sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


2 Kommentare

Joy to the world

Julie mag nach einem Sturz nicht mehr auf dem linken Bein auftreten. Ihre Mama besteigt gleich am naechsten Morgen frueh um 5 Uhr mit der Zweijaehrigen im Arm ein Motorradtaxi, um von Dandora nach Mathare ins Baraka Health Center zu fahren. Sie hat gehoert, dort soll die Behandlung gut sein. Zwar gehoert sie somit nicht zu unserer Zielgruppe, aber es wird niemand bei der Erstvorstellung einfach wieder weggeschickt. Vielmehr wird versucht, an die heimatnahen Institutionen zur Weiterbehandlung zu verweisen.

Vor Ort in Baraka, nach einer Runde geduldigen Wartens, werden sie von der Chirurgin zu dem naechstgelegenen Roentgeninstitut nach Kariobangi geschickt, auch dorthin muss man ein Motorradtaxi anheuern. Und dann auch dort noch ein Weilchen warten.

Am Nachmittag treffen die beiden wieder mit dem Motorradtaxi in Baraka ein und nach einer erneuten Wartezeit sieht die Chirurgin im Roentgenbild einen gut stehenden Bruch des Oberschenkelknochens.

Nun muesste man eigentlich (zumindest in diesem Kontext) Julie an beiden Fuessen in eine Extension haengen, so dass der Popo etwas in der Luft schwebt und das Koerpergewicht das Bein in einer guten Position haelt, dann wuerde der Knochen unkompliziert in wenigen Wochen geheilt sein. Aber das hiesse: Mama und Julie hingen wochenlang in der Klinik fest und muessten auch noch wochenlang dafuer zahlen. Was sie nicht koennen. Die preiswertere Alternative: ein Becken-Bein-Gips.

Eine Dreiviertelstunde, zahlreiche Gipsbinden, 4 Helfer, noch mehr Gebruell von Seiten Julies und eine Banane zum Trost spaeter sitzt das diffizile Kunstwerk mit Oeffnung fuer taegliche Beduerfnisse sowie  Quersteg zur besseren Stabilitaet. Alle Beteiligten wischen sich den Schweiss von der Stirn und die Gipsspuren aus Haaren und Haenden.

Nun kann man ein auf diese Weise eingegipstes Kind aber nicht einfach mit der Mutter wieder aufs Motorradtaxi zur Fahrt nachhause setzen. Nach einigem Hin und Her und miteinander Abwaegen wird beschlossen, dass die beiden vom Ambulanzfahrzeug nachhause gefahren werden, denn auch im vollgestopften Matatu ist ein liegender Transport ohne Gipsschaden zur abendlichen Hauptverkehrszeit nicht vorstellbar. Zudem muss noch eine andere sehr kranke Patientin in die gleiche Richtung gebracht werden.

Inzwischen ist es nach 17 Uhr, die Chirurgin hat inzwischen auch keine Lust mehr, am  achtspurigen Thika-Superhighway entlang nachhause zu laufen und faehrt mit, um auf dem Rueckweg dann bei der Doktors-WG auszusteigen. Dandora liegt allerdings in genau entgegengesetzter Richtung, so dass der Abend in dieser Hinsicht noch eine Horizonterweiterung bereithaelt. Wer bislang noch nicht wusste, was mit unserem ordentlich von einer Muellabfuhr woechentlich abgeholten Muell geschieht, sieht hier, wohin er reist: in Dandora liegt eine der groessten Muellkippen Kenias, seit ueber zehn Jahren ueberfuellt und dennoch weiter genutzt. In den Himmel wachsende Gebirge von Abfaellen tuermen sich hier am Horizont und schwelen vor sich hin. Eine Verbrennungsanlage gibt es nicht.  Dafuer aber viele Menschen, die in den Abfaellen noch das Verwertbare, ja, sogar Essbares suchen. Da scheint der von der Regierung stolz verkuendete Plastic-Ban als Schritt in eine umweltfreundliche Zukunft nur ein winziger Nebenschauplatz zu sein – offensichtlich warten auf den neuen alten Praesidenten noch weit groessere Herausforderungen.

Und endlich sind wir da und Julie’s Vater steht schon am Strassenrand im abendlichen Gewimmel, und das Strahlen von Julie, als sie den Papa entdeckt, laesst alle Muehen mit Gipserei und stundenlangem Hin- und Herfahren und der endlosen Warterei verblassen.

Inzwischen freut sich auch die Chirurgin  auf zuhause, aber was will man sagen angesichts des so muehsamen Lebens in dieser Stadt, das sich aller Orten optisch, olfaktorisch und auch sonstwie praesentiert, und doch haben alle Beteiligten immer nur gute Miene gemacht, kein Wort der Kritik oder der Ungeduld fallen lassen, nur Freundlichkeit und Schweigen am Rande, und so schweigt auch die Chirurgin auf dem Rueckweg, der wieder vorbei fuehrt an dem auch hier wuchernden Slum Korogocho, den unflaetigen Muellbergen, die den Menschen den Atem nehmen und durch das Gedraenge, den Laerm und die Dieselwolken, waehrend das Autoradio eine verjazzte Variante von ‚Joy to the world‘ spielt, eine der wenigen Spuren der Tatsache, dass in einigen Tagen Weihnachten ist. Inzwischen fragen sich auch die Kolleginnen, wo die Vierte abgeblieben ist und rufen an, aber es gibt wirklich keinen Grund zur Klage. Schon garnicht im Vergleich zu dem Tag, den Julie und ihre Mama heute hinter sich gebracht haben.

Mehr zum Projekt unter www. german-doctors.de

Advertisements


Ein Kommentar

Zwischenzeiten

Nachdem die Inthronisation des neuen und zugleich alten Praesidenten, ein wenig buckelig zwar, aber doch glimpflich ueberstanden ist (zu diesem Ereignis wurde ein Nationalfeiertag ausgerufen, und wieder musste die Ambulanz geschlossen bleiben) und die Nachwirkungen des Traenengases bei denen, die – zum Teil auch unfreiwillig – in die Naehe der oppositionellen Gegenveranstaltung kamen, ueberstanden sind, kann die Arbeit im Baraka Health Center weiter gehen. Zwar ist zu merken, dass immer noch einige es vorgezogen haben, sich anderswo als im Slum in Sicherheit zu bringen, aber gerade auch in der Chirurgie ist wieder gut zu tun.

Ben hat bei der Arbeit versehentlich das Holz zusammen mit dem Zeigefinger in die Kreissaege geschoben. Ein freundlicher Kumpel stand hilfreich zur Seite und hat das Ganze mit Watte verbunden und in einige Schichten duennen Mulls gewickelt. Am naechsten Tag, als Ben den Weg in die Ambulanz gefunden hat, ist das Verbandsmaterial so mit der Wunde verklebt, dass erstmal eine oertliche Betaeubung noetig ist, um ueberhaupt die Wunde anschauen zu koennen. Es braucht eine Weile, ein Fingerbad mit Betaisodonaloesung und eine feine Pinzette, bis die Reste der Fingerkuppe freigelegt sind, dann aber laesst sich sagen, dass das Ganze doch heilen wird, es ist noch genuegend vorhanden, aus dem Bens Koerper, der jung und gesund ist, eine neue Fingerkuppe rekonstuieren kann. Der neue Verband klebt dank einer Spende eine Firma in Deutschland nun auch nicht mehr an der Wunde fest.

Die 7-jaehrige Rose stellt sich nach Sturz vor einer Woche mit verformtem Handgelenk vor, ja, nickt sie, es schmerzt sehr. Im Roentgenbild ist zu sehen, dass der Wachstumsbereich des Knochens abgerissen und stark verschoben ist – ein Bruch, den wir in der Ambulanz nicht adaequat versorgen koennen, sondern weiter schicken muessen, wenn es wirklich gut werden soll. Meine Uebersetzerin spricht mit der begleitenden Auntie, die nur maessiges Interesse an der Sache zu haben scheint. Die Mutter ist heute nicht abkoemmlich, ein Vater erst recht nicht, aber es muss in diesem Fall unbedingt deutlich werden, dass Rose ihr ganzes Leben lang ein steifes und vermutlich schiefes Handgelenk haben wird, wenn die Knochen nicht wieder in die richtige Stellung gebracht werden und wir den Arm nur eingipsen. Schliesslich schicke ich Rose mit Auntie zu headnurse Lilian. Diese erklaert, wirbt um Einsicht, stellt den Kontakt her zu dem gerade noch ein paar Tage in der Kinderklinik operierenden, europaeischen Gastchirurg her, und mit dieser Klinik gibt es zudem eine Partnerschaft, so dass ein bestimmtes Kontingent von kleinen Patienten zu nur geringen Kosten behandelt werden kann. Und endlich machen sich die beiden auf den Weg. Und schon scheint die Zukunft fuer Rose wieder ein wenig heller…

Die Daily Nation berichtet in diesen Tagen neben der allgegenwaertig heissen Tagespolitik vor allem von den Ergebnissen der KCPE-Pruefungen (Kenia Certificate of Primary Education). Viele Seiten der Tageszeitung sind mit Fotos gluecklicher Schueler und stolzer Eltern gefuellt. Das beste Ergebis im ganzen Land hat ein Albinomaedchen ereicht: 455 von 500 Punkten! Die 14-jaehrige Goldalyn Kakuya macht mit ihrem vorbildlichen Ergebnis vor allem auch denen Mut, die sich wegen koerperlicher Behinderungen oder Auffaelligkeiten benachteiligt fuehlen. Vor allem sei sie „an inspiration to persons living with albinism“, die wegen Stigmatisierung, Aberglauben und der hohen Lichtsensibilitaet in Afrika eine schweren Stand hatten und hier und da auch noch haben. Und ueberhaupt sind die Maedchen auf dem Vormarsch – unter den Kindern mit den besten Abschluessen sind mehr als die Haelfte „young ladies“.

(Danke an Sascha fuer das Foto!)

…mehr Infos: http://www.german-doctors.de

 


4 Kommentare

Neu erschienen – Just published

Im Spätsommer erscheinen erfahrungsgemäß die neuen Weihnachtsbücher… hier schonmal zum kleinen Einblick mein neuestes:

Weihnachtliche Reise um die Welt

Text: Katharina Mauder, Bilder: meine

Verlag Ernst Kaufmann Lahr, ISBN  978-3-7806-6290-3, 12,95 Euro

Luka wird vom Sternenmädchen Nayra zu einer nächtlichen Traumreise zu den Kindern in Australien, Mexiko, Österreich, Russland, Schweden, Südafrika, Philippinen und USA eingeladen und entdeckt, wie dort Weihnachten gefeiert wird…


8 Kommentare

Afrika ist bunt – Benefizausstellung zugunsten der Welthungerhilfe

Ausstellung von Malerei (ein Teil meiner vielen Afrikabilder) im

Marienhospital Stuttgart, Böheimstrasse 37

3.5. bis 5.6.2017, täglich geöffnet (im öffentlichen Eingangsbereich nahe dem Empfang, Hauptgebäude, Ebene M0)

Es gibt viele schlechte Nachrichten aus Afrika, unter anderem,  dass es in vielen Ländern südlich der Sahara schon lange nicht mehr ausreichend geregnet hat, um auch nur den Grundbedarf von Menschen, Tieren und Pflanzen zu decken. Selbst die Welthungerhilfe verfügt nicht mehr über nicht genügend Mittel, auch nur für eine Basisversorgung all der Hungernden aufzukommen. Deshalb die Widmung dieser Ausstellung an diesen Zweck. Als ich 2010 für ein halbes Jahr in einem auch damals schon von der Dürre betroffenen Gebiet in Ostafrika gearbeitet habe, war die Verteilung von Sorghumhirse durch die Welthungerhilfe eine grosse Hilfe. Wir hätten es nicht geschafft, all unsere extrem mageren Patienten von uns aus zu versorgen (für eine Chirurgin aus Deutschland hat es einen gewissen Grad an Grauen, Menschen zu operieren, die über kein Fettgewebe mehr verfügen).

Die Wärme, Freude, Lebenslust und Buntheit dieses grossen, zum Glück nicht nur gequälten, sondern auch wunderbaren Kontinents gibt es trotz allem und sie findet sich (nicht nur) in den Bildern wieder.

(Da das Krankenhaus keine Möglichkeit sah, eine Vernissage zu ermöglichen, gibt es diesmal keine).

Infos über die Arbeit der Welthungerhilfe unter http://www.welthungerhilfe.de

 


Ein Kommentar

Sanaa na upendo – Kunst und Liebe II

…und Konzentration!:)

 

Infos über unsere Arbeit im Baraka Health Center in Nairobi:

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi


7 Kommentare

Ijumaa – Freitag

Die 8-jaehrige Esther ist gestuerzt – der Arm schmerzt. Ihre Mama geht mit ihr in die naechste Klinik zum Roentgen: der Arm ist gebrochen. Nun ist ihr aber in dieser Klinik der Gips zu teuer (umgerechnet 15 Euro), deshalb fahren Esther und Mama im vollgestopften Matatu in die naechste Klinik. Dort ist der Gips billiger (umgerechnet 10 Euro), also wird er (ohne neues Roentgenbild, da zu teuer und ausserdem ungesund) dort angelegt. 4 Wochen spaeter stellt die Mama Esther bei uns vor, weil der Arm, nachdem der Gips im Health Center durch Einweichen in Wasser abgenommen wurde, schief aussieht. Da erst zeigt sich im Kontrollroentgen, dass der Bruch, der auf dem ersten Roentgenbild gut stand, sich auf dem Weg zum billigeren Gips mehr als eine Knochenbreite verschoben hat. Zwar hat sich Callus gebildet und der Bruchbereich schmerzt nicht mehr, aber ob es halten wird, wenn der naechste Sturz ansteht?

Der Aerztestreik geht in die 7. Woche. Inzwischen ist die Rede von einem geplanten halben Jahr, falls sich nichts tut. Ich treffe eine der streikenden Kenianischen Kolleginnen. Sie erklaert mir, dass die Zustaende in den Staatlichen Krankenhaeusern so schlecht seien,  dass man es so nicht weiter hinnehmen koenne. Die Menschen wuerden sich denken, dass Aerzte Leben retteten, aber das sei zum Teil garnicht moeglich, weil weder Material noch genuegend Personal zur Verfuegung steht. Lieber ginge sie ins Gefaengnis, als diese Zustaende weiter zu ertragen. Die Zeitung vertrete doch nur die Position der Regierung. Ein aerztlicher Kollege fragt, warum es denn nicht moeglich sei, in Kenia die eigenen Aerzte angemessen auszubilden, auszuruesten, anzustellen und auch zu halten? Eine gute Frage – eigentlich moechten auch wir ja ueberfluessig werden! Das taegliche Geschaeft allerdings zeigt, dass vor allem die Patienten unter dem Streik leiden…

Und: das Wasser geht aus. Da es in der letzten Regenzeit nicht so viel wie sonst geregnet hat, ist der wichtigste Staudamm, das Hauptwasserreservoir im Land, schon ueber die Haelfte geleert. Seit Anfang des Jahres wird deshalb das Wasser rationiert. Mal gibt es welches, mal nicht, daher haben wir alle mit Wasser gefuellte Buetten in Bad und Toilette stehen, im Wohnzimmer stapelt sich eine Batterie Flaschen mit Trinkwasser und auch in Baraka kommt oefters mal nichts mehr aus dem Wasserhahn, wenn man sich gerade die Haende waschen will, Gipse machen moechte oder den Schmuddel von vielerlei Wunden wegwischen sollte. Gut, dass es genuegend Desinfektionsmittel gibt, hin und wieder kommt Wassernachschub im Tankwagen (das dann ein wenig braun aussieht). Was die Nachbarn unserer Doktors-WG allerdings nicht daran hindert, die Steine vor dem Haus sowohl mit Seifenwasser zu schrubben als auch mit klarem Wasser nach zu spuelen.

Die Daily Nation publiziert in diesen Tagen ausfuehrlich zur Inthronisation des neuen amerikanischen Praesidenten. Zum Abschied von Obama, dem „Son of a Kenian“ (auf den man nach wie vor stolz ist – erst letzte Woche hatte ich wieder einen kleinen Patienten namens Barak und auch ein 6-jaehriger Obama war schon da),  wird die Hoffnung geaussert, er habe nun vielleicht ein wenig mehr Zeit,  sich um die Anliegen seiner Heimat zu kuemmern – nachdem die Regierungsgeschaefte nicht mehr draengen, koenne er ja das eine oder andere Projekt initiieren? Den „Neuen“ im Amt sieht man durchweg kritisch wenn nicht sogar mit grosser Sorge. „Uneasy times ahead as Trump takes over“ wird getitelt und Charles Dickens zitiert: „…it could be the best of times, but it could as well be the worst of times“, nicht nur fuer die USA, sondern auch fuer Afrika. Ein Kommentator spricht von der Amtseinfuehrung als von dem soeben vollzogenen, offiziellen Begraebnis der „political correctness“. Einzig Njoki Chege, die fuer ihre bissige Kolumnen bekannt ist, findet eine durchaus freundliche Farbe im sonst eher zwiespaeltigen Bild: „Trump has taught fathers one important lesson: believe in your daughters!“ (…doch auch das hatte Obama bereits persoenlich bei einem offiziellen Besuch den Herren des Landes nahegelegt).

(Danke an die Kollegin Claudia fuer das Foto!)

 

…mehr über das Projekt unter:

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi

 

 

 

 

 

 


4 Kommentare

Streik

Die Feiertage der letzten Zeit sind eine gute Gelegenheit, Verwandte zu besuchen, durch die vielen  geschlossenen Health Care Facilities und jene mit eingeschraenktem Betrieb werden jedoch auch unzaehlige Erkrankungen verschleppt, die man eigentlich sofort haette therapieren muessen. Die Arbeitstage zwischen Weihnachten und Neujahr  wurden zusaetzlich verkuerzt, da die Regierung an Heiligabend ueber die Medien ankuendigte, auch der erste Werktag nach Weihnachten sei nun auch ein Feiertag (der aufmerksame Beobachter fragt sich, ob dies mit den im neuen Jahr anstehenden Praesidentschaftswahlen zu tun haben koennte?). Dieses elastische Zeitmanagement fuehrte zu allerlei Konfusion, da so kurzfristig nicht alle informiert waren. Insbesondere die gynaekologische Kollegin ist aergerlich, da sie bereits zahlreiche Patientinnen fuer den nun freien Tag einbestellt hat. Am liebsten haetten wir die Aermel hochgekrempelt und trotzdem gearbeitet, aber auch das einheimische Personal, das die Infrastruktur und somit den Gesamtbetrieb der Ambulanz gewaehrleistet, ist ja nicht da.

Als waere dies nicht genug, ist seit Anfang Dezember das kenianische Gesundheitspersonal am Streiken, da die Regierung mit den Lohnzahlungen im Verzug ist. Nachdem zunaechst nur die Aerzte in den staatlichen Krankenhaeusern streikten (darunter auch unsere Hauptueberweisungsadresse, das Kenyatta Hospital), sind es inzwischen solidarisch auch Healthworker und Pflegepersonal in anderen Kliniken. Patienten fahren, schwer krank, teilweise von Klinik zu Klinik, bis sie jemanden finden, der sie behandeln will oder kann. Wer nicht auf dem Weg gestorben ist, nimmt Schaden an der Zeitverzoegerung, denn es ist nicht ueblich, ein Notfallteam parat zu halten.

Die Daily Nation ist voller anklagender Berichte ueber werdende Muetter mit Risikoschwangerschaften, die ihre Kinder verloren haben, verwaiste Ehemaenner, akute unfallchirurgische Faelle, die nicht versorgt wurden, und dergleichen mehr. Die Gesundheitsversorgung im ganzen Land ist nachhaltig lahmgelegt.

Auch  viele Patienten, die sich an diesen Arbeitstagen in unserer Ambulanz draengen, haben ihre Leiden viel zu lange verschleppt. Seit drei Tagen luxierte Gelenke sind wesentlich schwerer wieder in die richtige Position zu bringen, Kinder mit Sichelzellkrise und einem Haemoglobinwert von 1  (normal waere ueber 10) hoffen wir gerade noch lebend als akuten Notfall einweisen zu koennen und dass sie auch aufgenommen und  behandelt werden – auf Frakturen wird tagelang herumgelaufen. Wir sind als Aerzte nun auch nicht mehr, wie in den letzten Jahren, zu sechst, sondern nur noch zu fuenft, was die Patientenzahlen pro Arzt erhoeht und die Arbeitszeit dehnt. Nachdem ich in den letzten Jahren neben meinen chirurgischen auch allgemeinmedizinische Patienten behandelt habe, bin ich in den letzten Tagen nur mit den chirurgischen gerade so fertig geworden. Und trotz allem: wie eh und je sind die Patienten geduldig und freundlich, keiner schimpft oder beschwert sich. Nach Ende der Feiertage wird nun, am ersten Arbeitstag nach Neujahr, der Hauptansturm erwartet: alle Reisenden kommen wieder nachhause und bringen Malaria und vielerlei anderes von „up country“ mit zurueck. Es wird nicht langweilig. Und die Ambulanzarbeit fuehlt sich so an, als waere man garnicht weg gewesen.

(Danke an Claudia fuer das tolle Foto!)

…mehr über das Projekt unter

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi