sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Klappbüchlein III

…eine der nächsten Seiten. Was nicht ist, kann vielleicht noch werden. Manchmal muss man das Alternativprogramm schonmal formulieren, damit es Gestalt gewinnt.

...next pages. Sometimes alternatives have to be shaped in advance to have a chance to come into being.


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Klappbüchlein – The art of silliness II

Wenn der Kopf vom Nachtdienst müde ist, kann man immer noch in kleinerem Format den Pinsel spazieren gehen lassen. Für einen blauen Kringel, einen Vogel oder ein paar bunte Punkte reicht es immer noch…

Being tired from the last night shift, it is still possible to get the brush dancing a bit in small size painting. Some birds, red, yellow or blue dots, a line here and there are still possible (having in mind Carla Sonheim’s „art of silliness“)…


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Nachklang

Kontraste: Hier die  Begegnungen mit den Menschen, die mit Müh und Not heil über das Meer gekommen sind und nun in begrenzt-anstrengendem Kontext  versuchen, ihr Leben neu in Bezügen zu verankern. Dort Licht und Farbe und das Spiel mit den Formen, der Traum vom „wie es sein könnte“. Wenn ich mich nachts um die einen kümmere (die den ärztlichen Notdienst brauchen), ist mir am Tag danach zuweilen nur noch nach „Bunt“…

Contrasts: on one side meeting those who succeeded in reaching a country without war and destruction, who try to get their saved life into a new context – hard and in times exhausting work, indeed. On the other side color and light and playing the „how it could be“. When I visit those in need of a doctor at night, I sometimes only have an eye left for the game of colors on the following day…


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Benefizaktion Kunstschiff – Vorbereitungen

…Vieles ist möglich! ((bis zum 13.6.2016, 18-21 Uhr, Bischof Moser Haus, Stuttgart))


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Schiffe, die nicht sinken – Vorbereitungen

Anfangs stand die Idee, die Benefiz-Aktion auch in Stuttgart Gestalt werden zu lassen, noch wie ein kleiner bunter Tupfen allein auf einer grossen, weissen Fläche. Aber aus dem Ja, sich auf diese Planung einzulassen, entwickelt sich schon merkbar ein vielgestaltiges Bild – der Arbeitskreis Asyl Stuttgart hat sich eingeklinkt, dazu die Gruppe „Benefiz und Kunst“, die bei einem feinen Frühstück, zu dem auch ich kommen durfte, um die Idee vorzustellen, die Gestaltung des Abends mit bedacht hat. „Frag doch mal….“  hiess es bezüglich der Überlegung, ob wir vielleicht auch ein wenig Musik mit in die Veranstaltung hinein nehmen könnten. Und siehe da: die beiden Musiker schreiben mir auf Anfrage hin zurück: „…einige Tage vorher haben wir schon ein Konzert, da sind wir gut eingestimmt, ja, wir machen das!“  Was für eine beglückende Erfahrung, dass mehrere am gleichen Strang ziehen. Auch tauchen immer wieder hier und da und dort frisch gefaltete Schiffe von Künstlerkollegen auf, die sich einreihen wollen…

Hier nochmal, zum Vormerken, die Eckdaten:

Wo: Bischof Moser Haus, Wagnerstrasse 45, im Stuttgarter Bohnenviertel (Innenstadt)

Wann: 13.6.16, 18-21 Uhr

Was: eines (oder mehrere) der von Künstlern aus ganz Deutschland  aus ihren Papierarbeiten gefalteten Schiffe, die in einer grossen Armada durch den Saal ziehen, kann für 15 Euro pro Stück erworben werden – der Gesamterlös kommt der Initiative SEAWATCH (www.sea-watch.org) Seenotrettung im Mittelmeer zugute.

Eine Aktion mit vielerlei Entfaltungspotential…


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Skizzenbuch/Sketchbook Nairobi

Not knowing much about these beautiful african birds, but watching them closely…  How to keep their song in my mind? This one said „Tuititu…“

Eigentlich weiss ich fast nichts über die afrikanische Vogelwelt. Aber beobachten und zuhören ist immer möglich. Wie merke ich mir, was sie erzählen?  Dieser klang in etwa so: „Tuititu…“ (die Kollegin nannte das „die morgendliche Vogelkontemplation“, in dem kleinen Zeitfensterchen des Wartens auf den Bus Richtung Slum. Der Versuch, so genau hinzuschauen, dass ich ihn dann später, nach der Arbeit, wieder zuhause, zeichnen kann. Die Punkfrisur, die Schwanzausrichtung, die Schnabelform, die Körperhaltung, die Augen…).


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African Ladies – Stella, cook

Colors are important for Stella – and they are also a bit a representative of her mood, she explains. Sometimes, when she wakes up tired and joy is still to come, she dresses in black or brown. On other days a bright yellow or green is appropriate and her earrings add sparkles of pink or light blue. When she cooks,  meals become a work of art. To paint the picture of  just one example: white rice with green parsley, orange carrot flakes and yellow pepper pieces, arranged in the most inviting way! And imagine, this is just a side-dish…

 Being born in Kenia as the only child of a single mother, who works as a supervisor at a supermarket, Stella got the chance to visit Utalii college in Nairobi after finishing high school. She enrolled for food production and cooking, had her internship at Kenia Commercial Bank Leadership Center in Karen, then worked at the Ocean Basket Restaurant and finally started to be the German Doctors‘ cook in 2010.

Stella loves experimenting. Every now and then she finds interesting recipes or handwork ideas in the internet and makes them come real. Where does she see herself in 10 years? Opening her own restaurant would be nice, to settle down, to have two children.

Her Motto? „I do, what I do from my own heart, not from someone else pushing me!“

For the day before I left, I asked her, if she could prepare a (goodbye-)meal with peanuts and cooking bananas, two typical african ingredients. All else should be her own choice. We usually went out to a restaurant, before one of the colleagues leave, but since I appreciate Stella’s meals, my choice was „Stellas place“. And this was the menu: a creamy vegetable soup to start with, then cumin-spiced rice with a rich curry-peanut sauce, fried cooking bananas, Samosas  and tomato salad. And a fruit salad in yellow, red and green for dessert. What a delight – and great thanks to the highly skilled cook! 

Farbe….da ist Stella zuhause. Und ein wenig erzählen ihre Farben auch über sie und wie sie sich gerade fühlt. Manchmal, an einem müden Morgen, reicht es nur für gedeckte Töne – braun oder schwarz, bis wieder die Zeit für ein sonniges Gelb oder ein strahlendes Grün gekommen ist, dem vielleicht noch ein pralles Pink oder ein lichtes Blau einen zusätzlichen Akzent aufsetzt. Auch beim Kochen spielt Farbe eine wichtige Rolle. Um nur ein Beispiel zu nennen: weisser Reis mit grünen Petersilientupfen, orangefarbenen Möhrenraspeln und gelben Paprikawürfeln, einladend angerichtet, und, man bedenke, dies ist ja nur eine Beilage…

Stella ist Kenianerin und Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die als Aufsicht in einem Supermarkt arbeitet.  Sie hatte die Chance, nach ihrem Highschool-Abschluss das Utalii-College in Nairobi zu besuchen und  ‚food production‘ zu studieren, absolvierte ihr Anerkennungspraktikum am Kenia Bank Leadership Center in Karen, arbeitete eine zeitlang im Ocean Basket Restaurant und wurde 2010 schliesslich die ‚Leibköchin‘ der German Doctors, wo die Lebensmitteleinkäufe und die Zubereitung einer warmen Mahlzeit pro Werktag ihr Ressort sind (eine wahre Freude, wenn man abends müde von der Arbeit in Baraka nachhause kommt!).

Und sie liebt Experimente. Hin und wieder entdeckt sie neue Rezepte  oder Handarbeitsanleitungen im Internet, die sie mit Geschick umsetzt. Wo könnte sie sich in 10 Jahren sehen, frage ich? In einem eigenen Restaurant vielleicht, überlegt Stella,  und eine Familie gründen, zwei Kinder haben… Und ihr Motto? “ Was ich tue, kommt aus meinem eigenen Herzen,“ sagt sie, „nicht aus dem Druck, den mir andere machen.“

Für den Tag vor meiner Abreise hatte ich Stella gefragt, ob ich mir zwei Zutaten zu einem Abendessen wünschen dürfte, das sie ansonsten frei gestalten könne – etwas mit Erdnüssen und Kochbananen, zwei typisch afrikanischen Zutaten. Üblicherweise suchen sich die Kollegen für ihr Abschiedsessen ein Restaurant aus, aber da ich Stellas Essen schätze, war für mich auch „Stella’s Place“ der richtige Ort für diesen Abend. Und das war das Menü, das sie daraus und drumherum zauberte: Eine cremige Gemüsesuppe zum Eingang, als Hauptgericht cumingewürzten Reis mit einer reichhaltigen Erdnusssosse, geröstete Kochbananen, Samosas und ein Tomatensalat. Zum Nachtisch: ein Fruchtsalat in Gelb, Rot und Grün. Ein Genuss! Und mein Dank geht an die begabte Köchin!


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Poetin zu Gast

was aber machen wir

mit dem Sturz in uns

mit dem fallen

das schwer an uns zieht

 

lösen wir uns

wie frühgrünes obst

aus säften

der sommerreife

 

halte handwarm

ein keimen unter uns

nimm unsre blässe

in deine erntesonne

 

dring durch

eigenwillig geschrumpfte

haut

leg ein

braunkörniges offen

 

hauch ein blau darüber

(aus: „was aber machen wir jetzt mit unserer schuld? 10 Sprechgesänge“ von Lore Reimer)


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After Work Colours

Die Sonne neigt sich dem Horizont zu und schickt  noch vereinzelt Lichtbaender in den Pfadedjungel von Mathare.

Die Motorradtaxiwartebank, hoelzern und ein wenig wackelig, ist nur noch vereinzelt besetzt und darf als diskreter Aussichtspunkt dienen.

Auf dem Weg herrscht nach wie vor bunte Betriebsamkeit. Ein steter Strom von Menschen fliesst in beiden Richtungen, jedoch nicht in Eile; es ist ein ruhiges, bestaendiges Fliessen, zielstrebig, aber auch bereit fuer Unterbrechungen, einen Wortwechsel, eine Begruessung. Einen Handel. Ein Innehalten.

Eine Geschaeftrsfrau sitzt auf dem Boden gegenueber und putzt ihre Backutensilien. Sie hat den ganzen Tag ueber in heissem Fett Teigkugeln gebacken und dann verkauft. Eine himmelblaue Thermoskanne steht neben zwei Plastikflaschen, die eben aus dem Waschwasser aufgetaucht sind. Ein ueberaus magerer Hund, hellbraun, mit struppigem Fell und einer Wunde an der Flanke, zieht die Ohren ein und geht drei Schritte rueckwaerts, als ein junger Mann vorueberlaeuft.

Ein Schulkind in dunkelblauer Uniform traegt ein Kleineres auf dem Arm. Eine Grossmutter in blauschwarzer Karowolljacke und gelbweissem Bluemchenkopftuch heuert zusammen mit ihrem Enkel, einem Schulbub, ein Motorradtaxi an. Drei vom Sand graurot bestaubte, magere Schafe draengen sich um eine Abfallkiste auf der Suche nach Gemueseresten, die Koepfe tief hineingetaucht.

Eine Mangoverkaeuferin in mangogruener Bluse wartet auf Kundschaft. Ein Maedchen mit weissem Kopftuch schaelt Kartoffeln, der Eimer ist bereits halbvoll. Eine kleine Katze mit zerfetzten, blutigen Ohren steigt vorsichtig in eine Abfallkiste mit gelbgruenen Kohlblaettern hinein. Eine mittelalte Lady traegt eine zusammengerollte gruene Matratze auf dem Kopf und einen Holztisch in den Haenden vor sich her. Ihr Schritt ist langsam und wuerdevoll.

Ein Schulbub in leuchtend blauem Pullover schaut, was ich schreibe und will mir die Hand schuetteln.

Musik, in der die Sonne scheint, droehnt aus dem Lautsprecher eines in hell-giftgruen gestrichenen Verkaufsbuedchens. Eine sehr alte Dame mit nur einem uebrigen Frontzahn bespricht mit einer der Krankenschwestern den Stoffverband an ihrem linken Fuss, der seinerseits in einem blauen Flipflop steckt. Am anderen, gesunden Fuss traegt sie einen grauen Slipper. In einer eingebrochenen Betonverschalung saeugt eine magere Huendin ihre winzigen Jungen, zwei davon sind schwarz, die anderen hellbraun.

Eine wohlgenaehrte Dame aus der Verwaltung, gelbschwarz gepunktet im Kaeferlook gekleidet, zupft die gelbe Kostuemjacke zuecht. Ein sehr junges Paar traegt ein winziges Neugeborenes im rosa Wollplaid. Ein Schwein, mehr grau als rosig, draengt sich grunzend zwischen zwei Huetten in einen engen Durchgang hinein.

Ein etwa Fuenfjaehriges im lila Bluemchenkleid balanciert eine Tuete Pommes und strahlt mich im Voruebergehen an. Eine Lady im blaugrauen Kleid schneidet einen Fisch ein, bevor sie ihn in der Reihe der anderen an ein rostiges Metallgestell haengt. Drei Schulmaedels in dunkelblauen Blusen und grauen Roecken marschieren vorbei, auf den weissen Kniestruempfen ringeln sich jeweils drei blaue Streifen.

Zwei alte Damen, gut verpackt in dicke Wolljacken und mit langen Roecken, besteigen ein Motrorradtaxi. Eine schlanke junge Frau in rosa Kleid, rosa Ohrring und rosa Haarreif tippt in ihr Handy. Ueber den Bretterverschlag gegenueber schiebt sich ein letzter Sonnenstreifen.

Rose, heute in petrolfarbenem Pullover, ansonsten in Schwarz gekleidet, macht sich auf den Heimweg, die Donnerstagsleinentasche ist violett. Ein Bettler, von oben bis unten erdfarben gekleidet, sitzt an eine staubige Wellblechwand gelehnt. Er dreht unermuedlich an einer Schnur, bald links-, bald rechtsherum und streckt die Hand nach den Voruebergehenden aus. Zwei junge Maenner, schlank und sportlich, in rotem und weissem T-Shirt, schlendern vorueber. Makelllos glaenzen die Schuhe.

Drei kleine Maedchen kommen zum Haendeschuetteln zu mir herueber, ein kleiner Junge im roten Pullover setzt sich neben mich und lacht. Die Geschaeftsfrau packt ihre frisch gespuelten, dunkelgruenen Teller zusammen.

Ein kleines Maedchen im lila Kleid traegt einen orangefarbenen Schirm. Ben, der starke Mann von der Registrierung , wie immer im blauen Kittel, traegt die letzte Wartebank hinein. Ein schmucker junger Mann im blauen T-Shirt, auf dem eine Windmuehle prangt, lehnt laessig am tuerkisfarbenen Kartenverkaufsstand. Eine Hand ruht auf der Huefte, der andere Unterarm lehnt auf der Theke. Zwei silberne Ketten glaenzen auf seiner Brust, eine kurz, die andere lang.

Ein Schulmaedel in graukarierter Uniform traegt einen rosa Rucksack mit Mangadesign. Daraus schaut ein blauer Plastikteller hervor. Ein Junge in azurblauer Sportjacke schneidet gruenes Gemuese in eine hellblaue Schuessel.

Am Himmel steigt rosig die Daemmerung auf.

Der Watchman schliesst das graue Metalltor.