sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Einmal rund um die Welt

Neuerscheinung im August 2016! Immerhin, in 4 Monaten ist ja schon wieder Weihnachten und in 3 Monaten der erste Advent, also nicht über die Augusthitze klagen, sondern daran denken: bald ist es wieder kalt und dunkel in Deutschland, aber auch dann gibt es wieder Buntes zu entdecken, nämlich:

Weihnachten in aller Welt – Ein Poster-Adventskalender zum Ausschneiden

von Rena Sack (Text) und Sabine Waldmann-Brun (Illustrationen).

-für jeden Tag im Advent gibt es eine Geschichte, wie Kinder in ihrem Land Weihnachten feiern (Österreich, Norwegen, Slowakei, Tschechien, Ecuador, Benin, Niederlande, USA, Island, Sri Lanka, Griechenland, Seychellen, Russland, Schweden, Bolivien, Australien, Mexiko, Schottland, Spanien, Philippinen, Finnland, Brasilien, Polen, Israel, Frankreich) mit farbiger Vignette und einem Bild zum Ausschneiden, das in ein Poster eingeklebt wird – zum Schluss hat man eine vollständige Weltkarte als grosses Bild zum Aufhängen.

Verlag Ernst Kaufmann, Lahr, ISBN 978-3-7806-0891-8, 12 Euro, ab 6 Jahren

 

 

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African Ladies – Judith, Guard

When Judith was 15 years old, she had to quit school, because one of her parents died. She married early and had twins as her firstborns and a boy next.  Though her husband is working in house construction, her contribution was also needed for the little family of five, and Judith started as a guard for a security service.

At 4.30 a.m. she leaves the house to walk the 90 minutes to reach her job, in the evening she comes home at 7.30 p.m. and she does this 7 days per week. She doesn’t see it as possible to take a single day off. Vacation? No chance. Her monthly payment: 90 Euros. Private dayschool for the twins is 120 Euros per month. When the children were little, Judith says, they called her „Auntie“, because she was home so seldom. By now, the twins are 8 years old and when Mom is not around they have to care for the little one, who just turned 3. 

„My family is my gift from god“, Judith says. In ten years, she hopes, there will be a better job for her, though she likes this kind of work quite much. From one of her colleagues she even could learn to make earrings and bracelets out of beads, that she can sell now. „I would like to be rich for the children.“  Yes, family is the most important thing in her life. 

(From all the pictures that we took inside and outside Judith chose this one: sitting in the little house at the entrance of her working area).

 

Als Judith 15 Jahre alt war, musste sie die Schule verlassen, weil ihre verwitwete Mutter  die Gebühren nicht mehr aufbringen konnte. Judith heiratete früh, es wurden Zwillinge geboren, und vor 3 Jahren noch ein Sohn. Obwohl ihr Mann im Baugewerbe arbeitet, wird für den Unterhalt der fünfköpfigen Familie auch ihr Einsatz gebraucht.

Zu ihrer Arbeit im Sicherheitsdienst bricht sie morgens um 4.30 Uhr auf und geht 90 Minuten zu Fuss zu ihrer Arbeitsstelle. Heim kommt sie abends gegen 19.30 Uhr.  Sie hat eine 7-Tage-Woche und sieht keine Möglichkeit, einmal frei zu nehmen. Urlaub gibt es keinen. Dafür erhält sie umgerechnet 90 Euro im Monat. Das ist schon fast der Betrag, der für das Schulgeld der Zwillinge aufgebracht werden muss: 120 Euro im Monat. Als die Kinder klein waren, erzählt Judith, haben sie „Tante“ zu ihr gesagt, weil sie so selten zuhause war. Heute sind die Zwillinge 8 Jahre alt und müssen sich um den Dreijährigen kümmern, wenn sie nicht da ist.

„Meine Familie ist ein Geschenk Gottes an mich,“ sagt Judith. In 10 Jahren wäre sie gerne an einer besseren Arbeitsstelle, obwohl sie die Arbeit als Security sehr mag. Von einer der Kolleginnen lernte sie die Herstellung von Ohrringen und Armbändern, die sie hin und wieder verkaufen kann.“Ich wäre gern reich um der Kinder willen“, meint sie. Ja, die Familie ist ihr das Kostbarste.

(Von all den Fotos, die wir drinnen und draussen gemacht haben, hat sich Judith dieses ausgesucht: hinter den Gittern im Eingangsbereich ihrer Einsatzzentrale).

 


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Hii ni nini? – Was ist das?

Gipskontrollen sind ein Tagesgeschaeft, das Ueberraschungen birgt. Nicht jeder Gips sieht so aus, wie er sollte, was Farbe und Design angeht: an manchen klebt das halbe Abenteuerleben eines kleinen Jungen im Slum, und zuweilen ist auch das Gelenk, das eigentlich ruhig gestellt werden sollte, eigentlich noch beweglich, sei es, weil der kleine oder groessere Patient Wochen hat vergehen lassen, bevor ein German Doctor einen zweiten Blick darauf werfen kann, oder weil das taegliche wilde Leben die Stabilitaet kippt. Eigentlich wird bezueglich der Gipskontrollen ein 7-Tage-Rhythmus angestrebt. Doch auch diese Vorgabe ist dafuer anfaellig, von der Wirklichkeit eingeholt zu werden.

Sami, 12 Jahre alt, ist gestuerzt, der linke Unterarm hat einen deutlichen Knick kurz oberhalb des Handgelenks. Er wird zum Roentgen geschickt. Wieder zurueck, ist auf dem Bild eine deutlich abgekippte Radiusschaftfraktur erkennbar, die allerdings nicht ganz frisch aussieht, Aufhellungen, Kallus und Abrundungen an den Bruchenden sind nicht zu uebersehen. Erst langsam, nach schnoerkelreichem Nachfragen, kommt mit dem Umweg ueber zwei aufmerksame, uebersetzende Verbandsraumschwestern die (vermutlich) wahre Geschichte ans Licht: Noch vor Weihnachten hatte Sami sich zum ersten Mal den Unterarm gebrochen, eine Schiene erhalten, die dann von der Mutter entfernt wurde (warum, blieb im Dunkeln). Gefragt, wie der Arm aussah, ob der auffallende Knick bereits Ursache des ersten Sturzes war, antwortet die begleitende Tante mit einem verhaltenen „Ich erinnere mich nicht,“ waehrend Sami bestaetigt, ja, der Knick sei genauso schon da gewesen.  Der schreckliche Schmerz hingegen nicht, der sei neu seit heute. Die Chirurgin vermutet, dass es sich um einen in schlechtem Winkel geheilten, jetzt aber wieder neu gebrochenen Knochen handelt.

Da Sami vor etwa einer Stunde auf dem Weg vom Roentgen zum Baraka Health Center (oben: der innere Wartebereich)eine Portion gebratene Kartoffeln („some Chips“) gegessen hat, faellt die Moeglichkeit der Kurznarkose weg, morgen sind bereits zwei Patienten fuer kleine OPs einbestellt und mehr sind am Rande des ueblichen Betriebs nicht zu schaffen. Also erhaelt Sami ein starkes Schmerzmittel und eine Kinderportion Valium und dann wird gewartet: Sami auf dem Schoss seiner Auntie auf einem Plastikstuhl in der Mitte des Dressingroom, zwei Schwestern, eine Uebersetzerin und die Chirurgin im Kreis, locker um die Sitzenden herum gruppiert, aber doch aufmerksam, wann dem Patient die Augen beginnen zuzufallen. Alles ist gerichtet, Wasser, Gips, Watte, Gaze, so dass es auf Kommando hin schnell gehen kann. Dann ist es soweit, Sami nickt kurz ein, ein Zug am Arm, ein Druck, ein Schrei, und dann sitzt der Gips. Die Chirurgin ordert, was sonst nur in seltenen Faellen als wirklich noetig und finanziell angemessen erachtet wird, eine Roentgenkontrolle im Gips an und beschliesst, dass Sami, falls der Winkel nicht wenigstens zum groessten Teil ausgeglichen ist, in die Klinik ueberwiesen werden muss. Denn bereits am Morgen wurde ein Gips bei einem gleichaltrigen Maedchen (vom Grossvater gebracht) mit der gleichen Fraktur abgenommen, deren Unterarm jetzt einen Bogen beschreibt. So sollte es nicht sein. Aber das geschieht nicht oft:

Zum Glueck heilt die Mehrzahl der Frakturen voellig ohne Komplikationen oder Fehlstellung aus, egal, ob der Gips nun dunkelgrau, mehrfach auseinandergebrochen, wochenlang nicht kontrolliert oder versehentlich in Wasser getaucht wurde. Wenn auch nicht Standard, doch was fuer ein Glueck…


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Vorbereitungen – Getting prepared

Besuch in Elkes buntem Spielwarengeschäft: da ich Anfang nächsten Jahres wieder mit German Doctors zum Arbeiten nach Afrika gehe, wollte ich mal schauen, was ich ein paar Kindern im Slum mitbringen kann. Das ist gar nicht so einfach, finde ich, obwohl der Laden eine herrliche Fülle von Spielgelegenheiten birgt!

Erstmal scheidet eigentlich alles aus, was in Deutsch verfasst ist, Bücher und Spiele. Für ein paar wenige Bücher, die nur Bilder haben, bräuchte man eigentlich jemand, der sie mit einem anschaut. Das ist, bei den gestressten Eltern oder Grosseltern, so es denn überhaupt welche gibt, nicht voraussetzbar. Vielleicht die Geschwister? Ebenso wie bei den tollen Situationskarten ohne Text, die aber so angelegt sind, dass man darüber sprechen kann.

Dann ist zu bedenken, dass in einer Wellblechhütte von 10qm mit spärlicher Beleuchtung, in der bis zu 6 Personen leben, eigentlich kein Platz für Spielzeug ist. Ein Puzzle mit 500 Teilen ist also schonmal nicht passend, obwohl mindestens 6 der 10 Kinder einer Familie Spass daran haben könnten. Aber die drei Kleinen könnten die Teile verschlucken… Aus einem Regal strahlen mich glitzernde Flummies an. Auch brauchbar für eigentlich alle Altersgruppen, aber wo es keinen geraden Boden gibt ausser gestampfter Erde, eigentlich auch keine Freude. Und ein einziger, wird der nicht zum kostbaren und umkämpften Teil? Ein grösserer Ball? In der Hütte sicher nicht, vor der Hütte, wo ca. 1m Platz bis zur nächsten Hütte ist, auch nicht.

Pustefix, wunderbar, ich denke an die Seifenblasen, die wir im letzten Jahr produziert haben, in der Enge der Gassen, zunächst mit 3 Kindern, dann mit 8, irgendwann mit 14, und es wurde immer enger, und schliesslich haben sie darum gestritten, wer pusten darf, und haben die Hälfte der Seifenlauge im Drängeln verschüttet, weil jeder einmal hinein pusten wollte, und dann waren es 20 Kinder, und nicht mehr genug Flüssigkeit, und auch einiges an Enttäuschung, innerhalb von 10 Minuten ist ein Behälter aufgebraucht. Da braucht es schon ein paar Flaschen.

Immer wieder fragt mich auch mal jemand, ob ich nicht einen Teil der  Plüschtierliga aus einem Kinderzimmer nach Afrika umsiedeln könnte.  Einer Familie mit 6 Kindern kann man schlecht ein einziges Plüschtier schenken. Das müsste man sich teilen. Und für 6 Plüschtiere ist die Hütte zu klein. Und was kann man damit anfangen? Nicht wirklich viel.

Klasse sind natürlich immer Stifte und Papier. Beim letzten Mal hatte ich einige dabei. Die Sozialarbeiterin sortierte daraufhin jeden zweiten Stift aus dem 20-Farben-Paket heraus, damit es für zwei Familien reicht, die Hefte werden in zwei Teile geschnitten, damit die doppelte Anzahl dabei heraus kommt. Und dann sorgsam weggepackt, denn all das ist so kostbar, dass man es nicht einfach herumliegen lassen kann als Angebot, damit wann man will zu spielen.

Ich bleibe bei den kleinen Puzzles mit 20-30 Teilen. Drei rosa Prinzessinnen vor einem Schloss passen, finde ich, nicht. Aber da gibt es wunderbare kleine Legespiele, wo man tropische Tiere ihrer Nahrung und ihrem Lebensraum zuordnen soll, ohne Geschriebenes, einfach schöne Bilder zum Kombinieren. Ob die Kinder in Mathare wohl schon einmal eine echte Giraffe oder ein Nashorn gesehen haben?  Wenn das Geld kaum zum Essen reicht, dann schon gar nicht für den Eintritt in einen der Tierparks.

Ich merke, wenn ich zu viel darüber nachdenke, was passen könnte, was nicht zu Konkurrenz oder Streit führt, was nicht den Kontrast zu stark hervorhebt zwischen Nichthaben und Haben, kommt am Ende garnichts dabei heraus. Also werfe ich mein Herz voraus, kaufe 4 kleine Puzzles (zu einem Preis, den man den Eltern nicht verraten dürfte, denn eine Familie könnte eine Woche lang davon zu essen kaufen) und hoffe, dass dieser winzige Bruchteil von Kindern Spass daran hat…

A visit in Elke’s colorful toyshop: since I will  work in Africa again next year, I wanted to check if I can find useful presents for some of the slum-children. Which is not easy, though there is a large variety of beautiful invitations to play and learn in this shop!

First: games and books in german are not really satisfying. Some fortunately are without words, but there should be company to explore them – if there are parents or grannies, they should not be absent at work, worn out and too tired. 

Then I should keep in mind, that there is so little space in a hut of 10 square meters, where up to 6 people live with only a dim light. No puzzle with a lot of pieces will fit, though almost all ages could have fun with it. Small glittering rubber balls smile at me from the shelves, but if the ground is uneven, not really a joy. And if I give only one, will it not be a precious treasure, that has to be hidden, that it will not be stolen? What about a large ball? No space in the hut and not in front of it, where the next hut is only one meter away.

Soap to make bubbles is great! I remember our bubble production of last January, starting out with 3 children in the narrow streets after work, then with 8, and after a short time with 14 children, shoving, fighting, knocking the soap-tin out of each others hands, because everyone wanted to blow and catch the bubbles, and half of the soap was spilled, and finally, after 10 minutes, with then 20 children, there was no more soap, and some were very disappointed.

Sometimes I am asked by a german mother to take some of the plush animals of their children over. There are few children and too many plush animals around here. But – if I give one of these toys to a family with 6 children, it will not be enough. Six children sharing one velveteen rabbit? If I give 6 it is too much: not enough space. And there is not much, that it can be used for…

Extraordinarily useful are color pencils and paper. I brought some last year and the social worker took every second pencil out of the package of 20, so that two families could profit.  Also copy-books are cut in two pieces to serve the double amount of children. And are put away in a special place, since they are precious and not for everyday-use.

I stay with the small puzzles with 20-30 pieces. The three pink princesses in front of their castle might not be the right choice, but there are beautiful ones with jungle animals which have to be taken into their bush- or savanna-homes and be combined with the meals they usually take (who of the children themselves ever gets a steak and so many fruits for a meal? And will they ever be able to pay the entrance and get a chance to see a real giraffe or rhino in the game-reserve?).

I notice: I should not think too much about what will fit, what might lead to disappointment, what makes the contrast between poverty and being rich more painful. Otherwise nothing remains. So I throw my heart ahead and buy some of the small puzzles (and the mothers should never be told for which price – the whole family could have enough to eat for one week from selling it), hoping, the few children out of the many will have fun with it…