sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Urlaubs“fotos“ / Vacation „pics“ II


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Meerfarben – Oceancolors

Ein Körnchen Gold am Lebensstrand: eine Woche Urlaub am Meer!

Grain of gold on life’s shore – one week of vacation at the sea!


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Skizzenbuch/Sketchbook Kenia

Farbnotiz zur 20-Jahrfeier von German Doctors in Nairobi: Lesung mit Sonnenschirm im Festgottesdienst unter freiem Himmel!

Colorsketch from the jubilee: 20 years of German Doctors in Nairobi! The reading for the sermon of the celebration’s church service under a blue sky and hot sun!

…mehr zum Projekt unter http://www.german-doctors.de


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Jumamosi – Samstag

Auszeit – Spaziergang, auch mit Giraffe

Zeit, langsam zu sein.

Was nicht einfach ist in  Begleitung der safariverwöhnten Kollegen, die sich langweilen, wenn nur eine Giraffe den Weg kreuzt, aber nicht eine ganze Herde – wenn nur zwei Gazellen und nicht mindestens 24 Warzenschweine mit aufgestellten Schwänzen angesichts der sich nähernden Beobachter die Flucht ergreifen. Nicht einmal EINE Löwengruppe wäre hier ausreichend, es müssten schon mehrere sein, aber Löwen gibt es hier heute nicht, nur eben EINE Giraffe, die anderen haben, so sagt uns die junge Guide, die mit uns durch den Staub stapft, den Zaun überwunden, denn es gibt hier auch kaum noch Wasser, und in unmittelbarer Nähe, aber eben ausserhalb der Gebietsabgrenzung, liegt der Naivasha-See.

Die eine Giraffe ist eine Freude für mein giraffenaffines Herz, lange könnte ich zubringen in der Betrachtung dieses grossen, schönen Tiers.

Die Eile, eine grössere Nähe herzustellen, führt, wie erwartet, zum Rückzug.

Stehen bleiben. Wolken zählen,  die vereinzelten, in der Hitze schnell verwehenden, auf samtblauem Himmel. Den Schattenzug  beobachten, der die runden Berge in Indigo färbt, die sich hier und dort aus den sich bis zum Horizont ziehenden, geraden Landschaftslinien wie grosse Maulwurfshügel erheben, und Dunkelstreifen langsam über die weite Ebene schiebt.

Auf trockenem, fast weissgolden in der Sonne dörrendem Grasland stehen die Marabus, wohl 30, wohl vierzig, eine Schar gemächlicher, grau befrackter Herren mit rosig haarlosen Köpfen. Bei vorsichtiger Annäherung ordnet sich die Gruppe neu, in zeitlupenförmigen Gangmustern sich formierend. Der die Kronenkraniche und andere vordergründigere Schönheiten bevorzugende Durchschnittstourist wird sie als hässlich betiteln. Und vermutlich entgeht ihm der Schatz, den es, in abwartendem Schritt über das Land entlang der Marabupfade, zu entdecken gibt: eine Flaumfeder, gross, weiss, hauchzart, eine im leisesten Windhauch vibrierende, vielgliedrige Kostbarkeit, deren Spitze eine feine, dunklere Locke bildet…


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Jumatano – Mittwoch

James, ein gut trainierter, 26 Jahre junger Mann, stellt sich mit einem  steifen Nacken vor. Die Muskeln im Halsbereich sind stark angespannt. Ich denke an meine Patienten in Deutschland, die nach Kehrwoche und Schneeschippen aehnliche Beschwerden haben – aber so stark ausgepraegt? Er sei gestuerzt, berichtet James, vor 8 Tagen. Ich taste die Halswirbelsaeule ab, er gibt Schmerzen im Bereich des 2. Halswirbels an. Nachdem ich ihm unsere einzige Halsstabilisierungsmanschette angelgt habe und hoffe, dass er sie nicht unterwegs verkauft, schicke ich ihn zum naechstgelegenen Roentgeninstitut.

Acht Patienten spaeter ist er wieder da: die Knochen sind in Ordnung. Die Halskrause kann also wieder in den Schrank und dort auf den naechsten Patienten mit passender Verdachtsdiagnose warten. Ich berate mich mit dem Kollegen im Nebenzimmer. Koennte es eine Knochentuberkulose sein? Oder gar Tetanus? Wir beschliessen, ihn noch zum Labor zu schicken. Eine der einheimischen Schwestern sieht in auf dem Weg dorthin und erinnert sich an einen anderen Patienten. Ob wir schon an Tetanus gedacht haetten?

Das Labor ist voellig unauffaellig. Ich lese die Symptome von Wundstarrkrampf noch einmal detailliert nach, ja, es passt tatsaechlich, obwohl James noch nicht das Vollbild praesentiert. Im vorgebeugten Sitzen nimmt man die Verspannung noch kaum wahr, da sie bisher nur den Hals- und Nackenbereich betrifft, aber er kann schon nicht mehr den Mund oeffnen, weil auch die Kaumuskulatur betroffen ist. Wir beschliessen, ihn als Notfall ins Krankenhaus zu schicken. Aber in welches? Das bestausgeruestete und dennoch bezahlbare, das Kenyatta Hospital, wird immer noch bestreikt.

Headnurse Lilian hilft beim Organisieren. St. Mary’s, ein Missionshospital, ist bereits ueberbelegt und nimmt keine Patienten mehr. Inzwischen ist auch die Familie von James eingetroffen. Der Junge sei zwar in einer Klinik geboren, berichtet die Mutter, aber er habe dort nur die eine, erste Impfung erhalten (was nicht ausreicht). James berichtet, dass er sich beim Sturz vor 8 Tagen auch am Finger verletzt habe, die ehemals offenen Wunde ist inzwischen aeusserlich verheilt. Vor 5 Tagen habe er dann eine Auffrischungsimpfung erhalten (nicht ausreichend und zu spaet).

Damit ist die Diagnose Tetanus sehr wahrscheinlich. Wir sagen den Geschwistern von James – drei sind inzwischen anwesend – dass sie unbedingt ihre Impfungen auffrischen lassen sollen. Lilian schlaegt jetzt  das St. Francis Hospital vor. Doch das will die Familie nicht, als Klinik mit privatem Traeger  ist es ihnen zu teuer. Vielleicht ginge noch das Kikuju Hospital? Das waere tatsaechlich eine Option, aber wie soll der Patient dorthin gelangen? Auf dem Motorradtaxi? Das Ambulanzfahrzeug ist unterwegs mit einer anderen Patientin und wird vor 2 Stunden nicht zurueck sein. Bleibt noch das Klinikfahrzeug, mit dem wir ueblicherweise nachhause fahren. James wird in dieses eingeladen und macht sich auf den Weg. Ja, so sieht Tetanus aus, sagt Lilian, sie habe noch keine gesehen, der es ueberlebt haette.

Der Aerztestreik geht mittlerweile in die sechste Woche. Die Daily Nation berichtet am Freitag auf sieben Seiten von den aktuellen Entwicklungen: die Regierung hatte eine Lohnerhoehung von 40% angeboten, diese wurde abgelehnt. Unter 100%  werde man nicht zur Arbeit zurueck kehren, berichten die streikenden Kollegen.  Patienten und Angehoerige von Verstorbenen kommen zu Wort. Fuer neuerlichen Zuendstoff sorgt der Plan der Regierung, die verantwortlichen Streikfuehrer ins Gefaengnis zu bringen, wenn nicht innerhalb der naechsten zwei  Wochen der Streik beigelegt wird. Auch die Medizinstudenten beschwerden sich, dass ihre Ausbildung leide.

Nora, die den Tearoom in Schwung haelt, in dem wir mittags unser Tomatenbrot essen, ist eine eifrige Zeitungsleserin. Die Aerzte werden garnicht zur Arbeit zurueck kehren, sagt sie. Die Privatkliniken, in denen sie nebenher arbeiten, boeten ja genug an Auskommen.

(Danke an Kollegin Claudia fuer das Foto!)

…mehr über das Projekt unter:

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi

 


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Jumanne – Dienstag

Gleich am Morgen um 8 Uhr wartet der erste Patient vor der Tuer meines Sprechzimmers: einer der kenianischen Mitarbeiter mit gerissener Strecksehne am Zeigefinger seit 2 Wochen. Die Schiene hat er zuhause gelassen. Er erhaelt eine neue Schiene (Bastelprojekt aus einem Holzstaebchen mit Mull) und die dringende Ermahnung, sie nicht mehr abzunehmen fuer die naechsten 4 Wochen. Es geht weiter mit einer Neunjaehrigen nach Fremdkoerperentfernung aus der rechten Hand, gut heilend. Es folgen: eine aeltere Dame mit Knieschmerzen seit Monaten; ein weiterer Strecksehnenabriss, allerdings schon 4 Wochen alt (da nutzt auch die Schiene nichts mehr); ein chronisches Beinulkus, 20 cm breit, einmal rund ums Bein herum; ein chronisches Beinulkus, 5 cm Durchmesser; ein chronisches Beinulkus, 15cm Durchmesser; ein tiefes Beinulkus, das ausgeschnitten werden muss; eine alte Wunde am Bein zum Ausschneiden; eine fast frische Wunde am Knie; ein traumatisches Beinulkus, das gut heilt; eine Verbrennung bei einem Kind ( re. Arm); eine junge Frau, die eben einen Eimer heissen Tee ueber den Oberkoerper bekommen hat (Verbrennungen Grad 2a); ein Kind mit Verletzung im Bereich der Wachstumszone des Ellbogens ( das ueberwiesen wird); ein sehr magerer Mann nach Sturz mit Verdacht auf Tuberkulose und Alkoholabhaengigkeit (den wir zur Beraterin schicken, auch, um zu klaeren, ob man ihn ins Ernaehrungsprogramm aufnehmen kann); ein Mann nach Motorradunfall mit Bruch von  Kniescheibe und Handgelenk; ein junger Mann mit so stark verschobener Ellbogenfraktur, dass wir ihn ueberweisen (am Nachmittag ist er wieder da, die Klinik hat ihn nicht angenommen. Nur: warum haben sie ihn nicht gleich in das naechste Krankenhaus geschickt, in das wir ihn nun bitten zu gehen?); ein Kind mit gebrochenem Arm und eines mit gebrochenem Bein; ein junge Frau nach Plattenverschraubung am Ellbogen ( eine Schraube und ein Teil der Platte haben sich durch die Haut nach aussen gearbeitet und liegen frei ( nichts wie raus damit!!!), aber sie will erst noch sparen, bevor sie zur Materialentfernung gehen kann); ein Mann mit verletztem Ellbogen, der noch zum Roentgen muss; eine ausgekugelte Schulter bei einem kraeftigen jungen Mann, die sich erst nach einer Portion Valium wieder einrenken laesst;  ein Tumor am Ohr; ein Lippendurchbiss nach Sturz; eine Verbrennung am Unterschenkel mit dicken Narbenzuegen; ein vereiterter Finger; ein tiefes, chronisches Beinulkus mit 3x Verbandswechsel pro Woche seit 4 Jahren mit starken Schmerzen ( der 40jaehrige braucht Beratung, wie es weiter gehen kann, waere eine Amputation eine Alternative?); ein traumatisches Beinulkus bei einem Kind; ein eitriges Beinulkus bei einer 30jaehrigen; ein Beinulkus mit Verdacht auf Hautkrebs bei einer 50jaehrigen (der wir schon letztes Jahr zweimal in der Woche versucht haben, den Einstieg in die Krankenversicherung nahe zu bringen – ohne Erfolg bisher); eine Lady mit Bauchweh und gut tastbarer, harter, runder Struktur im Unterbauch ( ab zur Gynkollegin, die eine Schwangerschaft im 7. Monat findet); ein junger Mann mit Hautausschlag; eine junge Frau mit Kopfweh und Beinschmerz; ein Mann mit Guertelrose (der halbe Oberkoerper ist betroffen); ein junger Mann mit schlecht verheiltem Unterarmbruch und grosser Narbenplatte; eine Sechzehnjaehrige nach Hauttransplantation mit zahlreichen Metallklammern im schon laenger geheilten Areal (der Klammerentferner wird sich erst in drei Tagen finden, aber sie kommt ja alle  drei Tage zum Verbandswechsel der noch offenen Stellen); eine 60jaehrige mit Ganzkoerperschmerz; ein junger Mann mit 7cm grossem Tumor mit Stiel, der an der Bauchdecke haengt (und vom Patient ueblicherweise in ein Taschentuch verpackt wird); ein Kind mit akuter Mandelentzuendung; eine Frau mit Bauchweh und Blaehungen (wir versuchen, ihr Kuemmel nahe zu bringen, den sie nicht kennt); und ein weiterer vereiterter Finger.

Zwischdurch vier Scheiben Toastbrot mit Tomate, zwei Bananen und viel Wasser. Unbezahlbar und zusaetzlich kiloweise Gold wert, dass meine diesjaehrige Uebersetzerin eine je gute Portion Humor und Engagement hat, und unerschuetterlich die Patienten freundlich fragt, was sie zu berichten haben. Ueberhaupt lacht Jane Rose ausgesprochen gern. Und wenn jemand waehrend einer Behandlung Schmerzen hat, sagt sie schonmal „let me give you a bit of love“ und haelt Hand. Das freut nicht nur die Patientin.

(Danke an die Kollegin Claudia fuer das Foto!)

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