sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Schrittchen zur Energiewende

Während halb Stuttgart in Urlaub ist (wunderbar: nach dem Nachtdienst gibt es einen Sitzplatz in der S-Bahn!) und sich die gefühlt andere Hälfte in unseren Notfallambulanzen  tummelt (mit Wespenstichen, Fahrradunfällen und Zecken), habe ich mich am Rande bemüht, dass mein Balkon jetzt, tata!: energiewendetauglich wird.

Seit kurzem ist es offiziell erlaubt, auch kleinere Solaranlagen auf dem Balkon zu montieren und ins eigene Stromnetz einzuspeisen. Ich habe mir daraufhin ein Modul gekauft (gibt’s schon für um die 350 Euro als Komplettpaket inclusive Wechselrichter bei einer Grösse von 1,80 x 1m und einer Leistung von 300 Wp).

Der Stuttgarter Netzbetreiber hat sich diesbezüglich auch schon ansatzweise auf den Weg gemacht und hat eine Internetseite erstellt, wie vorzugehen ist, allerdings gestaltet sich die Sache dort noch reichlich umständlich. Da es möglich ist, den überschüssigen Strom ins allgemeine Netz einzuspeisen und sich bezahlen zu lassen, macht es Sinn, das Teil auch offiziell anzumelden. Was viel Geduld braucht: acht Zettel sind auszufüllen – wobei man dem Netzbetreiber zugutehalten muss, dass sie geduldig auch fünfmal erklären, was wie ausgefüllt werden muss. Eigentlich soll der Anmeldeprozess vereinfacht werden, aber das sei noch in Arbeit…

Dann sollte man einen Elektriker finden, der einem das Ganze betriebsfertig macht, und das war am schwierigsten. Zwar gibt es auch hier eine Liste des Netzbetreibers mit Adressen von Zertifizierten, die das können sollten, aber, nun ja:

Der eine hat noch nie was von PV-Kleinanlagen gehört, der andere, sagt die Gattin am Telefon, mache sowas nicht, der dritte, vierte und fünfte sind so überlastet, dass sie das dieses Jahr nicht mehr schaffen, der sechste lacht mich aus, was ich mit so einem Kleinteil denn überhaupt wollte, der siebte, so teilt wiederum die Gattin am Telefon mit, ist inzwischen pensioniert (steht aber noch auf der Liste des Netzbetreibers), der achte montiert nur grosse Anlagen auf Dächern, der neunte und zehnte haben sowas noch nie gemacht, aber: der Elfte! Ein kompetenter, freundlicher Mensch, der zeitnah und mit genügend Vorerfahrung das Teil montiert und die restlichen drei Zettel unterschreibt. Dann wird ein neuer Strom-Zähler installiert, der zwei Richtungen zählen kann (die älteren Ferrariszähler ohne Rücklaufsperre laufen sonst rückwärts), damit sich berechnen lässt, was man ins allgemeine Netz eingespeist hat. Vieles an diesem Vorgehen könnte man kritisieren, alles viel zu umständlich, nicht nutzerfreundlich, nicht wirklich einladend. Trotzdem, dachte ich mir, ist es die Sache wert. Und wenn ich das eine Modul um zwei weitere auf der Balkongittervorderseite ergänzen will, ist es schon viel einfacher.

Und dann, abschliessende Kugelfuhr: die Marktstammdatenregistrierung bei der Bundesnetzagentur! Schon die Ansage auf Band,  wenn man, im Internet ggf. ratlos vor gewünschten 33stelligen Nummern und der Geodatenabfrage sitzend, anruft, weist darauf hin, dass eine mündliche Beratung beim Ausfüllen nicht möglich sei. Nur, wer hier zäh weiter dranbleibt, erfährt, dass diese Ansage Fake ist und man gern beraten wird, auch noch bis zur letzten Zeile der seitenweisen Registrierung (die es im Notfall sogar auf Papier gibt! …das steht allerdings nicht dort, sondern wird mündlich verraten). Aber was soll dann eine solche Ansage?! Wenn die Regierung wirklich fördern möchte, dass die Einwohner dieses Landes in ihrer Verschiedenheit die Energiewende mittragen, kann man den dahin zu begehenden Weg nicht so buckelig und voller Hürden gestalten!

Nichtsdestotrotz:

Magischer Moment: die Sonne scheint ein bisschen, der Himmel ist nicht mal wolkenlos, aber die Kombination aus Radio, Kühlschrank, Computerladevorgang und Rooter läuft über den eigenen Strom und es ist noch Platz für mehr!

Wer sich nun auch so ein Teil (oder mehrere) einbauen lassen möchte, kann sich informieren:

Auf youtube gibt es, wenn man die Stichworte „Balkon Photovoltaik“ eingibt, einige Filmchen, die auch im öffentlich rechtlichen Fernsehen zu sehen waren und  kurz gefasst und anschaulich informieren,  dann kann man noch die Seite der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie  http://www.dgs.de zu Rate ziehen, auch dort gibt es hilfsbereite und kompetente Leute, die alle Fragen beantworten und auch empfehlen können, wer vor Ort ansprechbar wäre.  Wenn man sich überlegt, dass diese im Prinzip einfache Methode, zu Strom zu kommen, keine Ressourcen verbraucht (die Sonne scheint sowieso), wäre es eine feine Sache, wenn viel mehr davon genutzt würde. Viel Kleinvieh macht auch eine Menge Mist…

 

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