sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Jumatano – Mittwoch

James, ein gut trainierter, 26 Jahre junger Mann, stellt sich mit einem  steifen Nacken vor. Die Muskeln im Halsbereich sind stark angespannt. Ich denke an meine Patienten in Deutschland, die nach Kehrwoche und Schneeschippen aehnliche Beschwerden haben – aber so stark ausgepraegt? Er sei gestuerzt, berichtet James, vor 8 Tagen. Ich taste die Halswirbelsaeule ab, er gibt Schmerzen im Bereich des 2. Halswirbels an. Nachdem ich ihm unsere einzige Halsstabilisierungsmanschette angelgt habe und hoffe, dass er sie nicht unterwegs verkauft, schicke ich ihn zum naechstgelegenen Roentgeninstitut.

Acht Patienten spaeter ist er wieder da: die Knochen sind in Ordnung. Die Halskrause kann also wieder in den Schrank und dort auf den naechsten Patienten mit passender Verdachtsdiagnose warten. Ich berate mich mit dem Kollegen im Nebenzimmer. Koennte es eine Knochentuberkulose sein? Oder gar Tetanus? Wir beschliessen, ihn noch zum Labor zu schicken. Eine der einheimischen Schwestern sieht in auf dem Weg dorthin und erinnert sich an einen anderen Patienten. Ob wir schon an Tetanus gedacht haetten?

Das Labor ist voellig unauffaellig. Ich lese die Symptome von Wundstarrkrampf noch einmal detailliert nach, ja, es passt tatsaechlich, obwohl James noch nicht das Vollbild praesentiert. Im vorgebeugten Sitzen nimmt man die Verspannung noch kaum wahr, da sie bisher nur den Hals- und Nackenbereich betrifft, aber er kann schon nicht mehr den Mund oeffnen, weil auch die Kaumuskulatur betroffen ist. Wir beschliessen, ihn als Notfall ins Krankenhaus zu schicken. Aber in welches? Das bestausgeruestete und dennoch bezahlbare, das Kenyatta Hospital, wird immer noch bestreikt.

Headnurse Lilian hilft beim Organisieren. St. Mary’s, ein Missionshospital, ist bereits ueberbelegt und nimmt keine Patienten mehr. Inzwischen ist auch die Familie von James eingetroffen. Der Junge sei zwar in einer Klinik geboren, berichtet die Mutter, aber er habe dort nur die eine, erste Impfung erhalten (was nicht ausreicht). James berichtet, dass er sich beim Sturz vor 8 Tagen auch am Finger verletzt habe, die ehemals offenen Wunde ist inzwischen aeusserlich verheilt. Vor 5 Tagen habe er dann eine Auffrischungsimpfung erhalten (nicht ausreichend und zu spaet).

Damit ist die Diagnose Tetanus sehr wahrscheinlich. Wir sagen den Geschwistern von James – drei sind inzwischen anwesend – dass sie unbedingt ihre Impfungen auffrischen lassen sollen. Lilian schlaegt jetzt  das St. Francis Hospital vor. Doch das will die Familie nicht, als Klinik mit privatem Traeger  ist es ihnen zu teuer. Vielleicht ginge noch das Kikuju Hospital? Das waere tatsaechlich eine Option, aber wie soll der Patient dorthin gelangen? Auf dem Motorradtaxi? Das Ambulanzfahrzeug ist unterwegs mit einer anderen Patientin und wird vor 2 Stunden nicht zurueck sein. Bleibt noch das Klinikfahrzeug, mit dem wir ueblicherweise nachhause fahren. James wird in dieses eingeladen und macht sich auf den Weg. Ja, so sieht Tetanus aus, sagt Lilian, sie habe noch keine gesehen, der es ueberlebt haette.

Der Aerztestreik geht mittlerweile in die sechste Woche. Die Daily Nation berichtet am Freitag auf sieben Seiten von den aktuellen Entwicklungen: die Regierung hatte eine Lohnerhoehung von 40% angeboten, diese wurde abgelehnt. Unter 100%  werde man nicht zur Arbeit zurueck kehren, berichten die streikenden Kollegen.  Patienten und Angehoerige von Verstorbenen kommen zu Wort. Fuer neuerlichen Zuendstoff sorgt der Plan der Regierung, die verantwortlichen Streikfuehrer ins Gefaengnis zu bringen, wenn nicht innerhalb der naechsten zwei  Wochen der Streik beigelegt wird. Auch die Medizinstudenten beschwerden sich, dass ihre Ausbildung leide.

Nora, die den Tearoom in Schwung haelt, in dem wir mittags unser Tomatenbrot essen, ist eine eifrige Zeitungsleserin. Die Aerzte werden garnicht zur Arbeit zurueck kehren, sagt sie. Die Privatkliniken, in denen sie nebenher arbeiten, boeten ja genug an Auskommen.

(Danke an Kollegin Claudia fuer das Foto!)

…mehr über das Projekt unter:

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi

 


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Jumanne – Dienstag

Gleich am Morgen um 8 Uhr wartet der erste Patient vor der Tuer meines Sprechzimmers: einer der kenianischen Mitarbeiter mit gerissener Strecksehne am Zeigefinger seit 2 Wochen. Die Schiene hat er zuhause gelassen. Er erhaelt eine neue Schiene (Bastelprojekt aus einem Holzstaebchen mit Mull) und die dringende Ermahnung, sie nicht mehr abzunehmen fuer die naechsten 4 Wochen. Es geht weiter mit einer Neunjaehrigen nach Fremdkoerperentfernung aus der rechten Hand, gut heilend. Es folgen: eine aeltere Dame mit Knieschmerzen seit Monaten; ein weiterer Strecksehnenabriss, allerdings schon 4 Wochen alt (da nutzt auch die Schiene nichts mehr); ein chronisches Beinulkus, 20 cm breit, einmal rund ums Bein herum; ein chronisches Beinulkus, 5 cm Durchmesser; ein chronisches Beinulkus, 15cm Durchmesser; ein tiefes Beinulkus, das ausgeschnitten werden muss; eine alte Wunde am Bein zum Ausschneiden; eine fast frische Wunde am Knie; ein traumatisches Beinulkus, das gut heilt; eine Verbrennung bei einem Kind ( re. Arm); eine junge Frau, die eben einen Eimer heissen Tee ueber den Oberkoerper bekommen hat (Verbrennungen Grad 2a); ein Kind mit Verletzung im Bereich der Wachstumszone des Ellbogens ( das ueberwiesen wird); ein sehr magerer Mann nach Sturz mit Verdacht auf Tuberkulose und Alkoholabhaengigkeit (den wir zur Beraterin schicken, auch, um zu klaeren, ob man ihn ins Ernaehrungsprogramm aufnehmen kann); ein Mann nach Motorradunfall mit Bruch von  Kniescheibe und Handgelenk; ein junger Mann mit so stark verschobener Ellbogenfraktur, dass wir ihn ueberweisen (am Nachmittag ist er wieder da, die Klinik hat ihn nicht angenommen. Nur: warum haben sie ihn nicht gleich in das naechste Krankenhaus geschickt, in das wir ihn nun bitten zu gehen?); ein Kind mit gebrochenem Arm und eines mit gebrochenem Bein; ein junge Frau nach Plattenverschraubung am Ellbogen ( eine Schraube und ein Teil der Platte haben sich durch die Haut nach aussen gearbeitet und liegen frei ( nichts wie raus damit!!!), aber sie will erst noch sparen, bevor sie zur Materialentfernung gehen kann); ein Mann mit verletztem Ellbogen, der noch zum Roentgen muss; eine ausgekugelte Schulter bei einem kraeftigen jungen Mann, die sich erst nach einer Portion Valium wieder einrenken laesst;  ein Tumor am Ohr; ein Lippendurchbiss nach Sturz; eine Verbrennung am Unterschenkel mit dicken Narbenzuegen; ein vereiterter Finger; ein tiefes, chronisches Beinulkus mit 3x Verbandswechsel pro Woche seit 4 Jahren mit starken Schmerzen ( der 40jaehrige braucht Beratung, wie es weiter gehen kann, waere eine Amputation eine Alternative?); ein traumatisches Beinulkus bei einem Kind; ein eitriges Beinulkus bei einer 30jaehrigen; ein Beinulkus mit Verdacht auf Hautkrebs bei einer 50jaehrigen (der wir schon letztes Jahr zweimal in der Woche versucht haben, den Einstieg in die Krankenversicherung nahe zu bringen – ohne Erfolg bisher); eine Lady mit Bauchweh und gut tastbarer, harter, runder Struktur im Unterbauch ( ab zur Gynkollegin, die eine Schwangerschaft im 7. Monat findet); ein junger Mann mit Hautausschlag; eine junge Frau mit Kopfweh und Beinschmerz; ein Mann mit Guertelrose (der halbe Oberkoerper ist betroffen); ein junger Mann mit schlecht verheiltem Unterarmbruch und grosser Narbenplatte; eine Sechzehnjaehrige nach Hauttransplantation mit zahlreichen Metallklammern im schon laenger geheilten Areal (der Klammerentferner wird sich erst in drei Tagen finden, aber sie kommt ja alle  drei Tage zum Verbandswechsel der noch offenen Stellen); eine 60jaehrige mit Ganzkoerperschmerz; ein junger Mann mit 7cm grossem Tumor mit Stiel, der an der Bauchdecke haengt (und vom Patient ueblicherweise in ein Taschentuch verpackt wird); ein Kind mit akuter Mandelentzuendung; eine Frau mit Bauchweh und Blaehungen (wir versuchen, ihr Kuemmel nahe zu bringen, den sie nicht kennt); und ein weiterer vereiterter Finger.

Zwischdurch vier Scheiben Toastbrot mit Tomate, zwei Bananen und viel Wasser. Unbezahlbar und zusaetzlich kiloweise Gold wert, dass meine diesjaehrige Uebersetzerin eine je gute Portion Humor und Engagement hat, und unerschuetterlich die Patienten freundlich fragt, was sie zu berichten haben. Ueberhaupt lacht Jane Rose ausgesprochen gern. Und wenn jemand waehrend einer Behandlung Schmerzen hat, sagt sie schonmal „let me give you a bit of love“ und haelt Hand. Das freut nicht nur die Patientin.

(Danke an die Kollegin Claudia fuer das Foto!)

…mehr über das Projekt unter

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi


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Frohe Weihnachten – Merry Christmas

In wenigen Tagen, an Weihnachten, werde ich mich wieder auf den Weg machen, um für 6 Wochen mit der Hilfsorganisation German Doctors in Mathare Valley, dem zweitgrössten Slum Nairobis, in unserer dortigen Ambulanz chirurgisch zu arbeiten. Da ich auch in den letzten beiden Jahren dort war, ist es inzwischen ein schon ein wenig vertrauter Ort. Ich bin froh, dass Weihnachten nicht abhängig ist von der Menge der selbst gebackenen Plätzchen oder einem geschmückten Baum, sondern vielmehr das Fest, an dem Gott selbst sich auf den Weg in unsere krisengeschüttelte Menschenwelt gemacht hat. Er war sich nicht zu schade, in einem ärmlichen Stall geboren zu werden, fernab jeder Hightechmedizin, ja nicht mal eine Hebamme war zugegen, geschweige denn von Schmerzmitteln oder Ultraschallgeräten. Stattdessen das eine oder andere Schaf neben dem harten Lager auf dem Boden (kein Bett!) und ein gänzlich unerfahrener Ehemann… na, man kann das gedanklich noch ein wenig weiter spinnen und merkt: ein Slum mit einem Einzugsgebiet mit 400.000 Menschen in katastrophalen Lebensbedingungen ist genau der richtige Ort, um Weihnachten (und die Zeit drumherum) zu verbringen…

Bei Interesse an dieser Arbeit findet sich allerlei Infomaterial unter                     https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi

oder meine Einsatzberichte aus den letzten Jahren unter den entsprechenden Stichworten hier im blog. Wenn die Internetlage angemessen ist, werde ich auch wieder von vor Ort berichten.

Bis dahin: frohe Weihnachten Euch allen!

In a few days, on Christmas, I will be on my way to Mathare Valley in Kenia again to work as a surgeon with the NGO German Doctors for 6 weeks. It is my third time in that place so it is already a bit familiar. I am glad that Christmas does not depend on sugarcanes, beautiful ornaments in a tree and familymeetings, but that the reason for the season is God almighty, who was born as a child in a barn, far away from any medical support, not even equipped with pain killers or a midwife. And imagine the sheep around the place on the floor (no bed!) and Joseph with no experience…However, you will admit, that a place like Mathare is exactly the right place for a doctor to spend the Christmas season in.

If you are interested in the work of German Doctors you will find further information on https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi 

and my own news from the last two years on this blog.

Until then, to all of you around the world: have a blessed Christmas season!

(und Danke an die Kollegin von German Doctors für das aussagekräftige Foto!)

 


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Tulia! – Entspann dich!

„Kommst du mal? Da hat’s einen Stromunfall!“ Schon wieder der Kinderarzt, diesmal aber in Eile. Warum fragt der Kollege da die Chirurgin? Wir gehen flott in den Emergency Room hinueber. Eine Vierjaehrige liegt still auf der grossen Liege, sie hat in ein Stromkabel gegriffen und eine tiefe Stromeintrittsmarke an der Hand: vom Ringfinger ist das Grundglied zur Haelfte weggebrannt, der entsprechende Anteil der Beugesehne ist verschwunden, das Kind ist auffallend ruhig. Mit unseren Moeglichkeiten laesst sich die Sehne nicht zusammenflicken, auch ein EKG zur Ueberwachung haben wir nicht. Wir ueberweisen das Maedel ins Krankenhaus und hoffen, dass sich dort jemand die Muehe machen wird, das winzige Fingerchen wieder zu reparieren, damit, wenn er eines Tage ein grosser Finger geworden, noch normal zu gebrauchen ist. Die Mutter soll das Kind auf den Arm nehmen und sich sofort, aber wirklich sofort melden, wenn es, was wir nicht hoffen, nicht mehr atmen sollte. Zum Glueck ist die Mutter wach, interessiert, besorgt, will erklaert haben, was, warum, die Risiken, und wie es weitergehen muss.

Das Maedel wird allmaehlich doch ein bisschen munterer, und schon steht der naechste Patient auf der Matte: ein junger Mann, blutueberstroemt, mit Kopfplatzwunde und Riss im Nasenfluegel. Jemand habe ihm mit einem Metallriehmen eins uebergezogen, sagt er. Raubueberfaelle gibt es immer wieder. So dramatisch, wie es aussieht, ist es aber garnicht – die Kopfhaut ist halt gut durchblutet. Und wenn ein kleines Gefaess getroffen ist, so wie hier,… Kaum zugenaeht und sauber geputzt, ist alles wieder gut.

Der Naechste, der allerdings voellig verschreckt  von der Grossmutter in den Dressingroom geschoben wird, ist ein Achtjaehriger mit 6cm breitem Abszess am Hals. Sicherheitshalber schaue ich im Ultraschall, wie tief der Eiter liegt – es sollte schnell und problemlos zu versorgen sein. Aber wir muessen ein wenig warten. Fuer eine Kurznarkose ist es zu spaet am Tag, ausserdem hat der Bub eine Portion Porridge verdrueckt. Da er bereits beim Desinfizieren der Schwellung wie wild schreit und um sich schlaegt, erhaelt er erstmal etwas gegen Schmerzen und ein Beruhigungsmittel. Eine halbe Stunde spaeter schlaeft er friedlich auf einer der Liegen, ist aber sofort wieder hellwach, als es losgehen soll. Einen Abszess zu oeffnen ist wirkliche keine grosse Sache, der winzige Schnitt ist in Windeseile gesetzt, und manche Kinder sind sehr tapfer, aber dieses schreit trotz dreier haltender und gut zuredender Helfer wie am Spiess, auch als laengst alles verbunden ist.  Erst als die Grossmutter eine Fanta verspricht (durchaus eine Investition fuer unsere unmittelbaren Nachbarn im Slum, und wie ich am naechsten Tag hoere, wurde dann doch nichts daraus), wird es kurzzeitig still im Verbandsraum, aber sogleich hebt von draussen aus dem Emergencyroom ein wildes Geheul an – dort soll ein Dreijaehriger eine Infusion erhalten und ist in keiner Weise mit dem zu diesem Zweck noetigen Pieks im Arm einverstanden. „Uchunguuuuuuuuuuu!!!!!“(Schmerz) toent es in immer hoeheren Tonfolgen von draussen herein (und man fragt sich, noch nicht wissend, dass es nur die Infusionsnadel ist, was doert geschieht), waehrend drinnen schon der naechste Patient aus seinem Verband geschaelt wird : und hier ist Grund zu reiner Freude: ein voellig vereiterter und dick geschwollener Fuss hat nach Eroeffnung der Eiterhoehle und Spuelung vor drei Tagen wieder die schlanke Ausgangsform erreicht und heilt bestens. Auch der Patient ist sehr zufrieden. Chirurgie ist schon eine feine Sache. Alle freuen sich, wenn etwas sichtbar besser wird und nicht mehr schmerzt. Die Chirurgin schafft dabei nur die Rahmenbedingungn, in gewisser Weise heilt ja alles von selbst, wenn die Voraussetzungen stimmen…:)

Es wird alles besser, schreibt die Daily Nation in diesen Tagen. Die Anzahl der Terroranschlaege durch die radikal islamische Al Schabaab gehe zurueck. Im vergangenen Jahr wurden nur 46 Anschlaege in Kenia gezaehlt, nur halb so viele wie im Jahr zuvor. Auch die Touristen kaemen langsam zurueck. Den Beweis bietet ein Foto, auf dem weisse Touristen mit weissen Sonnenhuetchen von einem weissen Kreuzfahrtschiff klettern, um eine kenianische Hafenstadt zu entern. Die Kollegen sind am Wochenende ebenfalls auf Safari und werden vermutlich mit fotografierten Nashoernern und Elefanten zurueckkehren. Meine Uebersetzerin fragt mich hingegen, wo das denn sei, wohin sie fahren wollen. Sie wisse nur, dass man, um in die Safariparks hinein zu kommen, viel bezahlen muesse…

 


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CapaCare

Als die norwegische Nichtregierungsorganisation Friends of Masanga nach dem Bürgerkrieg in Sierra Leone beim Wiederaufbau des Masanga-Hospitals half, zeigte sich schnell, dass es einen gravierenden Mangel an chirurgisch ausgebildeten Ärzten im Land gab. 2008 waren es gerade einmal 10 Chirurgen in ganz Sierra Leone gegenüber einer Bevölkerung von ca. 5,7 Millionen Menschen. Es  hätte viel zu lange gedauert, auf ausgebildete Ärzte zu warten oder dem Mangel aus anderen Ländern beizukommen, deshalb wurde beschlossen, das vorhandene Gesundheitspersonal  besser auszubilden. Friends of Masanga wechselte den Namen in CapaCare – Ziel ist nun, im Rahmen eines capacity-building für eine chirurgische Ausbildung zu sorgen, so dass lebensrettende Basisoperationen sicher beherrscht werden: Kaiserschnitte, eingeklemmte Leistenbrüche, Magen- und Darmperforationen und dergleichen. Ziel ist zunächst, bis 2017 30 gut ausgebildete Fachkräfte mehr im Land zu haben. Die Ausbildung folgt den WHO-Leitlinien und schließt nach 2 Jahren mit einem Examen ab. Nachdem 2011 mit 2 Studenten gestartet wurde, waren es 2013 bereits 19. Die in Masanga unterrichtenden Fachärzte kamen bislang aus Nord- und Mitteleuropa und leisten ihren Dienst als Volunteers.

Bleibt zu hoffen, dass dieses durch und durch sinnvolle und nachhaltige Projekt aufgrund der Ebolaepidemie nicht zum Erliegen kommt (September 2014: Capacare hat in ganz Sierra Leone die Ausbildungsarbeit eingestellt).

Weitere Informationen auf  www.capacare.org