sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Nachthaus, hell – Lighthouse at night

Wenn einer nicht weiß wohin

und als einziger geeifert hat,

wenn einer kein Kraftwerk ist,

kein Seehund, der sich tausendmal

am Tag ins Wasser stürzt vom

Felsen, muss man für ihn kochen,

mit ihm am Tisch trödeln,

sein Gelände sanft betreten,

sich mit ihm unbehaglich fühlen.

 

Wenn einer sagt: „Ich bin nicht

besser als meine Väter“,

sich sein Votum löschen will,

muss man mit ihm rechnen.

Das Gegenteil von Minus ist nicht

dauernd Plus, ist Tütensuppe,

Zimtreis oder Brot und Fleisch,

von Raben an den Bach gebracht,

ein Lager unterm Ginsterstrauch,

ist Fladenbrot, auf heißem Stein

gebacken, ein Krug Wasser.

 

Und wenn es heißt „Steh auf

und geh“ und einer noch nicht

weiß wohin und meint, er sei

noch gar nicht wieder ganz:

Dann muss er langsam rechnen,

Wurzeln ziehen, schlummern,

knuspern, krümeln, bis er

behaglich brodelt und manchmal

beinah heimlich bei sich denkt,

er habe vielleicht nur

fast allein geeifert.

 

aus: Vera Schindler-Wunderlich: Dies ist ein Abstandszimmer im Freien. edition pudelundpinscher, Erstfeld 2012


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Wort-Bild-(manchmal)Rätsel

Hin und wieder begegnet mir ein Gedicht, eine Wortfolge, ein Satz, und ein Bild entsteht in meinen Gedanken. Worte und ihre Kombinationen können spröde sein und Fangen oder Versteck spielen, Manches verlangt danach, eine ganze Weile bewegt, dann wieder zur Seite gelegt, dann wieder angeschaut, angehört, in Farbe umgesetzt zu werden…