sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Sprache – Language

During my nightshift a Chinese tourist arrives with his tour-guide after an accident at the hotel. The tourist fell and injured his now bleeding leg. Already at the administration there was a problem in communication – on his voucher I can only find a first name and „China“ but both men are very friendly and always smiling, though we can not communicate – they don’t understand anything. The translation-program on their cellphones does not work in my consultation room, so we have to step out into the night to get my order „please call a friend who can translate“ into Chinese letters. Soon both are smiling even more enthusiastic: when having lunch at a Chinese restaurant today, they made friends and exchanged phone-numbers with the owner. And only a few minutes later I am talking in german with a very friendly lady, who builds all the bridges to understanding and an adequate treatment! Connections help – even if the language is unknown!

Im ärztlichen Nachtdienst stellt sich ein Chinesischer Tourist in Begleitung seines Reiseleiters vor, nachdem er im Hotelbad ausgerutscht ist und sich verletzt hat, eine tiefe Wunde am Knie blutet. Schon an der Anmeldung verstand man die beiden nicht wirklich, auf dem Adressfeld stehen nur ein Vorname und „China“. Beide sind wirklich freundlich und lächeln ohne Unterlass, aber verstehen wirklich gar nichts. Das Handy-Übersetzungsprogramm findet kein Netz im Sprechzimmer, so müssen wir hinaus in die Nacht, damit meine dringende Bitte (ruf einen Freund an, der übersetzen kann) in Chinesische Buchstaben übertragen werden kann. Und schon geht ein Leuchten über die Gesichter: in einem schwäbischen Chinarestaurant, in dem die Gruppe sich am Mittag stärkte, kam man ins Gespräch und tauschte mit der Eigentümerin die Telefonnummern aus. Und sofort habe ich eine astrein deutsch sprechende Chinesin am Apparat und wir verstehen uns ohne Probleme (auch wenn es ein bisschen länger dauert, bis alles gefragt, beantwortet und übersetzt ist). Wenn man die Sprache nicht kann, helfen zumindest gute Beziehungen!

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African Ladies – Sharon

21-years old Sharon lives in Mathare Valley for some time already with her mother and sister. But since her mother is a faithful and reliable worker, the girls could get a good  education right from the beginning. Starting at St. Benedict’s primary school when she was 3 years old, she could continue with secondary school, which she completed in 2013. Because there was not enough money for 1 year, she stayed at home to help with the daily issues before she could continue at KIPS (Kenyan Institute of Professional Studies) in 2015: she enrolled in information and communication technology. After one successful year she had to stop again because of financial problems and is waiting now for a chance to continue. 

When Sharon told me what would be necessary to continue her studies, I thought: it is not a high amount – but five years, until she would achieve her goal is a long time to go. Is there a possibility for a shorter education, I ask her? Her dream is to finish what she started. But, if she was able to continue at least for 2 years, she could work as a secretary. Is there another alternative, I ask her, and feel bad about these dream- crushing questions. No, Sharon says, this is her dream.  And she will stay with it.

Where does she see herself in 10 years, I ask, not willing to let go hope for this bright girl. She wants to be a system analyst and work in one of the ministries of her country. And she would try to gain enough influence to lower school fees ( there is a trace of a smile when she mentions that).

And her motto? Never loose hope, Sharon says. Determination. Focusing life.

 

Die 21jährige Sharon lebt schon seit geraumer Zeit mit ihrer Mutter und der kleineren Schwester in Mathare Valley. Aber da die Mutter eine tüchtige und verlässliche Arbeiterin ist, konnten die Mädchen von Anfang an in die Schule gehen. Nachdem Sharon mit drei Jahren in der St. Benedict’s Primary School ihre Ausbildung begonnen hatte, konnte sie 2013 die Secondary School abschliessen. Nach einer wegen finanzieller Engpässe eingelegten Pause von einem Jahr begann sie ihr Studium am Kenyan Institute for Professional Studies. Hier reichten die Ersparnisse gerade mal für ein Jahr. Jetzt wartet sie auf eine Möglichkeit, ihr Studium fort zu setzen.

Als sie mir erzählt, um welche Beträge es sich handelt, denke ich, so hoch sind sie nicht. Aber für fünf Jahre?! Gibt es nicht eine schlankere Variante, für die man nicht so lange Geld investieren muss? Nach zwei Jahren könnte sie zumindest eine Stelle als Sekretärin finden, meint Sharon. Und eine andere Alternative, frage ich, und schäme mich für dieses Beharren auf einer Sparvariante. Nein, sagt Sharon. Sie will ihren Traum noch nicht aufgeben.

Wo wäre sie gerne in 10 Jahren angelangt, möchte ich wissen. Und bin nicht gewillt, die Hoffnung für dieses kluge Mädchen aufzugeben. Sie möchte im Bereich Systemanalyse arbeiten, zum Beispiel in einem Ministerium. Und vielleicht hat sie die Möglichkeit, so viel Einfluss zu gewinnen, dass die Schulgebühren für kluge Mädchen gemindert werden können (ein halbes Lächeln huscht vorüber und ist wieder verschwunden).

Und ihr Motto? Nicht die Hoffnung zu verlieren, sagt Sharon. Entschlossenheit. Eine Punktlandung versuchen.

 


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Malzeit Rasa II – Painting in the Mountains

Abend auf Monti (und die Lust an Farben, die laut und ein bisschen schrill daher kommen).

Evening light in the mountains (having the desire to let the colors sing out loud and a bit crazy).


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Kurudi kesho – komm morgen wieder…

Musik

~ Ein Auflauf im Dressingroom! Gerade zurueck von der Mittagspause mit Tomatenweissbrot, kann ich mich gerade so noch in den kleinen Raum hinein zwaengen. Jimmy, der seine offenen Beine hat verbinden lassen, hat die elektrische Gitarre mitgebracht! Ein wirklich edles, blank poliertes Stueck in Rot und Silber, aber leider ist weit und breit kein Lautsprecher aufzutreiben. Macht nichts. Ein bisschen hoeren kann man auch ohne Verstaerker, und Jimmy gibt, wenn auch leise, eine Kostprobe seiner Kunst mit Gezupf und Gesang, flott, in den Beinen kitzelnd, die alle begeistert. Auch eine CD hat er anzubieten, darauf, mit charmantem Laecheln, sein fein herausgeputztes Selbst – da entfaltet sich eine ganz neue Perspektive. Gut so, denn was fuer ein reduziertes Bild ergeben die dreimal woechentlich betrachteten offenen Beine! „Next week he will bring the boxes, too“, sagt eine der Schwestern. Muessten wir da nicht die headnurse um Erlaubnis fragen? „She will accept!“ sagt meine Uebersetzerin und klingt so, als wolle sie sich dieses Happening keinesfalls entgehen lassen. Ich meine, dass es die schweigsame, stundenlange Warterei in Enge und Daemmerlicht punktuell ein bisschen aufhellen wuerde. Die Headnurse ist hingegen noch nicht ueberzeugt. „Patients will crowd around him, not hear their names any more and cause a lot of inconvenience!“ Ob es irgendwann einen Mutanfall geben wird?

Dina

~ Eine Last auf dem Kopf balancierend, ein buckeliger Weg, ein Sturz – Dina ist mit dem Schienbein auf einem Stein aufgekommen. Zum Glueck ist nichts gebrochen, aber eine 12cm breite, tiefe und  gezackte Wunde hat sie sich dabei zugezogen. In der naechstgelegenen Gesundheitsstation flickt man beherzt, aber nicht genuegend kompetent den Schaden: mit stramm angezogenem Faden, etlichen Stichen an der Spitze des Hautlappens und fortlaufender Naht – lauter „Do not’s“, was Naehte am Schienbein (und anderswo) betrifft.

Ein paar Tage spaeter: das Bein ist geschwollen und schmerzt. Dina beschliesst, sich in Baraka vorzustelllen. Ich traue der Wunde nicht. Wird das gut gehen?  Soll ich die Naht jetzt schon loesen? Waeren es einzelne Knoten, fiele die Entscheidung leichter. Ich entscheide mich fuer ein Antibiotikum und taegliche Kontrollen. Noch tritt lediglich etwas klare Wundfluessigkeit aus. Nach zwei Tagen beginnt sich die Haut im Bereich der festgezurrten Nahr an der Lappenspitze abzuloesen. Ich schicke Dina in die Klinik, zu einer ordentlichen Wundrevision in Narkose. Am naechsten Tag ist sie wieder da, ja, man wollte sie schon stationaer da behalten, aber das ginge doch nicht wegen der Kinder. Sie hat einiges bezahlen muessen fuer Labor und diverse Medikamente, aber der Verband ist noch derselbe wie gestern. Ich oeffne die Naht auf ganzer Breite, noch ist nichts eitrig, aber die Hautraender sind teilweise abgestorben und werden schwarz. Ich bestelle Dina fuer den naechsten Tag nuechtern ein, um die Wunde in einer Kurznarkose gruendlich saeubern zu koennen.

Das einzige Narkosemittel, das wir zur Verfuegung haben, ist Ketamin in Kombination mit einem Beruhigungsmittel. Diese Kombination bewirkt keine tiefe Narkose, sondern eher einen „dissoziierten“ Zustand – die Patienten schlafen zwar, verspueren keine Schmerzen und sind nicht ansprechbar, es kann jedoch sein, dass sie etwas erzaehlen, schimpfen, schreien oder immer den gleichen Satz wiederholen, je nach Ausgangsgemuetszustand. Und Dina, die ein Kopftuch mit  lauter kleinen Herzchen und Schriftzuegen „I love Jesus“ traegt, die sich entspannt und voller Vertrauen auf den etwas wackeligen OP-Tisch zwischen Sterilisator und Vorratsregal gebettet hat, faengt, sobald sie schlaeft, an, laut zu singen. Jared, der, waehrend ich einen grossen alten Bluterguss aus der Wunde spuele, die Narkose mit ueberwacht, lacht. Ob er mir uebersetzen kann, was sie da, froehlich und fern ihres Wachbewusstseins schmettert? „Gott hat ein Wunder an mir getan,“ uebersetzt er, waehrend ich noch das Ausmass an totem Gewebe betrauere und mich ueber das Healthcenter aergere, das ihr eine Wundheilungsstoerung groesseren Ausmasses beschert hat. Denn wenn ich wirklich alles an toter Haut entferne , liegt die Knochenfaszie frei und das verheisst nichts gutes und im schlimmsten Fall eine Knochenentzuendung. Ich hoffe, sie bewahrt sich ihren guten Mut fuer die naechsten Wochen. Zumindest diese Chancen stehen gut, wenn man das in ihrem Herzen gespeicherte Vertrauenspolster bedenkt…

Foto: Wandmalerei aus dem Frauengefaengnis in Langata, Kenia


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Ebola IV

Die aktuelle Presse zeigt sich z.Zt. wortkarg bzgl. der Seuche. Dennoch auftauchende Fotographien sind dominiert von der Figur des im weissen oder gelben Schutzanzug verborgenen Helfers, der hier und dort als Held bezeichnet wird. Eilmeldungen vereinzelter Infektionen in der übrigen Welt sind von ausführlicher Berichterstattung begleitet. Der Fokus liegt auf den Folgen für die reichen Länder.

Ich vermisse die Gesichter und Stimmen der Betroffenen: der Kranken, ihrer Angehörigen und derer,  die keine andere Wahl haben, als in ihrem Heimatland unter den aktuellen Bedingungen tapfer die Stellung zu halten, in einer Zeit, da die Lebensmittelpreise dramatisch steigen, die Handelswege blockiert, die Schulen geschlossen sind und die Gesundheitsversorgung zusammengebrochen ist. Ganz zu schweigen von dem Verbot, einander zu berühren und die Kranken und Sterbenden so, wie es immer Brauch war, zu versorgen und zu bestatten.  Noch immer liegt  die Übertragungsrate der Krankheit über 1 und es ist lediglich ein Viertel der Betten vorhanden, die gebraucht werden, um die Kranken zu versorgen. Menschen sterben an zuvor behandelbaren Krankheiten wie Malaria und Geburtskomplikationen, weil Gesundheitszenten geschlossen sind.

Der Kontakt zu den einheimischen Mitarbeitern im German Doctors‘ Projekt in Sierra Leone ist nach wie vor intensiv. Das örtliche Team hält die Gesundheitsversorgung, so gut es geht, in Serabu aufrecht. Patienten werden Kosten erlassen, Nahrungsmittel verteilt. Pläne werden erstellt, die benachbarten Gesundheitsstationen, zum grössten Teil geschlossen, wieder fit zu machen und mit Material und Wissen zu versorgen. Leitlinien werden für die veränderte Situation erarbeitet. Mit hohem Respekt sehen wir, wie das einheimische Team die Arbeit auf gutem Niveau weiterführt.  Es bleibt zu hoffen, dass der Ebolaausbruch nicht irgendwann, wenn die übrige Welt sich wieder sicher fühlt, unter „ferner liefen“ abgelegt wird, wie so viele Gesundheitsprobleme der weniger finanzkräftigen Welt zuvor.

Right now the international press is rather taciturn about Ebola. Reports are dominated by the impressive figures of health workers in white or yellow protection suits, sometimes called heroes. The rare cases of infection in countries of the „first world“ are reported immediately and followed thoroughly.  

 I miss the faces and voices of the sick, of their relatives and colleagues. Of those who don’t have a choice then to stay and struggle under the worsened circumstances like broken down health systems, dramatically increasing food prices, closed schools and blocked travel routes. Not to speak of the order not to touch each other any more or to follow the ancient rules of honoring those who have died.  

Staying in touch closely with the local staff at German Doctors‘ project in Sierra Leone we try to catch up with the changing situation and needs. Patient-fees are lowered, food supplies given. The lokal health posts, most of them closed, are going to be included in the teaching outreach and support with protection equipment. Guidelines are founded how to continue. With high respect we see the local team stay and continue the hospital work on a good level.  Let’s hope and try that the welfare of the west african people stays a major issue, even if the ‚first world‘ feels protected well again.