sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Jumamosi – Samstag

Auszeit – Spaziergang, auch mit Giraffe

Zeit, langsam zu sein.

Was nicht einfach ist in  Begleitung der safariverwöhnten Kollegen, die sich langweilen, wenn nur eine Giraffe den Weg kreuzt, aber nicht eine ganze Herde – wenn nur zwei Gazellen und nicht mindestens 24 Warzenschweine mit aufgestellten Schwänzen angesichts der sich nähernden Beobachter die Flucht ergreifen. Nicht einmal EINE Löwengruppe wäre hier ausreichend, es müssten schon mehrere sein, aber Löwen gibt es hier heute nicht, nur eben EINE Giraffe, die anderen haben, so sagt uns die junge Guide, die mit uns durch den Staub stapft, den Zaun überwunden, denn es gibt hier auch kaum noch Wasser, und in unmittelbarer Nähe, aber eben ausserhalb der Gebietsabgrenzung, liegt der Naivasha-See.

Die eine Giraffe ist eine Freude für mein giraffenaffines Herz, lange könnte ich zubringen in der Betrachtung dieses grossen, schönen Tiers.

Die Eile, eine grössere Nähe herzustellen, führt, wie erwartet, zum Rückzug.

Stehen bleiben. Wolken zählen,  die vereinzelten, in der Hitze schnell verwehenden, auf samtblauem Himmel. Den Schattenzug  beobachten, der die runden Berge in Indigo färbt, die sich hier und dort aus den sich bis zum Horizont ziehenden, geraden Landschaftslinien wie grosse Maulwurfshügel erheben, und Dunkelstreifen langsam über die weite Ebene schiebt.

Auf trockenem, fast weissgolden in der Sonne dörrendem Grasland stehen die Marabus, wohl 30, wohl vierzig, eine Schar gemächlicher, grau befrackter Herren mit rosig haarlosen Köpfen. Bei vorsichtiger Annäherung ordnet sich die Gruppe neu, in zeitlupenförmigen Gangmustern sich formierend. Der die Kronenkraniche und andere vordergründigere Schönheiten bevorzugende Durchschnittstourist wird sie als hässlich betiteln. Und vermutlich entgeht ihm der Schatz, den es, in abwartendem Schritt über das Land entlang der Marabupfade, zu entdecken gibt: eine Flaumfeder, gross, weiss, hauchzart, eine im leisesten Windhauch vibrierende, vielgliedrige Kostbarkeit, deren Spitze eine feine, dunklere Locke bildet…

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Am Meer mit (Skizzen-)Buch III

(Nachlese)

Und wieder: in den Himmel gucken – das Tosen der Brandung im Ohr. Blick ins samttiefe Blau.

Über mir zieht eine gigantische Wolkenschildkröte über die weite blaue Fläche, schuppig, vibrierend. Ein Rochen mit 4 Stacheln schliesst sich an und verschwebt. Wolkenfasern, wie mit dem Kamm gezogen, wie weisse Kreide, verwischt.

Verlangsamung. Nicht eilen von Ort zu Ort, keine Termine, keine Verpflichtungen.

Nur schauen, hören und aufnehmen, um den Schatz der Schönheit in meine Seele betten zu können.

„Willst du das jetzt die nächsten Tage so weiter treiben?“ fragt mich (etwas irritiert) die Kollegin. Jeden Tag den gleichen Berg malen?

Warum denn nicht? Er sieht doch immer ein wenig anders aus…

Farben sammeln für den Winter…

And again: watching sky theatre, the ocean’s breath in my ears. Meeting firmament’s velvety blue with my eyes.      

A giant tortoise is moving slowly in the sky, transparent, vibrating. A large ray with four spikes follows her and vanishes. Cloudy fibers, like combed cotton wool, like white chalk, washed away.

Becoming slowly. Not hurrying from here to there, no date, no duty.

Only watching, listening and bedding the treasure of this beauty into my soul.

„Do you want to carry on with this also during the following days?“ My colleague asks and sounds irritated. Painting the same mountain every day?

But why not? In fact, the mountain looks different every hour….

Collecting colors and music for winter times…


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Hitze – Heat

Hin und wieder frage ich mich, ob die Erfahrung der anhaltend hohen Sommertemperaturen in diesen Breiten wohl auch das Verständnis für die Menschen in den Ländern der Erde fördern könnte, in denen es weder Klimaanlagen noch Eiscreme geschweige denn Freibäder gibt, wohl aber monatelang täglich und nächtlich Temperaturen zwischen 30 und 40 °C. Jetzt sage mir keiner, „die sind das ja auch gewohnt“. Die Körpertemperatur aller Menschen liegt in etwa im gleichen Bereich und auch in Afrika wird geschwitzt und unter extremer Hitze gelitten, aber man klagt nicht in dem Ausmass darüber wie hierzulande. Aber zurück zur Empathie – man stelle sich vor, bei Aussentemperaturen von 35°C zu Fuss sein Wasser am Brunnen zu holen und sein Feld mit der Hacke zu bearbeiten (und als Frau durchschnittlich 7x im Leben schwanger zu sein), wie würde sich das anfühlen Tag für Tag? Ginge man zudem davon aus, dass die meisten Menschen in jenen Ländern aufgrund von Malaria und Mangelernährung niedrige Bluteisenwerte haben und sowieso meistens müde sind, wäre es doch als beachtlich zu bezeichnen, was dennoch alles geschafft und auf die Beine gestellt wird…Dies sozusagen als Antidot gegen die Sprüche über die afrikanische Langsamkeit und Mentalität…

Sometimes I wonder if the hot days of this summer might lead to a bit more of empathy concerning those people in the world who  don’t have access to airconditioning, ice-cream or a pool to dive into, but have to deal with temperatures between 30-40°C each day. Now don’t tell me that they are probably used to it – the body temperature of all human beings is at about the same level and also african people are suffering from the heat, but don’t mention it as often as we do in these days. Back to empathy – imagine to get your water only by walking 3 miles to reach the waterpump or dig your field when it is around 35°C. How would this feel day by day? If you add the fact, that blood-iron might be low because of malnutrition and malaria and you are tired all day anyway – wouldn’t you admire what people manage in spite of these hard living conditions to work and build up in their lives? This had to be mentioned as an antidote against talk about the african „slowness and mentality“…