sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Kleine Welten

Bein Blick nach draußen ist man hin und wieder versucht, ein bisschen Farbe dagegen zu setzen. Schon immer haben mich die Guckkästen fasziniert, die eine Bekannte im Bühnenbildstudium gebaut hat, man kann kurzzeitig in eine andere kleine Welt eintauchen und mit den Augen spazieren gehen. Hier eine wilde Dioramavariante aus meiner Versuchsbastelküche: Zabiba’s Farmlandadventures…

#editartz (12 Stops around the world) prompt nr. 9


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Folktaleweek – last day

Das letzte Bild (und damit auch das Ende der Geschichte von Moon, die sich einen Gefährten wünscht) aus der siebentägigen Reihe zum Thema „Sky“:

„…and the petals became birds, chirping and chatting, and Moon rejoyced: there would always be someone flying with her through the night…“

(The whole story can be found on my instagramaccount)


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Große Party! Big Event!

Ja, und ganz coronafrei, da digital und trotzdem bunt, vielfältig, global, vor Lebendigkeit sprühend, lehrreich, horizonterweiternd, spannend….gerade ist die Folktaleweek zuende gegangen: ein Instagram-Event, von einem ambitionierten Grüppchen von Illustratoren aus mehreren Ländern ins Leben gerufen für alle illustrierenden Kollegen weltweit. Die Regeln: immer im Oktober gibt es die 7 Begriffe, nach denen eine Geschichte illustriert wird. Die Geschichte ist frei wählbar, kann selbst erdacht oder Bekanntes variiert werden, in einer Woche Ende November dann steht ein Begriff für einen Tag und an diesem werden die jeweiligen Illustrationen veröffentlicht. Es ist immer eine Pracht, wie aus nahezu allen Enden der Erde Interpretationen dieses einen Begriffs erscheinen und die jeweilige Geschichte erzählt wird. Ich halte diese Aktion für das Illustrations-Highlight des Jahres und empfinde es wie ein Fest, so viel Schönes zu sehen, zu lesen und die jeweiligen Illustrationskollegen ggf. auch etwas fragen oder loben zu können. Ich habe dieses Jahr zum zweiten Mal mitgemacht und meine Geschichte selbst geschrieben, sie handelt von Moon (der erste Begriff), die sich einen Gefährten am Himmel wünscht. Die folgenden Begriffe Dream, Awakening, Feast, Bird, River und Sky, die dazugehörigen Bilder und die ganze Schönheit der Aktion sind auf Instagram zu finden unter #folktaleweek2021 ( und meine auf meiner dortigen Seite).

Every year in October the prompts for the highlight of worldwide illustration, Folktaleweek, are given. A group of ambitious illustrators from different countries has founded this wonderful event, where illustrators from the whole world choose a story that has to contain the prompts. Tales can also be written or famous ones adapted. This year the prompts were moon, dream, awakening, feast, bird, river and sky. There are a few weeks to work and then in one week in November each word stands for one day and all interpretations of the theme can be admired and stories be told. I wrote my own story about Moon, who longs for a friend not to be alone in the sky any more. I really enjoy this event, it has a feeling of global teamwork in some way and is such a colorful celebration of creativity…

(Illustrations and Stories an be found on Instagram: #folktaleweek2021, mine on #sabinewaldmannbrun)


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Ein Blick in’s Buch…

Afrika Malerei , SWB, Präsenz-Verlag 2021.

ISBN978-3-945879-56-6 19,95


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Zabiba und Junior unterwegs

Zu Beginn des Jahres begann auch eine Illustrations“Reise“ mit der Illustratorengruppe Editartz: jeden Monat gab es ein anderes Reiseziel für eine Figur, die man auf die Reise schicken wollte. Ich sandte Zabiba auf die Reise, ein afrikanisches Mädchen, das, meist (aber noch nicht auf diesem ersten Bild) von ihrem kleinen Bruder Junior begleitet wird. Die erste Station ist die Wüste – eingedenk der Arte-Dokumentation „Die gefährlichsten Schulwege der Welt“. Da ist es nicht schlecht, wenn man einen Schutzengel dabei hat…

Zabiba, a little african girl, is travelling. The illustrators‘ group of Editartz started a series of prompts in January – we could choose someone we could send to the given destinations. This is the first one – the desert, a dangerous place. Good to have a guarding angel around…

#Editartz @_editartz


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10 vor 3 im Dressingroom

Die Uhr im Verbandsraum zeigt 10 vor 3. Ein jüngerer Mann schiebt eine vermummte Gestalt im Rollstuhl herein. Ein Tuch um den Kopf gewickelt, lehnt die Kranke etwas schief in dem Gefährt. Schmerzen in der rechten Seite, berichtet der Ehemann der 27jährigen, sie könne sich kaum noch bewegen. Seit vier Tagen werde es schlimmer. Die Patientin reagiert nicht auf Ansprache, nur ein Kneifen am Brustbein führt noch zu ungezielten Bewegungen.

Wir legen die Kranke auf eine der Liegen. Die Vorgeschichte ist schnörkelreich. Gerade wurde sie aus einem Krankenhaus entlassen, wo man sie auf „Typhoid“, eher eine Verlegenheitsdiagnose, behandelt hatte. Ohne Erfolg. HIVpositiv sei sie auch. In der Untersuchung zeigt sich eine rechtsseitige Lähmung von Arm und Bein, der Blick ist konstant nach links gerichtet. Ich bitte den CO der HIVAbteilung hinzu. Er vermutet eine Enzephalitis, Kryptokokken oder einen Abszeß.

Wir sind uns einig, dass die Patientin bei uns nicht gut aufgehoben ist. Wir bitten die Headnurse zum klärenden Gespräch mit dem Ehemann. Schickt sie in einem Taxi, sonst wird sie nicht aufgenommen, ist die Empfehlung. Eine nicht ansprechbare 27jährige mit Halbseitenlähmung im Taxi schicken? Aber immer noch dauert der Klinikstreik an. Eine völlig überlaufene Klinik gibt es noch, wo wir sie hinschicken könnten, aber mit dem Krankenwagen hat sie keine Chance. Wir rufen an, schlägt die Headnurse vor. Chronischer Zustand, lautet die Antwort, nehmen wir nicht.

Eine Lähmung seit zwei Tagen ist kein chronischer Zustand, sage ich. Schickt sie einfach so hin, empfiehlt die Headnurse, lange erfahren in dem ganzen Kummer mit Streik und Abweisungen – wenn sie selbst kommt, ohne jede Spur einer Vorbehandlung, müssen sie sie nehmen. Na denn. Ich bin versucht, nichts mit dieser Entscheidung zu tun haben zu wollen.

Patrick, 62 Jahre, war letzte Woche schon einmal da. Mit einer zu großen Prostata, die schon lange drückt und einem Harnwegsinfekt. Da saß er drei Stunden lang im überfüllten Wartebereich zwischen hustenden Anderen. Heute hustet er selbst. Hat Fieber. Atemnot. Die Sättigung ist bei 89% angekommen. Ich kenne das Bild von zuhause: älterer Herr, entsprechende Symptomatik. Zuhause hätte man einen Test. Aber auch so geht es ihm so schlecht, dass wir ihn einweisen müssen. Und wieder dieselbe Problematik: wenn sein Bruder ihn nicht zum Taxi stützt und dann, völlig ohne Vorbehandlung, ins Krankenhaus, wird er nicht aufgenommen.

In mir sträubt sich alles. Meldet wenigstens an, dass ihr einen jungen Taxifahrer braucht, wenn der sich ansteckt, bringt es ihn nicht so schnell um, sage ich. Lautes Gelächter der Dressingroommannschaft. Ein Lachen aus Verzweiflung über die Umstände. Den nächsten Patient kann ich nicht schallen, weil im Sonoraum eine tote Siebenjährige liegt. Die bekümmerten Eltern warten vor der Tür auf die Abholung.

Nebenbei – ich versuche gerade, die vielen Platzwunden am Schädel eines Motorradunfalls zu nähen, während der Patient fast von der wackeligen Op-Liege fällt – höre ich, draußen liege noch ein Notfall. Eine Stichverletzung. Wo der Stich denn sei, frage ich beim Nähen. Im Brustkorb, sagt mir eine der Schwestern entspannt. Der Patient war bei Nacht schonmal bei einem Healthpost, da wurde die Wunde zugenäht. Ich bitte, einen der Kollegen zu dem Patient zu schicken und bitte dringend um Eile. Und tatsächlich – endlich habe ich den Genähten abfahrbereit, denn auch er dämmert langsam ein – hat der junge Mann mit der Stichverletzung einen Puls von 115, eine Sauerstoffsättigung von 88% und ganz offensichtlich eine Verletzung der linken Lunge. Diese beiden bekommen wir dann tatsächlich noch mit der Ambulanz unter, offenbar ist da deutlicher, dass es sich nicht um chronische Zustände handelt…Gerade rechtzeitig, als die Blutspuren von der Nähaktion weggeputzt sind, taucht eine Abordnung der Regierung auf und möchte eine Kontrollbegehung machen: drei geschniegelte, gebügelte Ladies in feschen Kostümen auf geschäftig klappernden Absätzen. Vielerlei wurde bemängelt, heißt es hinterher, aber vor allem, dass die Patienten, auch die mit Husten und Fieber, im Wartebereich eng beieinander sitzen wie die Ölsardinen. Aber wen soll man wegschicken?

Die Uhr im Dressingroom zeigt immer noch 10 vor 3. Wie gestern und vor vier Wochen auch schon. Und vor drei Monaten, berichtet meine Übersetzerin. Irgendwie hat sich noch keiner zuständig gefühlt, sie mit einer neuen Batterie zu bestücken. Was nicht so kompliziert wäre wie die Unterbringung von schwer kranken Patienten. Aber in Wirklichkeit ist es ja erst 11.15 Uhr. Die Zeit verläuft scheinbar nicht immer geradlinig…