sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Nairobi…

….wird in den nächsten Tagen wieder mein Ziel sein – jetzt im vierten Jahr, um dort mit German Doctors in unserer Ambulanz mitten im Mathare Valley Slum für 6 Wochen chirurgisch zu arbeiten. Trotz der noch nicht ganz geklärten Turbulenzen und Unruhen um die jetzt zum zweiten Mal durchgeführte Präsidentschafts-Wahl hat das Baraka Health Center geöffnet und das ist gut – so werden die sowieso oft extremen Befunde nicht über Tage und Wochen verschleppt. Wenn das Internet funktioniert, werde ich hier berichten, zudem sind die Berichte der letzten Jahre unter den Stichworten Nairobi, German Doctors, African Ladies etc. zu finden.

…will be my destination again in the next days to join the Baraka Health Center Team and do surgical work there in the middle of Mathare Valley Slum with German Doctors for 6 weeks. It is my fourth year of going  there and this time it doesn’t feel as peaceful as it did in previous  times because of the troubles concerning the now second presidential election in four months. But – our clinic is open and busy, and we are glad about this: so our patients have a chance to get their severe health problems treated at least almost in time. 

http://www.german-doctors.de


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Ni ta kwenda – I will go – Ich werde gehen

Nach dem Malen von Flügeltieren nehme ich nun selbst ein paar Flügel in Anspruch und starte nach Nairobi in den Mathare Valley Slum, um dort, wie im letzten Jahr, für 6 Wochen im Projekt der German Doctors chirurgisch mit zu arbeiten. Die Ambulanz inmitten des Slums hat ein Einzugsgebiet von ca. einer halben Million Menschen, die auf engstem Raum unter erbärmlichen und ungesunden Bedingungen wohnen. Viele von ihnen sind tapfer und fleissig, versuchen, das beste aus ihrer Situation zu machen und eine Arbeit zu finden, die sie irgendwann einmal befähigt, in eine bessere Wohngegend zu ziehen. Manche gehen auch in ihrer Armut unter.

Die ärztliche Tätigkeit dort ist eine so ganz andere, was die Krankheitsbilder angeht: lange verschleppte Verletzungen und Brüche, schwere Infektionserkrankungen und Mangelernährung. Kaum haben wir bei der Arbeit in Deutschland mit tuberkulosebedingten Knochenbrüchen, Krätze oder Hauterkrankungen im Rahmen von AIDS zu tun, dort aber täglich. Fünf ehrenamtliche Ärzte sind, sich 6-wöchig abwechselnd, das ganze Jahr über zur Unterstützung unserer einheimischen Mitarbeiter vor Ort, und letzteren gebührt grosser Respekt – müssen sie sich doch ständig auf neue Ärzte einstellen und arbeiten  tagaus, tagein an einem Ort, der weder schön noch sicher ist, nicht wie wir, die dies mal eben als sinnvolle Ferienbeschäftigung sehen und jederzeit wieder in unser reiches Land zurück kommen können.

Es geht nicht darum, die Gesellschaft zu verändern oder etwas Grosses zu bewirken, aber darum, für ein paar Menschen die Lebensbedingungen ein wenig zu verbessern. Im besten Fall so, wie meine Freundin und Kollegin Simona mir am Anfang unseres Studiums auf ein Merkkärtchen schrieb: „Selten heilen, oft erleichtern, immer trösten“.

Infos über das Projekt unter  www.german-doctors.de

Buchtip: Sabine Waldmann-Brun: Rote Erde – Notizen aus der ärztlichen Arbeit in Afrika. Iatros-Verlag, Sonnenfeld 2015, ISBN978-3-86963-378-7, 16 Euro (mit Zeichnungen)

Foto: Claudio Allia

Having painted so many winged creatures, I will spread out wings now myself and fly to Nairobi, where I will join the german-doctors-team in Mathare Valley Slum again to work there for 6 weeks in surgery. The OPD in the middle of the slum is there for about half a million people who live in this crowded area under extremely unhealthy conditions. Many of them are brave and hardworking to survive and some day leave for a better place, some just drown in their poverty.

Medical work is much different there – untreated trauma, severe infectious diseases and malnutrition. Seldom we see tuberculous fractures, scabies or rashes due to AIDS here in Germany, there it is every day’s work. Five doctors, changing every six weeks, are present all year to support our local staff – and those really are to be admired: having to get used to changing doctors all the time and working constantly at a place that is neither beautiful nor safe. Not like the german doctors, who stay there for a useful vacation and can go back to their home in a rich country  at any time.

We will not change conditions in the whole, but try to make the situation a bit better for some people. If we do it in the right way , it meets the words, written on a card by my friend and colleague Simona at the beginning of our medical studies:                                                                             „To cure – rarely, to relieve – often, to comfort – always“.

Information about german doctors on http://www.german-doctors.de

 


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Vorbereitungen – Getting prepared

Besuch in Elkes buntem Spielwarengeschäft: da ich Anfang nächsten Jahres wieder mit German Doctors zum Arbeiten nach Afrika gehe, wollte ich mal schauen, was ich ein paar Kindern im Slum mitbringen kann. Das ist gar nicht so einfach, finde ich, obwohl der Laden eine herrliche Fülle von Spielgelegenheiten birgt!

Erstmal scheidet eigentlich alles aus, was in Deutsch verfasst ist, Bücher und Spiele. Für ein paar wenige Bücher, die nur Bilder haben, bräuchte man eigentlich jemand, der sie mit einem anschaut. Das ist, bei den gestressten Eltern oder Grosseltern, so es denn überhaupt welche gibt, nicht voraussetzbar. Vielleicht die Geschwister? Ebenso wie bei den tollen Situationskarten ohne Text, die aber so angelegt sind, dass man darüber sprechen kann.

Dann ist zu bedenken, dass in einer Wellblechhütte von 10qm mit spärlicher Beleuchtung, in der bis zu 6 Personen leben, eigentlich kein Platz für Spielzeug ist. Ein Puzzle mit 500 Teilen ist also schonmal nicht passend, obwohl mindestens 6 der 10 Kinder einer Familie Spass daran haben könnten. Aber die drei Kleinen könnten die Teile verschlucken… Aus einem Regal strahlen mich glitzernde Flummies an. Auch brauchbar für eigentlich alle Altersgruppen, aber wo es keinen geraden Boden gibt ausser gestampfter Erde, eigentlich auch keine Freude. Und ein einziger, wird der nicht zum kostbaren und umkämpften Teil? Ein grösserer Ball? In der Hütte sicher nicht, vor der Hütte, wo ca. 1m Platz bis zur nächsten Hütte ist, auch nicht.

Pustefix, wunderbar, ich denke an die Seifenblasen, die wir im letzten Jahr produziert haben, in der Enge der Gassen, zunächst mit 3 Kindern, dann mit 8, irgendwann mit 14, und es wurde immer enger, und schliesslich haben sie darum gestritten, wer pusten darf, und haben die Hälfte der Seifenlauge im Drängeln verschüttet, weil jeder einmal hinein pusten wollte, und dann waren es 20 Kinder, und nicht mehr genug Flüssigkeit, und auch einiges an Enttäuschung, innerhalb von 10 Minuten ist ein Behälter aufgebraucht. Da braucht es schon ein paar Flaschen.

Immer wieder fragt mich auch mal jemand, ob ich nicht einen Teil der  Plüschtierliga aus einem Kinderzimmer nach Afrika umsiedeln könnte.  Einer Familie mit 6 Kindern kann man schlecht ein einziges Plüschtier schenken. Das müsste man sich teilen. Und für 6 Plüschtiere ist die Hütte zu klein. Und was kann man damit anfangen? Nicht wirklich viel.

Klasse sind natürlich immer Stifte und Papier. Beim letzten Mal hatte ich einige dabei. Die Sozialarbeiterin sortierte daraufhin jeden zweiten Stift aus dem 20-Farben-Paket heraus, damit es für zwei Familien reicht, die Hefte werden in zwei Teile geschnitten, damit die doppelte Anzahl dabei heraus kommt. Und dann sorgsam weggepackt, denn all das ist so kostbar, dass man es nicht einfach herumliegen lassen kann als Angebot, damit wann man will zu spielen.

Ich bleibe bei den kleinen Puzzles mit 20-30 Teilen. Drei rosa Prinzessinnen vor einem Schloss passen, finde ich, nicht. Aber da gibt es wunderbare kleine Legespiele, wo man tropische Tiere ihrer Nahrung und ihrem Lebensraum zuordnen soll, ohne Geschriebenes, einfach schöne Bilder zum Kombinieren. Ob die Kinder in Mathare wohl schon einmal eine echte Giraffe oder ein Nashorn gesehen haben?  Wenn das Geld kaum zum Essen reicht, dann schon gar nicht für den Eintritt in einen der Tierparks.

Ich merke, wenn ich zu viel darüber nachdenke, was passen könnte, was nicht zu Konkurrenz oder Streit führt, was nicht den Kontrast zu stark hervorhebt zwischen Nichthaben und Haben, kommt am Ende garnichts dabei heraus. Also werfe ich mein Herz voraus, kaufe 4 kleine Puzzles (zu einem Preis, den man den Eltern nicht verraten dürfte, denn eine Familie könnte eine Woche lang davon zu essen kaufen) und hoffe, dass dieser winzige Bruchteil von Kindern Spass daran hat…

A visit in Elke’s colorful toyshop: since I will  work in Africa again next year, I wanted to check if I can find useful presents for some of the slum-children. Which is not easy, though there is a large variety of beautiful invitations to play and learn in this shop!

First: games and books in german are not really satisfying. Some fortunately are without words, but there should be company to explore them – if there are parents or grannies, they should not be absent at work, worn out and too tired. 

Then I should keep in mind, that there is so little space in a hut of 10 square meters, where up to 6 people live with only a dim light. No puzzle with a lot of pieces will fit, though almost all ages could have fun with it. Small glittering rubber balls smile at me from the shelves, but if the ground is uneven, not really a joy. And if I give only one, will it not be a precious treasure, that has to be hidden, that it will not be stolen? What about a large ball? No space in the hut and not in front of it, where the next hut is only one meter away.

Soap to make bubbles is great! I remember our bubble production of last January, starting out with 3 children in the narrow streets after work, then with 8, and after a short time with 14 children, shoving, fighting, knocking the soap-tin out of each others hands, because everyone wanted to blow and catch the bubbles, and half of the soap was spilled, and finally, after 10 minutes, with then 20 children, there was no more soap, and some were very disappointed.

Sometimes I am asked by a german mother to take some of the plush animals of their children over. There are few children and too many plush animals around here. But – if I give one of these toys to a family with 6 children, it will not be enough. Six children sharing one velveteen rabbit? If I give 6 it is too much: not enough space. And there is not much, that it can be used for…

Extraordinarily useful are color pencils and paper. I brought some last year and the social worker took every second pencil out of the package of 20, so that two families could profit.  Also copy-books are cut in two pieces to serve the double amount of children. And are put away in a special place, since they are precious and not for everyday-use.

I stay with the small puzzles with 20-30 pieces. The three pink princesses in front of their castle might not be the right choice, but there are beautiful ones with jungle animals which have to be taken into their bush- or savanna-homes and be combined with the meals they usually take (who of the children themselves ever gets a steak and so many fruits for a meal? And will they ever be able to pay the entrance and get a chance to see a real giraffe or rhino in the game-reserve?).

I notice: I should not think too much about what will fit, what might lead to disappointment, what makes the contrast between poverty and being rich more painful. Otherwise nothing remains. So I throw my heart ahead and buy some of the small puzzles (and the mothers should never be told for which price – the whole family could have enough to eat for one week from selling it), hoping, the few children out of the many will have fun with it…


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African Ladies – Dolphine

When Dolphine was a little girl, living with her parents on the countryside, she would not have dreamed of how many children would there be in her own home thirty years later. When she was getting older, everything seemed to go the usual way – a young man asked her to marry him, they had children. And then, one day her husband presented her a new young lady he preferred to live with from now on.  

Dophine suddenly was a single parent of eight children. It was a hard struggle, even with ukimwi, the disease, becoming a major issue. One of her sisters died of HIV and left her children, Dolphine took them into her home in Mathare. Another one of her sisters died and also her children joined Dolphine’s growing family.

How did she cope? Make a living? She started work at the German Doctors‘ feeding program, took courses and became a community health worker. She rented another small hut, now there was one for the girls and her  and one for the boys. A sick child was left at the feeding program, the mother went away. What to do with the little one? Dolphine took the child to stay with her. It is important to belong somewhere. And Dolphine is member of a women’s group: to discuss ladies‘ issues, to help each other, to overcome the stigma of being poor and alone. To become able to say: I am proud of what I can do.

Now she is 52 years old. What is her dream, where does she want to be in 10 years? To have a house on the countryside, she explains, to be able to do a bit of farming with her own hands, having her own soil to plant. But, on the other side – having all her children in good schools here in Nairobi is the advantage of staying. Though Mathare is so crowded, that there is hardly space for a flowerpot. Getting a good education is much more difficult on the countryside.

On the family picture there are still some of Dolphine’s children missing who were busy at other places when I came for the visit: Stephen, Edwin, Juliet, Esther, Mary and Seline may be present here at least with their names……

Als Dolphine noch ein kleines Mädchen war und mit ihren Eltern auf dem Land lebte, hätte sie sich sicher nicht träumen lassen wie viele Kinder sie einmal in ihrer Familie haben würde. Als sie grösser wurde, schienen die Dinge in gewohnten Bahnen zu laufen: ein junger Mann bat sie, seine Frau zu werden, sie bekamen Kinder. Und dann, eines Tages, beschloss der Ehemann, mit einer jüngeren Frau zusammen zu leben, und Dolphine war mit einem Mal alleinerziehende Mutter von 8 Kindern. Harte Zeiten folgten, nicht zuletzt, weil Ukimwi, Aids, zunehmend ein Thema wurde. Eine von Dolphines Schwestern starb und hinterließ ihre Kinder. Dolphine nahm sie zu sich. Eine weitere Schwester starb, auch ihre Kinder nahm sie auf.

Wie kam Dolphine zurecht? Wie finanzierte sie ihre wachsende Familie? Sie begann mit der Arbeit in der Armenküche der German Doctors, belegte Kurse, qualifizierte sich zur Gemeinde-Gesundheitshelferin. Sie mietete eine weitere Hütte in Mathare,  nun gibt es eine für die Mädchen und sie und eine für die Jungs. Ein Kind wurde in der Armenküche zurückgelassen. Die Mutter war nicht mehr auffindbar. Dolphine nahm die Kleine zu sich. Es wichtig, irgendwo dazu zu gehören….

Nun ist sie 52 Jahre alt. Was wünscht sie sich für die Zukunft? Ein Haus auf dem Land zu haben, sagt Dolphine, mit ihren eigenen Händen etwas anbauen zu können. Allerdings, räumt sie ein, ist es für die Kinder hier in Nairobi viel einfacher, eine gute Ausbildung erhalten zu können. Auch, wenn in Mathare nicht mal Platz genug für einen Blumentopf ist. Aber später vielleicht…

Ein wichtiger Ort ist auch die Frauengruppe, zu der Dolphine gehört. Dort werden Frauenanliegen besprochen, man hilft einander, macht einander Mut, trotz Armut und harten Bedingungen sagen zu können: ich bin stolz auf das, was ich tun kann.

Als ich zu Besuch kam, fehlten immer noch ein paar der Kinder zu einem vollständigen Familienfoto. Auch wenn Stephen, Edwin, Juliet, Esther, Mary und Seline hier nicht zu sehen sind, seien sie zumindest beim Namen genannt….


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Geburt unter Armutsbedingungen

Die Geburt – Hochrisiko (den hygienischen Bedingungen in einem Kuhstall geschuldet). Kein Gynäkologe weit und breit, der den Impfstatus oder die aktuellen Ultraschallergebnisse abfragen könnte. Eine Hebamme? Pustekuchen. Heisses Wasser und saubere Tücher? Wohl eher nur letzteres. Immerhin. Die Mutter: auf der Flucht. Der Vater ebenfalls. Und Schreiner von Beruf. Wusste der wohl, wie man eine Nabelschnur abbindet? Kein Bettchen von babylove oder yakoo. Lediglich ein Futtertrog für das Vieh. Und dann die ersten Besucher: wilde Kerle, vermutlich unrasiert, mit Schafaroma. Und dann die drei wohlhabenden Ausländer, einer schwarz, alle von sehr weit her. Sprachbarrieren: garantiert vorhanden. Das erste Weihnachten. Gott kommt als Kind auf die Erde. Die Umstände überzeugen mich. Er weiss, wie sich Armut und Flucht anfühlen.                                                     Ihr Lieben alle, ich wünsche Euch von Herzen Weihnachten

Giving birth under high risk circumstances – thinking about hygiene conditions in a stable. No gynecologist present to check the vaccination status or the last ultrasound results. A midwife? Nowhere. Hot water and clean sheets? Probably only the last. At least. Mother is a fugitive. Father also. And he is a carpenter. Would he have known how to cut the umbilical chord? No cradle. Just a feed box for cows. And then, the first visitors: wild guys, not shaved, with the odor of their sheep. And then those three guys from far away, rich, one of them black. Understanding of the spoken word not guaranteed. The first christmas. God comes to his world as a child. These circumstances have my high respect. God knows what poverty and insecurity feel like.                   Dear friends around the world, I wish you christmas in your heart!