sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Herbstsonett auf dem Bergrücken

(staunend, an den Schöpfer)

 

Moosig türmst Du Falten über Felsgestein,

tierhautähnlich schmiegt sich Wald an Buckelhöh’n.

Wasseradern willst ins Tal Du stürzen sehn

Wolkenflausch hüllt hier und da noch Kuppen ein.

 

Grauoliv und grüner Ocker, Grashaar, fein,

lässt als Wiesenpelz Du zwischeninnen stehn.

Käferuhren dürfen schwarz und rot sich drehn.

Braun behütet stehen Pilze, rau und klein.

 

Fährst mit zartem Finger Du durch Kaltgeröll,

linienziehend, spielend wie ein Riesenkind,

formt sich Erde, keimen Kraut und Gräserfell.

 

Baust mit Deinen Händen unser Erdgebind,

sprichst ein Wort und Nachtgestein wird augenhell.

Stein wird Erde, wo Dein Weg mit mir beginnt.

 

(ein Centovalli-Gedicht, entstanden in gemütlich gedehnten Stunden, mit Spass an dem Bastelprojekt der höheren Wortmathematik dieser Gedichtform).


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Zum Geburtstag…Birthdaypoetry

(an das berühmteste Flüchtlingskind der Zeitgeschichte: Jesus Christus)

Du

König ohne Krone

brüchig Dein Haus

Du selbst

schutzlos und klein

Ich

Hirte im dunklen Gewand

die Haut meines Alltags zerschlissen von Sorgen

nur hastig geflickt

Zwischen uns

keine Mauern

kein Palast

aus Vorschriften

nur die Einladung

Deines Lichts

Komm!

Autorin: Cornelia Grzywa (mehr unter http://www.grzywa.de, wo auch ihre eindrucksvollen Skulpturen zu finden sind)

 

(…to the most famous refugee-child of times and ages: Jesus Christ)

You are a king without a crown

fragile your house

you are defenseless and small

Myself – a shepherd in a dark gown

the skin of my days worn out by sorrow

only hastily repaired

Between uns no wall

no palace of regulations

only the invitation of your light:

Come!

(written by Cornelia Grzywa – http://www.grzywa.de, where you can also see her beautiful sculptures)


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Poetin zu Gast II

Du ereignest dich in

meinen händen wenn

ich das herdfeuer im

kalten haus anzünde

 

du ereignet dich in

meinen worten wenn

ich dem stummbittenden

gast den abendfrieden

wünsche

 

du ereignet dich in

meinem inneren wenn

ich das Brot nicht nur

für mich behalte

 

Lore Reimer

(…manchmal sind nüchterne Zahlen wohltuend im grossen Hin und Her der Meinungen: bei 80 Millionen Deutschen und 1 Million Flüchtlingen kommt ein Flüchtling auf 80 Deutsche. Wenig, wie ich meine).

(Sometimes it does good to just check the relations in the wide discussion about our guests from other countries: if there are 80 millions of germans around and 1 million of fugitives arrive, there is only one fugitive meeting 80 germans. This is quite a small amount, I think…)

 


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Poetin zu Gast

was aber machen wir

mit dem Sturz in uns

mit dem fallen

das schwer an uns zieht

 

lösen wir uns

wie frühgrünes obst

aus säften

der sommerreife

 

halte handwarm

ein keimen unter uns

nimm unsre blässe

in deine erntesonne

 

dring durch

eigenwillig geschrumpfte

haut

leg ein

braunkörniges offen

 

hauch ein blau darüber

(aus: „was aber machen wir jetzt mit unserer schuld? 10 Sprechgesänge“ von Lore Reimer)


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Poet zu Gast

(Heute zu Gast: Hugo vom Narrenkreuz (der in Wirklichkeit nur so ähnlich heisst), und dessen Lyrik, am Rande eines anderen Berufs und in den Zwischenzeilen des täglichen Lebens entstehend, ich schätze und für kostbar halte. Mehr von Hugo unter: www. jesus-freak-lyrik.blogspot.de)

Wasserfall und Regenbogen

Nicht jedes Licht ist wie ein Laser,

der Diamanten schneiden kann,

doch jedes schneidet durch das Dunkel

und zündet ein Erkennen an.

Nicht jede Liebe ist wie Wasser,

das sanft sich an die Haut dir schmiegt.

Gestauten Tränen folgt die Sturzflut,

die Dämme sprengt und dich besiegt.

Gott naht in Sanftheit und in Stärke,

spricht laut, spricht leise, schweigt und spricht,

bis du im Tosen schwerer Wasser

hörst, wie sich Licht in Farben bricht.

(Hugo vom Narrenkreuz, August 2014)