sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Skizzenbuch/Sketchbook Kenia

And our muslim sisters, who even dive into the ocean in their gowns and veils – none of them dared to give an interview for the „African Ladies“ though it would have been a joy to hear about their aims and dreams. And it was not only because of a picture, even one of their hands would have been too much. But a sketch was possible…

Und unsere muslimischen Schwestern, die sogar in Gewand und Schleier durchaus in erkennbarer Urlaubslaune im Meer baden – keine von ihnen hatte den Mut, ein Interview für die Kategorie „African Ladies“ zu geben, obwohl es kostbar gewesen wäre, auch von ihnen zu hören, was ihre Träume und Pläne sind. Auch nicht das Angebot, ein Foto nur von ihren Händen zu machen oder garkeines, hat diese kleine Öffentlichkeit ermöglicht. Eine Zeichnung zu machen, war allerdings möglich…

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Sketchbook Nairobi: Dancing – Tanzen

Auch unsere einheimischen Kollegen, hier die Ladies in ihren Festkleidern, ja, eigentlich alle Gäste inclusive Chefs und ausländische Gäste haben beim Fest (20 Jahre German Doctors in Nairobi) ausführlich getanzt, und ach, die Musik….Rhythmus, Sonne, Lebenslust!!!!

All those – the ladies as above, but also the superiors, the foreign visitors and and and, who joined the celebration of 20 Years of German Doctors in Nairobi  did a good dance. And oh, the music…. rhythm, sunshine, joyfulness!!!!


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African Ladies: Edna, Translator

Edna was born on the country side, the second of 9 children, the first girl. After finishing school, she took lessons in guidance and counselling and started to work as a translator at Baraka Health Center in 2009, where also her husband worked. When their first child was 6 months old and she still stayed at home with the little boy, her husband was accidentally shot to death. 

With help of friends and relatives she managed to carry the heavy load of grief and structure their life in a new way.  She started to work again at Baraka, got back to school in 2011 and completed a diploma in psychological counselling, which was, as she describes, part of her own healing process.

Being asked about a motto for her life, Edna tells me, that being positive is important. „If you are positive, you can manage, even as a single mother and widow.“ In ten years – if she allows herself to dream – she would love to work on a college degree in psychology.  And she would like to be able to take her son to Disneyland. That would be much fun! 

 

Edna ist die erste Tochter einer Familie im ländlichen Kenia, das zweite Kind von neun. Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, belegte sie Kurse in Führung und Beratung und begann als Übersetzerin im Baraka Health Center, wo auch ihr Mann arbeitete. Als ihr erstes Kind gerade 6 Monate alt war und sie noch mit dem kleinen Jungen zuhause blieb, wurde ihr Mann bei einer Schiesserei verletzt und starb.

Durch die Unterstützung von Freunden und Bekannten schaffte sie es, mit der Trauer zu leben und ihr Leben neu zu strukturieren. Sie arbeitete wieder in Baraka, schloss ab 2011 eine weitere Ausbildung in psychologischer Beratung an, die sie mit einem Diplom abschloss. Auch das war, so sagt sie, Teil ihres eigenen Heilungsprozesses.

Auf die Frage, ob sie ein Motto benennen könne, meint sie, es sei ganz wichtig, eine positive Einstellung zu haben. „Wenn du optimistisch bist, kommst du besser zurecht. Auch als alleinerziehende Mutter und Witwe.“ Ein Traum wäre, noch ein richtiges Studium in Psychologie anschliessen zu können, vielleicht in zehn Jahren? Und mit ihrem Sohn zusammen nach Disneyland zu reisen. Das wäre toll!


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African Ladies – Caroline, Nurse

After Caroline had finished Highschool in 1999, it still was a long way to make her dream come true: to be a nurse. Waiting for application at nursing school, she started with computer studies and other small courses, then she could jump in working as a translator at Baraka, since one of her cousins was a nurse over there.

And then her father died.  Being the 2nd born, she also was responsible for the family support. And though it looked like her dream was to be given up, finally a door opened: a sponsor was found and now Caroline could start. 

And she did, and worked hard, and even her boyfriend was told to wait until her last exam was done, before starting their own little family could become a topic. 2013, one year after the final exams, they married and in the following years their two little boys were born. 

Now Caroline is working in Baraka as a registered nurse,  the „in charge“ of the dressing room.  „Baraka has made me who I am“ she tells me, and therefore this is exactly the right place to be. 

Dreams? Maybe some day specialize in pediatric care or theatre nursing. The biggest dream would be her own clinic, general medicine, with 30 patients per day to be treated. 

„No matter where you are – you can climb a ladder, if you have patience“, she says. That is her motto and her way is the proof!

Nachdem Caroline ihren Highschool-Abschluß in der Tasche hatte, war es noch ein langer Weg, bis sie in ihrem Traumberuf ankommen konnte. In der Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz machte sie einen Computerkurs, weitere kleine Fortbildungen und konnte schliesslich durch die Vermittlung einer Cousine, die in Baraka bereits als Krankenschwester arbeitete, dort als Übersetzerin einspringen.

Doch dann starb ihr Vater, und als Zweitälteste war nun die Sorge für die Familie auch ihre wichtigste Aufgabe. Fast schien es, als müsse sie ihren Traum begraben, aber dann öffnete sich doch noch eine Tür: durch einen Sponsor konnte sie die Krankenpflege-Ausbildung beginnen. Konsequent und mit festem Blick auf ihr Ziel ging sie diesen Weg, und selbst ihr langjähriger Freund musste sich mit der Gründung einer eigenen kleinen Familie gedulden, Caroline wollte zuerst ihr letztes Examen in der Tasche haben. 2013, ein Jahr nach ihrem Studienabschluss,  heirateten sie.

Und hier ist sie: die verantwortliche  Krankenschwester für den Dressing Room in Baraka Health Center und Mutter von zwei kleinen Jungen. „Baraka hat mich zu der gemacht, die ich heute bin“, sagt sie, und fühlt sich genau am richtigen Platz.

Gibt es Träume? Ja, vielleicht irgendwann – eine Zusatzausbildung in Kinderkrankenpflege oder Arbeit im OP. Oder eine eigene Klinik, eher allgemein medizinisch, mit der Behandlung von um die 30 Patienten am Tag… aber noch nicht jetzt.

„Wo auch immer du gerade bist, du kannst auf der Leiter ein wenig höher klettern, wenn du nur Geduld hast!“ sagt sie, und ist der lebendige Beweis dafür.


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African Ladies – Sharon

21-years old Sharon lives in Mathare Valley for some time already with her mother and sister. But since her mother is a faithful and reliable worker, the girls could get a good  education right from the beginning. Starting at St. Benedict’s primary school when she was 3 years old, she could continue with secondary school, which she completed in 2013. Because there was not enough money for 1 year, she stayed at home to help with the daily issues before she could continue at KIPS (Kenyan Institute of Professional Studies) in 2015: she enrolled in information and communication technology. After one successful year she had to stop again because of financial problems and is waiting now for a chance to continue. 

When Sharon told me what would be necessary to continue her studies, I thought: it is not a high amount – but five years, until she would achieve her goal is a long time to go. Is there a possibility for a shorter education, I ask her? Her dream is to finish what she started. But, if she was able to continue at least for 2 years, she could work as a secretary. Is there another alternative, I ask her, and feel bad about these dream- crushing questions. No, Sharon says, this is her dream.  And she will stay with it.

Where does she see herself in 10 years, I ask, not willing to let go hope for this bright girl. She wants to be a system analyst and work in one of the ministries of her country. And she would try to gain enough influence to lower school fees ( there is a trace of a smile when she mentions that).

And her motto? Never loose hope, Sharon says. Determination. Focusing life.

 

Die 21jährige Sharon lebt schon seit geraumer Zeit mit ihrer Mutter und der kleineren Schwester in Mathare Valley. Aber da die Mutter eine tüchtige und verlässliche Arbeiterin ist, konnten die Mädchen von Anfang an in die Schule gehen. Nachdem Sharon mit drei Jahren in der St. Benedict’s Primary School ihre Ausbildung begonnen hatte, konnte sie 2013 die Secondary School abschliessen. Nach einer wegen finanzieller Engpässe eingelegten Pause von einem Jahr begann sie ihr Studium am Kenyan Institute for Professional Studies. Hier reichten die Ersparnisse gerade mal für ein Jahr. Jetzt wartet sie auf eine Möglichkeit, ihr Studium fort zu setzen.

Als sie mir erzählt, um welche Beträge es sich handelt, denke ich, so hoch sind sie nicht. Aber für fünf Jahre?! Gibt es nicht eine schlankere Variante, für die man nicht so lange Geld investieren muss? Nach zwei Jahren könnte sie zumindest eine Stelle als Sekretärin finden, meint Sharon. Und eine andere Alternative, frage ich, und schäme mich für dieses Beharren auf einer Sparvariante. Nein, sagt Sharon. Sie will ihren Traum noch nicht aufgeben.

Wo wäre sie gerne in 10 Jahren angelangt, möchte ich wissen. Und bin nicht gewillt, die Hoffnung für dieses kluge Mädchen aufzugeben. Sie möchte im Bereich Systemanalyse arbeiten, zum Beispiel in einem Ministerium. Und vielleicht hat sie die Möglichkeit, so viel Einfluss zu gewinnen, dass die Schulgebühren für kluge Mädchen gemindert werden können (ein halbes Lächeln huscht vorüber und ist wieder verschwunden).

Und ihr Motto? Nicht die Hoffnung zu verlieren, sagt Sharon. Entschlossenheit. Eine Punktlandung versuchen.

 


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Sanaa na upendo – Kunst und Liebe II

…und Konzentration!:)

 

Infos über unsere Arbeit im Baraka Health Center in Nairobi:

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi


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Wo ist Lucy?

Wenn wir am Morgen um kurz vor 8 Uhr in unserer Slumambulanz ankommen, schaue ich immer erstmal in unseren „Emergency-Room“(eigentlich nur ein Vorraum mit drei Liegen, einem Absauggeraet, einem Notfallkoffer sowie einem Sauerstoffkonzentrator). Meistens ist es hier friedlich , aber nicht immer. Vom nicht mehr atmenden Kleinkind ueber Menschen, die vor Schmerzen schreien, bis hin zu kaum noch ansprechbaren Cholerakranken ist alles moeglich.

Heute finde ich ein bebendes Deckengebirge dort vor: James, 22 Jahre alt, hat in einem Bereich mit Gasleck ein Streichholz angezuendet. Das Gesicht, der Hals, beide Arme, zum Teil Vorder- und Rueckseite des Oberkoerpers, Teile von Beinen und Fuessen sind bei der Explosion verbrannt. Zum Glueck ist James noch ansprechbar und kann berichten. Der Plan, einen venoesen Zugang zu legen, ist schon nicht einfach umzusetzen – wo auf der sich in Fetzen abloesenden Haut soll man die Kanuele befestigen? Aber schliesslich koennen wir die Infusion anschliessen und etwas gegen die grossen Schmerzen geben. Die Verlegung ist wie immer wieder in diesen Zeiten eine Herausforderung – die beste Versorgung von Brandverletzten ist im vom Streik lahmgelegten Kenyatta-Klinikum zu haben.

Headnurse Lilian telefoniert – zwar sind die Stationen geschlossen, aber man will James in den kleinen OP nehmen, und ein paar Militaeraerzte sind scheinbar auch fuer Notfaelle vor Ort, die anderswo nicht behandelt werden koennen. Nachdem der Patient soweit versorgt ist, wie wir es eben leisten koennen, fuelle ich den Verlegungsbericht aus. Als ich wieder zurueck in den Verbandsraum komme, steht der Patient zitternd und barfuss zwischen zwei Angehoerigen, die mit ihm zum Ambulanzfahrzeug  nach draussen auf den staubigen Hof laufen wollen, ungeachtet der Brandblasen und Wunden an den Fuessen. Schnell wickeln wir ihm noch Kompressen um die Fuesse und knoten sie in die schwarzen Plastiktueten, die die Mutter vom Markt mitgebracht hat. Ein Pfleger faehrt als Begleitung mit und berichtet bei seiner Rueckkehr, der Patient sei in stabilem Zustand angekommen, dann aber intubiert worden, da das Gesicht zuzuschwellen begann.

Die letzte Patientin des Tages ist seit fast vier Wochen auf einem gebrochenen Schienbein ohne Gips unterwegs. Zum Glueck hat sie fast nicht aufgetreten, und das vor 2 Tagen erstellte Roentgenbild zeigt bereits Stabilisierungszeichen. Die die uebliche Ruhigstellungszeit bei 6-8 Wochen liegt, beschliesse ich, ihr noch einen Gips anzulegen, schon zum Schutz der begonnenen Heilung.

Um 17.45 Uhr sind wir endlich fertig, die Gipsschiene liegt, aber wie soll die Patientin nachhause kommen? Die schweren, massiv hoelzernen Gehstoecke, blumig mit Bezugsstoff vom lokalen  Schreiner  gefertigt und gepolstert, sind von einer der Schwestern  in Windeseile, aber ohne das Mass der Patientin zu nehmen,  kurz vor Schluss im Buero geholt worden (immerhin hat die Patientin die umgerechnet 10 Euro Leihgebuehr zur Hand, was ueberhaupt nicht selbstverstaendlich ist), aber sie sind viel zu hoch. Einer der Maenner im Raum macht den Vorschlag, sie auf die richtige Groesse abzusaegen, aber dann passen sie nicht mehr fuer den naechsten groesseren Patient. Den Rollstuhl, eine weitere Moeglichkeit, will nun allerdings die Patientin nicht ausleihen, weil der Weg nachhause zu steil und holperig ist. Der Vorschlag der Cousine, ein Motorradtaxi zu nehmen, ist mir wiederum nicht recht. Viel zu gefaehrlich – wer soll, ohne herunter zu fallen, das Bein halten, damit es beim Fahren nicht auf dem Boden schleift?

Schliesslich einigen wir uns, dass die Patientin sich in Begleitung einer der Pfleger nach draussen setzt, damit jetzt endlich die Ambulanz geschlossen werden kann. Bis dann hat auch hoffentlich die Cousine zwei starke Maenner herbeizitiert, die die Eingegipste die 15 Minuten Fussweg nachhause stuetzen koennen (dies muss, da Patientin und Cousine kein Handy haben, zu Fuss geschehen). Und am naechsten Morgen kann die Cousine dann, ohne dass die Patientin im Gips ueber die steinigen Huegel klettern muss, die exakt passenden, da heute noch massgenommenen Gehstoecke abholen. Fuer manche Improvisationen muss man ein wenig Zeit einplanen.

Dann endlich mache ich mich noch auf den Weg, um nach Lucy zu schauen, die ich im letzten Jahr mit ihrer Tochter Merceline in ihrer Schneiderwerkstatt besucht und interviewt hatte (siehe unter Stichwort „African Ladies“), gerade nur ein paar Verschlaege von unserer Amulanz entfernt. Aber da ist sie nicht mehr und auch nicht ihre Werkstatt. Stattdessen haben sich drei coole junge Maenner mit Werkzeug zum Diversesreparieren in dem genannten Verschlag eingenistet. Lucy? Vermutlich mache sie gerade eine Pause, meint einer. Aber ihre gesamte Werkstatt sei doch nicht mehr hier, frage ich? Tja, vermutlich habe sie dann Urlaub, sagen die Jungs, etwas unbestimmt in den Raum hinein und lehnen laessig an der Werkzeugablage. Hier ist also keine erschoepfende Antwort zu erwarten, denke ich mir.

Ich bedanke mich, gehe zwei Wellblechverschlaege weiter und frage die beiden Frisoerinnen, die gerade im Rahmen der Verschoenerungsaktion einer Kundin am Zoepfchenflechten sind. Lucy? Sie sei doch umgezogen, ganz in die Naehe? Richtung dorthin, meint die eine – und zeigt unbestimmt gen Sueden. Das kann nun allerdings vielerorts sein. Wo es denn genau sei, frage ich. Ja, meint die Lady, vielleicht wohl schon etwas weiter weg? Dunkel war’s, der Mond schien helle…

Ich frage Rose, die Sozialarbeiterin. Lucy? Um sie in dem Slumgewirr ohne Strassennamen, Hausnummern oder sonstige Kontinuitaet wieder zu finden, muesse ich schon ihre Telefonnummer haben. Vielleicht kennt eine der Mitarbeiterinnen die Nummer? Das Suchprojekt ist noch nicht abgeschlossen.

(Danke an die fotografierende Kollegin!)

…mehr über unsere Arbeit und das Projekt unter

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi