sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Macht zu die Tür? – Keep the door shut?

Eine Frauengruppe in einem schönen Hotel, irgendwo in Deutschland. Eine Woche Urlaub, es sich gut gehen lassen, sich auf Ressourcen besinnen, sich neu versichern. Auch malen. Wunderbare Bilder entstehen. Herrliche Farben, eine gute Basis, tiefgründig gebaut. Wahlsprüche, die tragen. Die Kursleiterin wagt es, eine Herausforderung einzubauen: ein Haus soll gemalt werden, zu zweit, das Raum hat für Viele. Auch für eine allein erziehende Mutter mit 3 Kindern aus einem Entwicklungsland. Und für ein Tier, denn der Zoo ist abgebrannt. Man darf aussuchen, was für eines, ob Taube auf dem Dach oder Nilpferd im Gartenteich.  Träumen ist erlaubt. Insbesondere auf dem Papier. Da ist ja alles möglich, keine Sparauflagen, keine Sachzwänge, Freiheit pur!

Betretene Gesichter. Eine der Frauen will nicht teilnehmen. Zweiergruppen finden sich zusammen. Stellen sich dann doch tapfer der Aufgabe. Die Kursleiterin staunt über die auf den Blättern entstehenden Gebäude. Fast alle Gruppen haben die Mutter mit Kindern ausquartiert in ein extra Haus. Eine Gruppe hat ihr gar eine Lehmhütte mit Grasdach neben die mitteleuropäische Häuschenreihe gestellt. Diskussionen über Abgrenzungen sind zu hören. Darf es in der Häuserreihe auch innen Verbindungstüren geben oder nur von aussen? Eine Gruppe malt einen Fussball für die Kinder, der im Garten benutzt werden kann. Die beliebtesten Tiere sind Vögel. An eine Raubkatze traut sich keiner heran.

Ist Malen gefährlich, fragt sich die Kursleiterin, dass nicht einmal auf dem Papier das Formulieren von Nähe möglich ist? Oder ist das die durchschnittlich-europäisch maximal erträgliche Nähe?

A group of ladies on vacation, somewhere in Germany, taking a good time to relax and rest in a beautiful hotel. Thinking about resources, getting life into a new and  vital order. Find a new Motto. And paint a bit. Beautiful paintings are made – colorful, much alive, well based on belief and a good attitude. The art-teacher on one day dares to set up a little challenge: a house has to be painted, that will be the home not only for the painters, but also for a mother with 3 children from a developing country and an animal from the burnt zoo – the painters may choose if it is as small as a dove or big like a hippo in the garden lake. Everything is possible on paper, there is space for dreams, pure freedom. 

The ladies are not amused. One doesn’t stay. They finally  take the challenge. The art-teacher, who is always moved by the beauty of the ladies‘ creativity, is surprised. Most of the ladies don’t invite the mother with her children into their dream-house, but build a separate one for them. Some even build a hut with a grass-roof for them, that stands beside the mideuropean little houses. Discussions about distance are heard. Should there be doors inside the houses that lead to the neighbor or is a door outside more than enough? Someone paints a football, that may be used in the garden. Most of the animals are birds.

Painting seems to be dangerous in some way, the art-teacher wonders. Even if it is only on paper, without any borders, where every dream is possible, there has to be so much distance to feel safe? 

 


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Tür zu? – To close the door?

Die Tür zu schliessen, wenn die Anzahl der Klopfenden zunimmt, und diese einfach draussen stehen zu lassen, ist unklug, kindisch und unüberlegt. Die Augen zu schliessen, die Ohren zuzuhalten und dazu zu schweigen bringt garantiert nicht weiter. Die grosse Mehrzahl der Flüchtenden, die ich im ärztlichen Notdienst erlebe, sind gestresste, erschöpfte Menschen, die nicht wissen, wohin und vage Hoffnungen haben. Sie verdienen zumindest einen angemessenen Empfang. Kann es so schwierig sein, in gesamteuropäischer Kooperation die Registrierung und Verteilung zu organisieren, dort, wo die Menschen ankommen? Tränengas, Wasserwerfer und Stacheldraht werden nur denen, die die Not für ihre Zwecke nutzen, sei es zu terroristischen Aktivitäten oder schlicht zum eigenen Profit, in die Hände spielen. Wahrnehmen, anhören, ernst nehmen ist vor allem anderen die erste Pflicht. Es scheint, dass das Konzept Europa bislang nicht viel mehr ist als ein Arbeitstitel.

To close the door, when those, who ask for entrance, multiply, and to leave them alone outside is inadequate and unwise. To shut the eyes, pretend to be deaf and keep out of the discussion will not lead anywhere. The wide majority of refugees are stressed and exhausted, don’t know where to live and have only vage expectations of their future.  At least they deserve to be seen and heard. Can it really be so difficult to organize registration and distribution in an all-european act at those borders, where they arrive? Tear-gas, water and barbed wire will only strengthen those who profit from the suffering – either in recruiting terrorists or simply make money. To realize, to listen, to take seriously is the duty of today. Sometimes it looks like the concept of Europe is not more then a rough sketch.