleicht von selbst wieder gut…

Die Mutter von Omoto (7 Jahre) ist besorgt. Während wir die Verbrennungen ihres Sohnes an Bauch und Beinen verbinden, pfeift, zischt und dampft direkt neben der Untersuchungsliege der Sterilisator und lässt alle paar Minuten ein brüllendes Schnaufen ab. Bislang ist noch nichts explodiert. Aber wer weiß?

Die Mutter von James(17 Jahre) weint. Ihr Sohn hat eine komplizierte, verschobene Fraktur am rechten Ellbogen – im Gelenkspalt sitzt zudem noch ein Knochensplitter – die wir nicht behandeln können. Der Bruch muß unter Röntgenkontrolle im Krankenhaus gerichtet werden, und dafür ist kein Geld da. Vielleicht kann die Verwandtschaft noch ein paar Schillinge zusammenkratzen, aber das dauert zu lange. Seit dem Unfall ist schon eine Woche vergangen. Wir schicken die beiden trotzdem mit einem Überweisungsblatt in unser Referalhospital und hoffen, dass auch hier der Sozialfond noch ein bißchen hergibt. Wenn nicht, wird James sein Leben lang den rechten Arm nicht richtig benutzen können.

Die Mutter von Everlyne und Elizabeth, beide Mitte 50, wird von ihren Töchtern wegen Schulterschmerzen gebracht. Die drahtige Über-Siebzigjährige ist noch sehr aktiv im Management von Häuschen und Garten up-country im Dorf, aber beim Schleppen der schweren Wasserkanister ist es ihr vor drei Tagen schmerzhaft in die Schulter gefahren. Und nun schmerzt es beim Heben des Arms. Ich stelle mir unsere Rentnerinnen zuhause vor, wenn sie ihr Wasser in gelben 10-Liter-Kanistern holen gehen müssten. Gibt es keine Enkel, die tragen helfen könnten, frage ich? Ach, die machen das nicht richtig, winkt die alte Dame ab.

Die Mutter von Lucy(4 Jahre) ist nicht da. Dafür bringt ein Auntie das Kind, das von einem Motorrad angefahren worden sei. Vom Unfallhergang weiß sie nichts, und kann auch sonst nicht viel sagen, es muß ein sehr entferntes Auntie um viele Ecken herum sein, und auch der Fahrer ist schon wieder auf Tour mit einer Kundin, obwohl er eigentlich hätte berichten sollen. Die Untersuchung ergibt nur ein paar Abschürfungen am Arm und Knie. Und dann kommt doch noch der Fahrer vorbei: mit Pudelmütze und Sonnenbrille (statt Helm) und Wollpullover (die preiswertere Schutzausrüstung). Nein, angefahren habe er das Kind nicht, es sei nur beim Ausweichen gestürzt. Zum Glück ist nicht mehr passiert. Da gab’s schon ganz andere Geschichten.

Die Mutter von Brian(5 Jahre) freut sich, dass der Gips, bzw. das, was davon noch übrig ist, jetzt endlich abgenommen wird. Schon viel früher hat der Sohn trotz Ermahnung seine üblichen Aktivitäten wieder aufgenommen, und das sieht man dem Gips an: staubgrau, fluselig, teilweise aufgeweicht und hier und da durchgebrochen. Hauptsache, es tut nichts mehr weh und der Arm sieht wieder gesund aus.

Als wir abends verschwitzt und müde nachhause kommen, steht John vor unserer Tür, treuer Fahrer und Manager zahlreicher Ausflüge von Generationen von German Doctors. Mager sieht er aus, ein Zahn ganz vorne fehlt. Er wollte uns begrüßen, fragen, ob wir nicht wieder auf Reisen gehen wollten? Die Not muß groß sein, denke ich, noch nie ist er von selbst vorstellig geworden. Schön, dass wir wieder da seien, strahlt er, und er habe noch Kapazitäten frei.

Wir sind in bißchen ratlos, eigentlich wollten wir erstmal nicht weiter planen. Und hatten auch nicht mit einem Besuch gerechnet. Ob er ein Glas Wasser haben dürfe, fragt John, noch immer steht er am Eingang. Ein Glas Wasser wird geholt, auch eine Tischdecke für den Gartentisch, aber da ist er schon wieder auf dem Rückzug, er spürt, es paßt nicht. Ob wir an ihn denken würden? Wir versprechen es.

Was denkst du, frage ich später beim Abendbrot die kenianische Kollegin, waren wir unhöflich ? Hätten wir ihn zum Essen einladen sollen? Ja, sehr unhöflich, sagt sie, wenn hier einer käme, bitte am ihn herein. Biete ihm an, eine Tasse Tee zu kochen. Man lade ihn zum Essen ein. Und wenn er wolle, dürfe er einen Monat lang bleiben.

(mehr über unsere Projekte unter http://www.german-doctors.de)