sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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Geburt unter Armutsbedingungen

Die Geburt – Hochrisiko (den hygienischen Bedingungen in einem Kuhstall geschuldet). Kein Gynäkologe weit und breit, der den Impfstatus oder die aktuellen Ultraschallergebnisse abfragen könnte. Eine Hebamme? Pustekuchen. Heisses Wasser und saubere Tücher? Wohl eher nur letzteres. Immerhin. Die Mutter: auf der Flucht. Der Vater ebenfalls. Und Schreiner von Beruf. Wusste der wohl, wie man eine Nabelschnur abbindet? Kein Bettchen von babylove oder yakoo. Lediglich ein Futtertrog für das Vieh. Und dann die ersten Besucher: wilde Kerle, vermutlich unrasiert, mit Schafaroma. Und dann die drei wohlhabenden Ausländer, einer schwarz, alle von sehr weit her. Sprachbarrieren: garantiert vorhanden. Das erste Weihnachten. Gott kommt als Kind auf die Erde. Die Umstände überzeugen mich. Er weiss, wie sich Armut und Flucht anfühlen.                                                     Ihr Lieben alle, ich wünsche Euch von Herzen Weihnachten

Giving birth under high risk circumstances – thinking about hygiene conditions in a stable. No gynecologist present to check the vaccination status or the last ultrasound results. A midwife? Nowhere. Hot water and clean sheets? Probably only the last. At least. Mother is a fugitive. Father also. And he is a carpenter. Would he have known how to cut the umbilical chord? No cradle. Just a feed box for cows. And then, the first visitors: wild guys, not shaved, with the odor of their sheep. And then those three guys from far away, rich, one of them black. Understanding of the spoken word not guaranteed. The first christmas. God comes to his world as a child. These circumstances have my high respect. God knows what poverty and insecurity feel like.                   Dear friends around the world, I wish you christmas in your heart!


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Grün – Zeit / Green Time

Grün – Zeit

Gerade fertiggestellt: das grüne Altarparament für die evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde in Böblingen. Künstler in der Ausführung meines Entwurfs sind die Mitarbeiterinnen der Werkstatt für Textiles und Paramentik „Knotenpunkt“ in Backnang. Der Altarbehang ist in Handweberei gefertigt und ist für die „grüne Zeit“ – die längste Zeit im Kirchenjahr, was die Farbgebung betrifft – gedacht. Lange Zeiten können denen, die sie erleben, lang werden. Gut, dass das Warten die Überschrift „Grün“ trägt….

Die Backnanger Werkstatt, ein junger, bunter und eher unkonventioneller Betrieb, kann auch besichtigt werden (bitte vorher anmelden und Termin absprechen unter 07191/902450), zu finden ist der „Knotenpunkt“ unter der Adresse: Hofgut Hagenbach 1, 71522 Backnang. Es gibt auch einen Tag der offenen Tür: Samstag der 15. November 2014 von 11-17 Uhr.

Green – Time

Recently completed: the green altar-cloth for the protestant Paul-Gerhardt-Church in Böblingen, Germany. The artistic ladies, who have woven it by hand, transforming  perfectly well the sketch, that I had made, into textile, can be found in the Studio for textile work and paraments „Knotenpunkt“ in Backnang. The longest time of the church-year is green, regarding the colour of the antpendium. Good to know, that a time without much changes is seen as „green“, the colour of hope, of growing and getting ready for a new start….

 


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Poet zu Gast

(Heute zu Gast: Hugo vom Narrenkreuz (der in Wirklichkeit nur so ähnlich heisst), und dessen Lyrik, am Rande eines anderen Berufs und in den Zwischenzeilen des täglichen Lebens entstehend, ich schätze und für kostbar halte. Mehr von Hugo unter: www. jesus-freak-lyrik.blogspot.de)

Wasserfall und Regenbogen

Nicht jedes Licht ist wie ein Laser,

der Diamanten schneiden kann,

doch jedes schneidet durch das Dunkel

und zündet ein Erkennen an.

Nicht jede Liebe ist wie Wasser,

das sanft sich an die Haut dir schmiegt.

Gestauten Tränen folgt die Sturzflut,

die Dämme sprengt und dich besiegt.

Gott naht in Sanftheit und in Stärke,

spricht laut, spricht leise, schweigt und spricht,

bis du im Tosen schwerer Wasser

hörst, wie sich Licht in Farben bricht.

(Hugo vom Narrenkreuz, August 2014)


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Nachthaus, hell – Lighthouse at night

Wenn einer nicht weiß wohin

und als einziger geeifert hat,

wenn einer kein Kraftwerk ist,

kein Seehund, der sich tausendmal

am Tag ins Wasser stürzt vom

Felsen, muss man für ihn kochen,

mit ihm am Tisch trödeln,

sein Gelände sanft betreten,

sich mit ihm unbehaglich fühlen.

 

Wenn einer sagt: „Ich bin nicht

besser als meine Väter“,

sich sein Votum löschen will,

muss man mit ihm rechnen.

Das Gegenteil von Minus ist nicht

dauernd Plus, ist Tütensuppe,

Zimtreis oder Brot und Fleisch,

von Raben an den Bach gebracht,

ein Lager unterm Ginsterstrauch,

ist Fladenbrot, auf heißem Stein

gebacken, ein Krug Wasser.

 

Und wenn es heißt „Steh auf

und geh“ und einer noch nicht

weiß wohin und meint, er sei

noch gar nicht wieder ganz:

Dann muss er langsam rechnen,

Wurzeln ziehen, schlummern,

knuspern, krümeln, bis er

behaglich brodelt und manchmal

beinah heimlich bei sich denkt,

er habe vielleicht nur

fast allein geeifert.

 

aus: Vera Schindler-Wunderlich: Dies ist ein Abstandszimmer im Freien. edition pudelundpinscher, Erstfeld 2012


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Blauzeit

Zurück zu den Herausforderungen jenseits der Klostermauern. Im Sinn behalten: das Dach ist höher, als es auf den ersten Blick scheint…..

Antiphon

Weil er die Meere

und die Keller kennt und die Kronen,

weil er die Banken, die Raben, die Daten,

die Monde und die Trümmer kennt,

die Tümpel und die Gräber,

weil er Gesichter kennt

und ihre ersten warmen Höhlen,

ihre ersten Grüße spürt

und ihre letzten Sätze begleitet,

weil er Weiden zeigt und Lilien anlegt,

Stricke spannt und Stricke löst,

Wünsche sprossen lässt

und sie mit Würde mustert,

Fahrpläne weiß er und setzt frische Fristen,

weil er die Äste und die Ämter sprossen lässt

und die Sonne aufgehn herrlich

über Rätinnen und Tannen,

Papier und alle alle Tiger.

(aus: Vera Schindler-Wunderlich: Dies ist ein Abstandszimmer im Freien

edition pudelundpinscher, Erstfeld 2012)


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Wort-Bild-(manchmal)Rätsel

Hin und wieder begegnet mir ein Gedicht, eine Wortfolge, ein Satz, und ein Bild entsteht in meinen Gedanken. Worte und ihre Kombinationen können spröde sein und Fangen oder Versteck spielen, Manches verlangt danach, eine ganze Weile bewegt, dann wieder zur Seite gelegt, dann wieder angeschaut, angehört, in Farbe umgesetzt zu werden…