sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Streik

Die Feiertage der letzten Zeit sind eine gute Gelegenheit, Verwandte zu besuchen, durch die vielen  geschlossenen Health Care Facilities und jene mit eingeschraenktem Betrieb werden jedoch auch unzaehlige Erkrankungen verschleppt, die man eigentlich sofort haette therapieren muessen. Die Arbeitstage zwischen Weihnachten und Neujahr  wurden zusaetzlich verkuerzt, da die Regierung an Heiligabend ueber die Medien ankuendigte, auch der erste Werktag nach Weihnachten sei nun auch ein Feiertag (der aufmerksame Beobachter fragt sich, ob dies mit den im neuen Jahr anstehenden Praesidentschaftswahlen zu tun haben koennte?). Dieses elastische Zeitmanagement fuehrte zu allerlei Konfusion, da so kurzfristig nicht alle informiert waren. Insbesondere die gynaekologische Kollegin ist aergerlich, da sie bereits zahlreiche Patientinnen fuer den nun freien Tag einbestellt hat. Am liebsten haetten wir die Aermel hochgekrempelt und trotzdem gearbeitet, aber auch das einheimische Personal, das die Infrastruktur und somit den Gesamtbetrieb der Ambulanz gewaehrleistet, ist ja nicht da.

Als waere dies nicht genug, ist seit Anfang Dezember das kenianische Gesundheitspersonal am Streiken, da die Regierung mit den Lohnzahlungen im Verzug ist. Nachdem zunaechst nur die Aerzte in den staatlichen Krankenhaeusern streikten (darunter auch unsere Hauptueberweisungsadresse, das Kenyatta Hospital), sind es inzwischen solidarisch auch Healthworker und Pflegepersonal in anderen Kliniken. Patienten fahren, schwer krank, teilweise von Klinik zu Klinik, bis sie jemanden finden, der sie behandeln will oder kann. Wer nicht auf dem Weg gestorben ist, nimmt Schaden an der Zeitverzoegerung, denn es ist nicht ueblich, ein Notfallteam parat zu halten.

Die Daily Nation ist voller anklagender Berichte ueber werdende Muetter mit Risikoschwangerschaften, die ihre Kinder verloren haben, verwaiste Ehemaenner, akute unfallchirurgische Faelle, die nicht versorgt wurden, und dergleichen mehr. Die Gesundheitsversorgung im ganzen Land ist nachhaltig lahmgelegt.

Auch  viele Patienten, die sich an diesen Arbeitstagen in unserer Ambulanz draengen, haben ihre Leiden viel zu lange verschleppt. Seit drei Tagen luxierte Gelenke sind wesentlich schwerer wieder in die richtige Position zu bringen, Kinder mit Sichelzellkrise und einem Haemoglobinwert von 1  (normal waere ueber 10) hoffen wir gerade noch lebend als akuten Notfall einweisen zu koennen und dass sie auch aufgenommen und  behandelt werden – auf Frakturen wird tagelang herumgelaufen. Wir sind als Aerzte nun auch nicht mehr, wie in den letzten Jahren, zu sechst, sondern nur noch zu fuenft, was die Patientenzahlen pro Arzt erhoeht und die Arbeitszeit dehnt. Nachdem ich in den letzten Jahren neben meinen chirurgischen auch allgemeinmedizinische Patienten behandelt habe, bin ich in den letzten Tagen nur mit den chirurgischen gerade so fertig geworden. Und trotz allem: wie eh und je sind die Patienten geduldig und freundlich, keiner schimpft oder beschwert sich. Nach Ende der Feiertage wird nun, am ersten Arbeitstag nach Neujahr, der Hauptansturm erwartet: alle Reisenden kommen wieder nachhause und bringen Malaria und vielerlei anderes von „up country“ mit zurueck. Es wird nicht langweilig. Und die Ambulanzarbeit fuehlt sich so an, als waere man garnicht weg gewesen.

(Danke an Claudia fuer das tolle Foto!)

…mehr über das Projekt unter

https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi


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Frohe Weihnachten – Merry Christmas

In wenigen Tagen, an Weihnachten, werde ich mich wieder auf den Weg machen, um für 6 Wochen mit der Hilfsorganisation German Doctors in Mathare Valley, dem zweitgrössten Slum Nairobis, in unserer dortigen Ambulanz chirurgisch zu arbeiten. Da ich auch in den letzten beiden Jahren dort war, ist es inzwischen ein schon ein wenig vertrauter Ort. Ich bin froh, dass Weihnachten nicht abhängig ist von der Menge der selbst gebackenen Plätzchen oder einem geschmückten Baum, sondern vielmehr das Fest, an dem Gott selbst sich auf den Weg in unsere krisengeschüttelte Menschenwelt gemacht hat. Er war sich nicht zu schade, in einem ärmlichen Stall geboren zu werden, fernab jeder Hightechmedizin, ja nicht mal eine Hebamme war zugegen, geschweige denn von Schmerzmitteln oder Ultraschallgeräten. Stattdessen das eine oder andere Schaf neben dem harten Lager auf dem Boden (kein Bett!) und ein gänzlich unerfahrener Ehemann… na, man kann das gedanklich noch ein wenig weiter spinnen und merkt: ein Slum mit einem Einzugsgebiet mit 400.000 Menschen in katastrophalen Lebensbedingungen ist genau der richtige Ort, um Weihnachten (und die Zeit drumherum) zu verbringen…

Bei Interesse an dieser Arbeit findet sich allerlei Infomaterial unter                     https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi

oder meine Einsatzberichte aus den letzten Jahren unter den entsprechenden Stichworten hier im blog. Wenn die Internetlage angemessen ist, werde ich auch wieder von vor Ort berichten.

Bis dahin: frohe Weihnachten Euch allen!

In a few days, on Christmas, I will be on my way to Mathare Valley in Kenia again to work as a surgeon with the NGO German Doctors for 6 weeks. It is my third time in that place so it is already a bit familiar. I am glad that Christmas does not depend on sugarcanes, beautiful ornaments in a tree and familymeetings, but that the reason for the season is God almighty, who was born as a child in a barn, far away from any medical support, not even equipped with pain killers or a midwife. And imagine the sheep around the place on the floor (no bed!) and Joseph with no experience…However, you will admit, that a place like Mathare is exactly the right place for a doctor to spend the Christmas season in.

If you are interested in the work of German Doctors you will find further information on https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/nairobi 

and my own news from the last two years on this blog.

Until then, to all of you around the world: have a blessed Christmas season!

(und Danke an die Kollegin von German Doctors für das aussagekräftige Foto!)

 


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Tee-Adventskalender…

Auf dem Weg vom Nachtdienst nachhause kaufe ich hin und wieder ein Brot im Bioladen am Bahnhof. Letztes Jahr nahm ich dabei eines der kostenlosen Bio-Öko-Vegan-Blättchen mit, um auf der folgenden Strassenbahnfahrt etwas zum lesen zu haben. Im Halbschlaf entdeckte ich darin neben Rezepten mit Zutaten, von denen ich noch nie etwas gehört habe, eine Ausschreibung für einen Adventskalender-Gestaltungswettbewerb. Na ja, ein Bäumchen mit ein paar bunten Vögeln malt sich flott, dachte ich, und habe damit tatsächlich die Titelgestaltung gewonnen, dazu ein Wochenende in einem Biohotel für zwei Personen und eine grosse Kiste mit Gewürzen, Tees und Kräutern. Unglaublich, so ein prallbunter Segen für ein kleines, gemaltes Bäumchen mit ein paar Vögeln drauf:) Nachdem die 24 Belege des Kalenders mit herrlichem Kräuteraroma jetzt seit 2 Monaten aus meinem Bücherregal herausduften, kann man sie jetzt allmählich verschenken…

On my way home from nightshift I sometimes pass by the railway station to buy some bread in the health food store. Last year I found a free journal about herbs, vegan food and other healthy things I have never even heard about there and decided to read it on the way home. Turning the pages half asleep I found a competition for a painted advent calendar and thought, it should be easy to paint a tree with some birds. I was so happy to win one of the three first prices including a weekend in a health food hotel for two people and a huge box of herbs, spices and tea! What a blessing compared to the little watercolor-sketch!  And after two months of sweet herb-perfume from the 24 advent-calendars on my bookshelf now it is time to make presents…


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Einmal rund um die Welt

Neuerscheinung im August 2016! Immerhin, in 4 Monaten ist ja schon wieder Weihnachten und in 3 Monaten der erste Advent, also nicht über die Augusthitze klagen, sondern daran denken: bald ist es wieder kalt und dunkel in Deutschland, aber auch dann gibt es wieder Buntes zu entdecken, nämlich:

Weihnachten in aller Welt – Ein Poster-Adventskalender zum Ausschneiden

von Rena Sack (Text) und Sabine Waldmann-Brun (Illustrationen).

-für jeden Tag im Advent gibt es eine Geschichte, wie Kinder in ihrem Land Weihnachten feiern (Österreich, Norwegen, Slowakei, Tschechien, Ecuador, Benin, Niederlande, USA, Island, Sri Lanka, Griechenland, Seychellen, Russland, Schweden, Bolivien, Australien, Mexiko, Schottland, Spanien, Philippinen, Finnland, Brasilien, Polen, Israel, Frankreich) mit farbiger Vignette und einem Bild zum Ausschneiden, das in ein Poster eingeklebt wird – zum Schluss hat man eine vollständige Weltkarte als grosses Bild zum Aufhängen.

Verlag Ernst Kaufmann, Lahr, ISBN 978-3-7806-0891-8, 12 Euro, ab 6 Jahren

 

 


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Geburt unter Armutsbedingungen

Die Geburt – Hochrisiko (den hygienischen Bedingungen in einem Kuhstall geschuldet). Kein Gynäkologe weit und breit, der den Impfstatus oder die aktuellen Ultraschallergebnisse abfragen könnte. Eine Hebamme? Pustekuchen. Heisses Wasser und saubere Tücher? Wohl eher nur letzteres. Immerhin. Die Mutter: auf der Flucht. Der Vater ebenfalls. Und Schreiner von Beruf. Wusste der wohl, wie man eine Nabelschnur abbindet? Kein Bettchen von babylove oder yakoo. Lediglich ein Futtertrog für das Vieh. Und dann die ersten Besucher: wilde Kerle, vermutlich unrasiert, mit Schafaroma. Und dann die drei wohlhabenden Ausländer, einer schwarz, alle von sehr weit her. Sprachbarrieren: garantiert vorhanden. Das erste Weihnachten. Gott kommt als Kind auf die Erde. Die Umstände überzeugen mich. Er weiss, wie sich Armut und Flucht anfühlen.                                                     Ihr Lieben alle, ich wünsche Euch von Herzen Weihnachten

Giving birth under high risk circumstances – thinking about hygiene conditions in a stable. No gynecologist present to check the vaccination status or the last ultrasound results. A midwife? Nowhere. Hot water and clean sheets? Probably only the last. At least. Mother is a fugitive. Father also. And he is a carpenter. Would he have known how to cut the umbilical chord? No cradle. Just a feed box for cows. And then, the first visitors: wild guys, not shaved, with the odor of their sheep. And then those three guys from far away, rich, one of them black. Understanding of the spoken word not guaranteed. The first christmas. God comes to his world as a child. These circumstances have my high respect. God knows what poverty and insecurity feel like.                   Dear friends around the world, I wish you christmas in your heart!