sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Felistes

Schon seit 2 Monaten fragt sich Felistes, 26 Jahre alt, woher die schmerzhafte Schwellung ueber ihrem Brustbein kommt. Sie fuehlt sich auch insgesamt nicht wohl, hat abgenommen, keinen Appetit mehr und ist oft muede.

Im Ultraschall ist eine tief liegende abszess-aehnliche Struktur zu sehen, die von der Chirurgin zunaechst punktiert wird. Hier muss man neben einer Knochenentzuendung immer auch an Tuberkulose denken, und die Ebene, in der die Struktur liegt, ist untypisch fuer die sonst leicht zu eroeffnenden oberflaechlichen Hautabszesse. Da wir ueber eine Niederlassung von Aerzte ohne Grenzen im Slum Zugang zu „Gene Expert“ haben, einer Untersuchungsmethode, durch die das genetische Material von Tuberkulosebakterien (per PCR) nachgewiesen werden kann, wird der gewonnene Eiter dort untersucht. Das Roentgenbild der Lunge war voellig unauffaellig, auch die darauf sichtbaren Knochenstrukturen, die Laborwerte eher unspezifisch aber mit deutlichen Anzeichen fuer eine Entzuendung.

Vier Tage spaeter ist das Ergebnis da: eine multiresistente Tuberkulose – aber Brenda von unserer Tb-Klinik bittet noch waehrend der Eroeffnung dieser Nachricht um eine Wiederholung  des Tests. Bevor man mit den Reservemedikamenten behandelt, muss wirklich sicher sein, dass das Ergebnis kein Irrtum ist. Felistes moechte genau wissen, was es damit auf sich hat, ob es schlimm ist, ob es ansteckt, ob sie wieder gesund werden kann, und und und,  und wir nehmen uns Zeit fuer alle Fragen. Und dann wird noch einmal punktiert.

Noch einmal vier Tage spaeter ist Felistes wieder da. „Dr. Sabine, your friend is there!“ wird sie mir angekuendigt. Wenn man schon so oft und viel ueber so wichtige Dinge miteinander gesprochen hat, entsteht eine gewisse Naehe. Das Ergebnis ist nun zum Glueck doch keine multiresistente, aber eine (seltene!) Knochentuberkulose des Brustbeins.  Und damit kann fuer Felistes das neue Jahr schon ein bisschen heller beginnen: die Krankheit hat einen Namen und kann gut behandelt werden.

 

weitere Informationen zum Projekt unter http://www.german-doctors.de

(Danke an Sandra fuer das Foto!)

 

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Joy to the world

Julie mag nach einem Sturz nicht mehr auf dem linken Bein auftreten. Ihre Mama besteigt gleich am naechsten Morgen frueh um 5 Uhr mit der Zweijaehrigen im Arm ein Motorradtaxi, um von Dandora nach Mathare ins Baraka Health Center zu fahren. Sie hat gehoert, dort soll die Behandlung gut sein. Zwar gehoert sie somit nicht zu unserer Zielgruppe, aber es wird niemand bei der Erstvorstellung einfach wieder weggeschickt. Vielmehr wird versucht, an die heimatnahen Institutionen zur Weiterbehandlung zu verweisen.

Vor Ort in Baraka, nach einer Runde geduldigen Wartens, werden sie von der Chirurgin zu dem naechstgelegenen Roentgeninstitut nach Kariobangi geschickt, auch dorthin muss man ein Motorradtaxi anheuern. Und dann auch dort noch ein Weilchen warten.

Am Nachmittag treffen die beiden wieder mit dem Motorradtaxi in Baraka ein und nach einer erneuten Wartezeit sieht die Chirurgin im Roentgenbild einen gut stehenden Bruch des Oberschenkelknochens.

Nun muesste man eigentlich (zumindest in diesem Kontext) Julie an beiden Fuessen in eine Extension haengen, so dass der Popo etwas in der Luft schwebt und das Koerpergewicht das Bein in einer guten Position haelt, dann wuerde der Knochen unkompliziert in wenigen Wochen geheilt sein. Aber das hiesse: Mama und Julie hingen wochenlang in der Klinik fest und muessten auch noch wochenlang dafuer zahlen. Was sie nicht koennen. Die preiswertere Alternative: ein Becken-Bein-Gips.

Eine Dreiviertelstunde, zahlreiche Gipsbinden, 4 Helfer, noch mehr Gebruell von Seiten Julies und eine Banane zum Trost spaeter sitzt das diffizile Kunstwerk mit Oeffnung fuer taegliche Beduerfnisse sowie  Quersteg zur besseren Stabilitaet. Alle Beteiligten wischen sich den Schweiss von der Stirn und die Gipsspuren aus Haaren und Haenden.

Nun kann man ein auf diese Weise eingegipstes Kind aber nicht einfach mit der Mutter wieder aufs Motorradtaxi zur Fahrt nachhause setzen. Nach einigem Hin und Her und miteinander Abwaegen wird beschlossen, dass die beiden vom Ambulanzfahrzeug nachhause gefahren werden, denn auch im vollgestopften Matatu ist ein liegender Transport ohne Gipsschaden zur abendlichen Hauptverkehrszeit nicht vorstellbar. Zudem muss noch eine andere sehr kranke Patientin in die gleiche Richtung gebracht werden.

Inzwischen ist es nach 17 Uhr, die Chirurgin hat inzwischen auch keine Lust mehr, am  achtspurigen Thika-Superhighway entlang nachhause zu laufen und faehrt mit, um auf dem Rueckweg dann bei der Doktors-WG auszusteigen. Dandora liegt allerdings in genau entgegengesetzter Richtung, so dass der Abend in dieser Hinsicht noch eine Horizonterweiterung bereithaelt. Wer bislang noch nicht wusste, was mit unserem ordentlich von einer Muellabfuhr woechentlich abgeholten Muell geschieht, sieht hier, wohin er reist: in Dandora liegt eine der groessten Muellkippen Kenias, seit ueber zehn Jahren ueberfuellt und dennoch weiter genutzt. In den Himmel wachsende Gebirge von Abfaellen tuermen sich hier am Horizont und schwelen vor sich hin. Eine Verbrennungsanlage gibt es nicht.  Dafuer aber viele Menschen, die in den Abfaellen noch das Verwertbare, ja, sogar Essbares suchen. Da scheint der von der Regierung stolz verkuendete Plastic-Ban als Schritt in eine umweltfreundliche Zukunft nur ein winziger Nebenschauplatz zu sein – offensichtlich warten auf den neuen alten Praesidenten noch weit groessere Herausforderungen.

Und endlich sind wir da und Julie’s Vater steht schon am Strassenrand im abendlichen Gewimmel, und das Strahlen von Julie, als sie den Papa entdeckt, laesst alle Muehen mit Gipserei und stundenlangem Hin- und Herfahren und der endlosen Warterei verblassen.

Inzwischen freut sich auch die Chirurgin  auf zuhause, aber was will man sagen angesichts des so muehsamen Lebens in dieser Stadt, das sich aller Orten optisch, olfaktorisch und auch sonstwie praesentiert, und doch haben alle Beteiligten immer nur gute Miene gemacht, kein Wort der Kritik oder der Ungeduld fallen lassen, nur Freundlichkeit und Schweigen am Rande, und so schweigt auch die Chirurgin auf dem Rueckweg, der wieder vorbei fuehrt an dem auch hier wuchernden Slum Korogocho, den unflaetigen Muellbergen, die den Menschen den Atem nehmen und durch das Gedraenge, den Laerm und die Dieselwolken, waehrend das Autoradio eine verjazzte Variante von ‚Joy to the world‘ spielt, eine der wenigen Spuren der Tatsache, dass in einigen Tagen Weihnachten ist. Inzwischen fragen sich auch die Kolleginnen, wo die Vierte abgeblieben ist und rufen an, aber es gibt wirklich keinen Grund zur Klage. Schon garnicht im Vergleich zu dem Tag, den Julie und ihre Mama heute hinter sich gebracht haben.

Mehr zum Projekt unter www. german-doctors.de


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!Jubilaeum!

In diesem Jahr runden sich 20 Jahre, in denen German Doctors (zu Gruenderzeiten noch „Aerzte fuer die Dritte Welt“ genannt) den einheimischen Mitarbeitern im Baraka Health Center zur Seite stehen. Denn nach wie vor scheint es fast ein Ding der Unmoeglichkeit zu sein,  einheimische Aerzte zur Verstaerkung des Teams zu finden, die willens sind, vollzeitig mitten im Slum zu arbeiten.

So sind sie immer noch da, die (aktuell fuenf)  Wazungu, die den aerztlichen Blick auf die Arbeit beitragen und natuerlich das vielfaeltig geknuepfte Netz aus der Zentrale in Bonn.

Bereits Tage und Wochen vorher liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren – der Staffchoir probte nach Dienstende im Wartebereich der Patienten, die Julileeblusen wurden verteilt, Anweisungen gegeben, geplant, gebacken, gerechnet, dekoriert, etc. etc.etc. und: daraus entfaltete sich ein rundes, buntes, bestens aus einheimischer Hand organisiertes Fest mit nahezu 1000 (!) geladenen Gaesten: eine kleine  Handvoll Weisse, der gesamte einheimische Staff, die kenianischen Kirchenverteter des katholischen Traegers, eine groessere Gruppe von Patienten und Mitarbeitern des Sozialdienstes im Slum, eine Gruppe von Musikern, dem Trommel-Ensemble von Mathare Youth, Theater, Wortbeitraege und immer wieder Tanzeinlagen fuer alle.

Zwar wurde im Vorfeld hier und da angezweifelt, ob die Weissen den richtigen Hueftschwung mitbringen wuerden (die Bedenken erwiesen sich als unbegruendet), aber schliesslich waren alle rundherum begeistert, nicht zuletzt auch von dem koestlichen Mittagessen und dem gruenweissen Riesenkuchen im German Doctor’s Look, die problemlos fuer alle gereicht haben.

Wer sich nun fragt, ob es nach 20 Jahren nicht endlich an der Zeit ist, das Projekt auf eigenen Beinen stehen zu lassen, sollte wissen, dass die Arbeit vor Ort genauso vom Hoeren und Warten gepraegt ist wie vom immer gemeinsamen Gesprach ueber den Stand der Dinge und der Balance zwischen Halten und Lassen. Vieles geschieht parallel, vieles ist in Entwicklung, viele Fuesse finden Raum zum selbstaendigen Stehen und vieles hat sich geformt und entfaltet.

So ist die Dynamik beim genauen Hinsehen deutlicher erkennbar als ein passives Gehaltenwerden – und darin ist vieles moeglich…

Mehr Projektinfos: http://www.german-doctors.de

Danke an Chantal fuer das Foto!


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Zwischenzeiten

Nachdem die Inthronisation des neuen und zugleich alten Praesidenten, ein wenig buckelig zwar, aber doch glimpflich ueberstanden ist (zu diesem Ereignis wurde ein Nationalfeiertag ausgerufen, und wieder musste die Ambulanz geschlossen bleiben) und die Nachwirkungen des Traenengases bei denen, die – zum Teil auch unfreiwillig – in die Naehe der oppositionellen Gegenveranstaltung kamen, ueberstanden sind, kann die Arbeit im Baraka Health Center weiter gehen. Zwar ist zu merken, dass immer noch einige es vorgezogen haben, sich anderswo als im Slum in Sicherheit zu bringen, aber gerade auch in der Chirurgie ist wieder gut zu tun.

Ben hat bei der Arbeit versehentlich das Holz zusammen mit dem Zeigefinger in die Kreissaege geschoben. Ein freundlicher Kumpel stand hilfreich zur Seite und hat das Ganze mit Watte verbunden und in einige Schichten duennen Mulls gewickelt. Am naechsten Tag, als Ben den Weg in die Ambulanz gefunden hat, ist das Verbandsmaterial so mit der Wunde verklebt, dass erstmal eine oertliche Betaeubung noetig ist, um ueberhaupt die Wunde anschauen zu koennen. Es braucht eine Weile, ein Fingerbad mit Betaisodonaloesung und eine feine Pinzette, bis die Reste der Fingerkuppe freigelegt sind, dann aber laesst sich sagen, dass das Ganze doch heilen wird, es ist noch genuegend vorhanden, aus dem Bens Koerper, der jung und gesund ist, eine neue Fingerkuppe rekonstuieren kann. Der neue Verband klebt dank einer Spende eine Firma in Deutschland nun auch nicht mehr an der Wunde fest.

Die 7-jaehrige Rose stellt sich nach Sturz vor einer Woche mit verformtem Handgelenk vor, ja, nickt sie, es schmerzt sehr. Im Roentgenbild ist zu sehen, dass der Wachstumsbereich des Knochens abgerissen und stark verschoben ist – ein Bruch, den wir in der Ambulanz nicht adaequat versorgen koennen, sondern weiter schicken muessen, wenn es wirklich gut werden soll. Meine Uebersetzerin spricht mit der begleitenden Auntie, die nur maessiges Interesse an der Sache zu haben scheint. Die Mutter ist heute nicht abkoemmlich, ein Vater erst recht nicht, aber es muss in diesem Fall unbedingt deutlich werden, dass Rose ihr ganzes Leben lang ein steifes und vermutlich schiefes Handgelenk haben wird, wenn die Knochen nicht wieder in die richtige Stellung gebracht werden und wir den Arm nur eingipsen. Schliesslich schicke ich Rose mit Auntie zu headnurse Lilian. Diese erklaert, wirbt um Einsicht, stellt den Kontakt her zu dem gerade noch ein paar Tage in der Kinderklinik operierenden, europaeischen Gastchirurg her, und mit dieser Klinik gibt es zudem eine Partnerschaft, so dass ein bestimmtes Kontingent von kleinen Patienten zu nur geringen Kosten behandelt werden kann. Und endlich machen sich die beiden auf den Weg. Und schon scheint die Zukunft fuer Rose wieder ein wenig heller…

Die Daily Nation berichtet in diesen Tagen neben der allgegenwaertig heissen Tagespolitik vor allem von den Ergebnissen der KCPE-Pruefungen (Kenia Certificate of Primary Education). Viele Seiten der Tageszeitung sind mit Fotos gluecklicher Schueler und stolzer Eltern gefuellt. Das beste Ergebis im ganzen Land hat ein Albinomaedchen ereicht: 455 von 500 Punkten! Die 14-jaehrige Goldalyn Kakuya macht mit ihrem vorbildlichen Ergebnis vor allem auch denen Mut, die sich wegen koerperlicher Behinderungen oder Auffaelligkeiten benachteiligt fuehlen. Vor allem sei sie „an inspiration to persons living with albinism“, die wegen Stigmatisierung, Aberglauben und der hohen Lichtsensibilitaet in Afrika eine schweren Stand hatten und hier und da auch noch haben. Und ueberhaupt sind die Maedchen auf dem Vormarsch – unter den Kindern mit den besten Abschluessen sind mehr als die Haelfte „young ladies“.

(Danke an Sascha fuer das Foto!)

…mehr Infos: http://www.german-doctors.de

 


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Sanaa na upendo – Kunst und Liebe II

…und Konzentration!:)

 

Infos über unsere Arbeit im Baraka Health Center in Nairobi:

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi


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Almahisi – Donnerstag

Fortbildung ist wichtig, und so gibt es hier  auch diverse Veranstaltungen, damit unsere einheimischen Mitarbeiter und wir voneinander lernen koennen. Ja, sowohl als auch! Denn als deutscher Doktor hat man eher wenig Ahnung von HIV-Begleiterkrankungen und Tuberkulose, ganz im Gegensatz zu den Mitarbeitern hier vor Ort, die seit Jahren taeglich damit zu tun haben. So bekommen mal wir etwas ueber Symptome erzaehlt, die aufmerken lassen, was eine moegliche HIV-Infektion betrifft, und dann halten wir mal einen kleinen Vortrag fuer die einheimischen Mitarbeiter.

Gestern hatte ich die Ehre, den Uebersetzterinnen eine halbe Stunde lang Lehrreiches nahe zu bringen. Ich habe mir eine wirklichkeitsnahe (zumindest teilweise) Geschichte ausgedacht, denn dann ist es leichter, in der Mittagspause nach den vier Toastbroten, wenn das Mittagsloch am tiefsten gaehnt, nicht einzuschlafen. Die Ladies versammelten sich im Raeumchen der Sozialarbeiter, und ich habe ihnen von Dr. Hans erzaehlt, einem fiktiven, ziemlich flexiblen Kollegen, ein Stehaufmaennchen nahezu, na,  wir werden sehen. Die Ladies stellen sich also vor – die typische Arbeitssituation: sie sitzen mit Dr. Hans im kleinen Sprechzimmerchen, und ein Patient nach dem anderen zieht an ihnen vorbei. Sie haben schon wahrgenommen, dass der Doktor heute ein bisschen durcheinander zu sein scheint, auch etwas rot im Gesicht, zumindest fragt er jetzt schon zum dritten Mal das Gleiche, und dann passiert es: Dr. Hans kippt vom Stuhl und bleibt leblos auf dem Boden liegen. Die Ladies sind zu recht bestuerzt und damit nachhaltig vor dem Einschlafen bewahrt, und ich will von ihnen wissen, was sie jetzt mit ihm machen werden (ich stelle immer wieder fest, dass die Kenntnisse, was man in einem solchen Notfall tun muss, ziemlich ergaenzungsbeduerftig sind und hatte schon geplant, den Kollegen mindestens einmal ohne messbaren Puls umfallen zu lassen). Die Vorschlaege sind tatsaechlich vielfaeltig und reichen von Blutdruckmessen ueber Sauerstoff anschliessen bis laut schreien (da habe ich literarisch vorgesorgt: in der Geschichte sind aber wirklich alle anderen Aerzte gerade mit der Wiederbelebung eines anderen Patienten beschaeftigt, genau wie die Schwestern und ueberhaupt jeder sonst, sie sind also ganz auf sich gestellt).

Wir arbeiten uns tapfer durch das Schema der Herzdruckmassage etc. im Rahmen einer Wiederbelebung hindurch und siehe da, Dr. Hans kommt nach diversen Behandlungen wieder zu sich und kann befragt werden, was er nun eigentlich hat. Die Ladies finden schnell heraus, dass ich ihm eine Malaria angedichtet habe und dass er, passend zum leichten Uebergewicht (muss einer, der Hans heisst, haben, finde ich) zu hohen Blutdruck hat. Schliesslich lasse ich ihn noch einmal umfallen, um zu sehen, ob sie sich das Vorgehen, sozusagen die Take-home-message, gemerkt haben (Dr. Hans ist, wie gesagt, sehr flexibel). Diesmal ist die Wiederbelebung deutlich weniger holperig und schon sitzt er Kollege wieder auf seinem Arbeitsstuhl. Man muss ja einsatzfaehig bleiben. Nun sind aber die Ladies vorsichtig geworden. Eine meint, sie werde beantragen, von Dr. Hans zu einem anderen Doktor  versetzt zu werden, dieser sei ihr zu anstrengend, wenn er dauernd umfalle. Was werdet ihr denken, wenn tatsaechlich mal ein neuer Kollege kommt, der Hans heisst, frage ich. Es gab da mal einen, meint eine der Ladies, der habe dauernd Fotos gemacht, sei aber nicht umgefallen, obwohl er ein wenig dick gewesen sei…

…mehr über das Projekt unter

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi

 


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Jumanne – Dienstag

Gleich am Morgen um 8 Uhr wartet der erste Patient vor der Tuer meines Sprechzimmers: einer der kenianischen Mitarbeiter mit gerissener Strecksehne am Zeigefinger seit 2 Wochen. Die Schiene hat er zuhause gelassen. Er erhaelt eine neue Schiene (Bastelprojekt aus einem Holzstaebchen mit Mull) und die dringende Ermahnung, sie nicht mehr abzunehmen fuer die naechsten 4 Wochen. Es geht weiter mit einer Neunjaehrigen nach Fremdkoerperentfernung aus der rechten Hand, gut heilend. Es folgen: eine aeltere Dame mit Knieschmerzen seit Monaten; ein weiterer Strecksehnenabriss, allerdings schon 4 Wochen alt (da nutzt auch die Schiene nichts mehr); ein chronisches Beinulkus, 20 cm breit, einmal rund ums Bein herum; ein chronisches Beinulkus, 5 cm Durchmesser; ein chronisches Beinulkus, 15cm Durchmesser; ein tiefes Beinulkus, das ausgeschnitten werden muss; eine alte Wunde am Bein zum Ausschneiden; eine fast frische Wunde am Knie; ein traumatisches Beinulkus, das gut heilt; eine Verbrennung bei einem Kind ( re. Arm); eine junge Frau, die eben einen Eimer heissen Tee ueber den Oberkoerper bekommen hat (Verbrennungen Grad 2a); ein Kind mit Verletzung im Bereich der Wachstumszone des Ellbogens ( das ueberwiesen wird); ein sehr magerer Mann nach Sturz mit Verdacht auf Tuberkulose und Alkoholabhaengigkeit (den wir zur Beraterin schicken, auch, um zu klaeren, ob man ihn ins Ernaehrungsprogramm aufnehmen kann); ein Mann nach Motorradunfall mit Bruch von  Kniescheibe und Handgelenk; ein junger Mann mit so stark verschobener Ellbogenfraktur, dass wir ihn ueberweisen (am Nachmittag ist er wieder da, die Klinik hat ihn nicht angenommen. Nur: warum haben sie ihn nicht gleich in das naechste Krankenhaus geschickt, in das wir ihn nun bitten zu gehen?); ein Kind mit gebrochenem Arm und eines mit gebrochenem Bein; ein junge Frau nach Plattenverschraubung am Ellbogen ( eine Schraube und ein Teil der Platte haben sich durch die Haut nach aussen gearbeitet und liegen frei ( nichts wie raus damit!!!), aber sie will erst noch sparen, bevor sie zur Materialentfernung gehen kann); ein Mann mit verletztem Ellbogen, der noch zum Roentgen muss; eine ausgekugelte Schulter bei einem kraeftigen jungen Mann, die sich erst nach einer Portion Valium wieder einrenken laesst;  ein Tumor am Ohr; ein Lippendurchbiss nach Sturz; eine Verbrennung am Unterschenkel mit dicken Narbenzuegen; ein vereiterter Finger; ein tiefes, chronisches Beinulkus mit 3x Verbandswechsel pro Woche seit 4 Jahren mit starken Schmerzen ( der 40jaehrige braucht Beratung, wie es weiter gehen kann, waere eine Amputation eine Alternative?); ein traumatisches Beinulkus bei einem Kind; ein eitriges Beinulkus bei einer 30jaehrigen; ein Beinulkus mit Verdacht auf Hautkrebs bei einer 50jaehrigen (der wir schon letztes Jahr zweimal in der Woche versucht haben, den Einstieg in die Krankenversicherung nahe zu bringen – ohne Erfolg bisher); eine Lady mit Bauchweh und gut tastbarer, harter, runder Struktur im Unterbauch ( ab zur Gynkollegin, die eine Schwangerschaft im 7. Monat findet); ein junger Mann mit Hautausschlag; eine junge Frau mit Kopfweh und Beinschmerz; ein Mann mit Guertelrose (der halbe Oberkoerper ist betroffen); ein junger Mann mit schlecht verheiltem Unterarmbruch und grosser Narbenplatte; eine Sechzehnjaehrige nach Hauttransplantation mit zahlreichen Metallklammern im schon laenger geheilten Areal (der Klammerentferner wird sich erst in drei Tagen finden, aber sie kommt ja alle  drei Tage zum Verbandswechsel der noch offenen Stellen); eine 60jaehrige mit Ganzkoerperschmerz; ein junger Mann mit 7cm grossem Tumor mit Stiel, der an der Bauchdecke haengt (und vom Patient ueblicherweise in ein Taschentuch verpackt wird); ein Kind mit akuter Mandelentzuendung; eine Frau mit Bauchweh und Blaehungen (wir versuchen, ihr Kuemmel nahe zu bringen, den sie nicht kennt); und ein weiterer vereiterter Finger.

Zwischdurch vier Scheiben Toastbrot mit Tomate, zwei Bananen und viel Wasser. Unbezahlbar und zusaetzlich kiloweise Gold wert, dass meine diesjaehrige Uebersetzerin eine je gute Portion Humor und Engagement hat, und unerschuetterlich die Patienten freundlich fragt, was sie zu berichten haben. Ueberhaupt lacht Jane Rose ausgesprochen gern. Und wenn jemand waehrend einer Behandlung Schmerzen hat, sagt sie schonmal „let me give you a bit of love“ und haelt Hand. Das freut nicht nur die Patientin.

(Danke an die Kollegin Claudia fuer das Foto!)

…mehr über das Projekt unter

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi