sabinewaldmannbrun

Farbe. Linie. Sehen.


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African Ladies – Merceline, student to be

I met 23-year old Merceline, when I was looking for her mother, who has her 4-squaremeter tailor-business on the main road of Mathare valley at village market. Mama Lucy was not around, but busy to get some buttons coated with the same fabric as the blouse she had sewn. Meanwhile Merceline welcomes the clients and also does some sewing. Being asked, what she wants to do in the future, she tells me about her plans quite precisely (and she does not want to continue tailoring).

Big Dream No.1 would be to study food production at Utalii College, but this one is also the most expensive variation. The 600 Euro for 1 semester are just too much for the daughter of a widow. But she does not give up yet – she even has set up a plan for one year to find a way. – Is it not possible to get into the business by volunteering, I ask her? – Not, if there aren’t any connections, she explains. And there are none.

Small dream No.2: Join the cabin crew of an airline would have been great, too, but Merceline has doubts.  After training, she thinks, she will already be too old for that (!). Small dream No.3: Nursing would be another possibility, but there again is the problem of finance – nursing school is expensive, too.

And if these three dreams will not come true – she could still be a farmer at Homa Bay, which is the home of her family. What would she like to grow then? Maybe melons and maize.

As I ask about her motto, Merceline tells me just one word: „success“! First aim will be to find a way to start college. Even her boyfriend has to wait. Time for a family is not right yet. First she has to get her life organized, she says.

Is she proud of her country, I ask? At least I have heard, that Kenia is one of the rising nations in Africa. – There is only profit for a few, Merceline thinks, most Kenians are struggling hard. Though:  public facilities might be better then in other african countries…. 

 

Der 23-jährigen Merceline bin ich begegnet, als ich auf der Suche nach ihrer Mutter war, die ihr 4 qm grosses Schneiderlädchen auf der Hauptstrasse in Mathare Valley am Village Market hat. Mama Lucy war nicht zugegen, sondern gerade damit beschäftigt, Knöpfe in dem gleichen Stoff beziehen zu lassen wie die Bluse, die sie genäht hatte. Währenddessen hält Merceline die Stellung, heisst die Kunden willkommen und näht auch ein wenig. Auf die Frage, was ihre Pläne für die Zukunft sind, hat Merceline sehr konkrete Vorstellungen. Und die Schneiderei soll es nicht sein.

Der grösste Traum: am Utalii College Ernährungswissenschaften zu studieren. Allerdings wäre das auch die teuerste Variante. Die 600 Euro pro Semester kann ihre verwitwete Mutter nicht aufbringen. Aber noch will Merceline diesen Traum nicht aufgeben. Eine Jahresfrist hat sie sich gesetzt, um vielleicht doch noch einen Weg zu finden. – Ob man nicht über ein Praktikum hinein kommen kann, frage ich? – Nicht, wenn man keine Beziehungen hat, meint Merceline. Und sie hat keine in diesem Bereich.

Ein anderer, kleiner Traum war, Stewardess zu werden. Aber wenn erst die Ausbildung geschafft ist, wäre sie vermutlich schon zu alt(!). Sie hat gehört, dass die Mädels im Flieger alle Anfang Zwanzig seien. Und dann wäre da noch die Idee, Krankenschwester zu werden, aber da mangelt es wieder an den Finanzen. Die Schwesternausbildung ist auch teuer in diesem Land.

Und wenn all das nichts wird, könnte sie immer noch Farmerin in Homa Bay, der Heimat ihrer Familie, werden. – Was würde sie anpflanzen wollen, frage ich? – Melonen und Mais vielleicht, doch, das wäre ein Plan…

Hat Merceline ein Motto? Ein einziges Wort sagt sie mir: „Erfolg“. Jetzt will sie erstmal schauen, ob es nicht doch irgendwie mit dem College klappen kann. Auch ihr Freund muss sich noch eine Weile gedulden. Sie möchte noch keine Familie gründen. Zuerst möchte sie Struktur in ihr Leben bringen.

Ob sie stolz auf Kenia ist, frage ich? Immerhin ist das Land eines der aufstrebenden in Afrika. Davon profitieren nur wenige, meint Merceline. Die meisten Kenianer müssen sich sehr mühen, um sich über Wasser zu halten.  Allerdings, die öffentlichen Einrichtungen sind vielleicht garnicht so schlecht…

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African Ladies – Judith, Guard

When Judith was 15 years old, she had to quit school, because one of her parents died. She married early and had twins as her firstborns and a boy next.  Though her husband is working in house construction, her contribution was also needed for the little family of five, and Judith started as a guard for a security service.

At 4.30 a.m. she leaves the house to walk the 90 minutes to reach her job, in the evening she comes home at 7.30 p.m. and she does this 7 days per week. She doesn’t see it as possible to take a single day off. Vacation? No chance. Her monthly payment: 90 Euros. Private dayschool for the twins is 120 Euros per month. When the children were little, Judith says, they called her „Auntie“, because she was home so seldom. By now, the twins are 8 years old and when Mom is not around they have to care for the little one, who just turned 3. 

„My family is my gift from god“, Judith says. In ten years, she hopes, there will be a better job for her, though she likes this kind of work quite much. From one of her colleagues she even could learn to make earrings and bracelets out of beads, that she can sell now. „I would like to be rich for the children.“  Yes, family is the most important thing in her life. 

(From all the pictures that we took inside and outside Judith chose this one: sitting in the little house at the entrance of her working area).

 

Als Judith 15 Jahre alt war, musste sie die Schule verlassen, weil ihre verwitwete Mutter  die Gebühren nicht mehr aufbringen konnte. Judith heiratete früh, es wurden Zwillinge geboren, und vor 3 Jahren noch ein Sohn. Obwohl ihr Mann im Baugewerbe arbeitet, wird für den Unterhalt der fünfköpfigen Familie auch ihr Einsatz gebraucht.

Zu ihrer Arbeit im Sicherheitsdienst bricht sie morgens um 4.30 Uhr auf und geht 90 Minuten zu Fuss zu ihrer Arbeitsstelle. Heim kommt sie abends gegen 19.30 Uhr.  Sie hat eine 7-Tage-Woche und sieht keine Möglichkeit, einmal frei zu nehmen. Urlaub gibt es keinen. Dafür erhält sie umgerechnet 90 Euro im Monat. Das ist schon fast der Betrag, der für das Schulgeld der Zwillinge aufgebracht werden muss: 120 Euro im Monat. Als die Kinder klein waren, erzählt Judith, haben sie „Tante“ zu ihr gesagt, weil sie so selten zuhause war. Heute sind die Zwillinge 8 Jahre alt und müssen sich um den Dreijährigen kümmern, wenn sie nicht da ist.

„Meine Familie ist ein Geschenk Gottes an mich,“ sagt Judith. In 10 Jahren wäre sie gerne an einer besseren Arbeitsstelle, obwohl sie die Arbeit als Security sehr mag. Von einer der Kolleginnen lernte sie die Herstellung von Ohrringen und Armbändern, die sie hin und wieder verkaufen kann.“Ich wäre gern reich um der Kinder willen“, meint sie. Ja, die Familie ist ihr das Kostbarste.

(Von all den Fotos, die wir drinnen und draussen gemacht haben, hat sich Judith dieses ausgesucht: hinter den Gittern im Eingangsbereich ihrer Einsatzzentrale).

 


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African Ladies – Lilian, nurse

Nursing is her dream profession, Lilian says.  And she has careful hands – which is so important for her daily work with endless wound-cleaning and dressing. Born in Kenia as one of seven children of a house wife and a taxy driver, 24-year old Lilian had enrolled in  nurses‘ training at Nzoia College in Kitale after high school. Not having a job yet she volunteered at her home town at Wiyeta dispensary for some time before she started to work regularly as a nurse at Baraka – since one of the dressing room nurses had her second baby, Lilian is supposed to replace her for three months. So she moved to Mathare with her sister to be nearby.

When I came back to Baraka this year, I found her in the very first adjusting process and taking her picture took some time – but finally we made this one, that shows, who she is: not the shy young lady, who does not yet feel all familiar with the surroundings, but the registered nurse, who follows her dream.  

Her plans for the future? It would be great to be in charge of a health facility some time, Lilian says. And her motto tells me about her strength:

„Never underestimate the power of your mind to change your destiny.“

 

Krankenpflege ist ihr Traumberuf, berichtet Lilian. Und sie hat behutsame Hände – eine Grundvoraussetzung für all die Wundbehandlungen und Verbände, mit denen sie den ganzen Tag beschäftigt ist.  Die 24-jährige ist Kenianerin und eines von 7 Kindern einer Familienfrau und eines Taxifahrers. Ihre Krankenpflegeausbildung absolvierte sie am Nzoia College of Nursing in Kitale. Nachdem sie nicht sofort eine feste Anstellung fand, arbeitete sie für einige Zeit als Praktikantin im heimatnahen Gesundheitszentrum mit. Dann aber gab es die Möglichkeit einer dreimonatigen Schwangerschaftsvertretung im Baraka Health Center, und Lilian zog mit ihrer Schwester zusammen nach Mathare, um in der Nähe ihrer Arbeitsstelle zu sein.

Als ich im Januar wieder nach Baraka kam, traf ich sie gerade in ihrer ersten Eingewöhnungszeit, und es brauchte eine ganze Weile, bis uns ihr Foto so gelungen ist, dass es ausdrückt, wer sie wirklich ist: nicht die scheue, junge Frau, die noch mit den ungewohnten Arbeitsbedingungen kämpft, sondern die ausgebildete Krankenschwester, die in ihrem Traumberuf arbeitet.

Was sie sich für die Zukunft wünscht? Einmal die Verantwortung für eine Gesundheitsstation zu haben, wäre eine feine Sache, meint Lilian. Und ihr Motto erzählt von der Kraft, die in ihr steckt:

„Unterschätze niemals deine Fähigkeit,  dein Schicksal zum Guten zu verändern.“


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African Ladies – Martha, Clinical Officer

5.15 pm. The last patient just greeted and left the consultation room to start on her way home. Martha invites me on the visitor’s chair at her desk at Baraka Health Center. Through the open window the voices and music from the street are floating into the little room. 5 years ago Martha started her work as a clinical officer in one of Nairobi’s hospitals: for 2 years she worked in an HIV-program to prevent mother-to-child-transmission.

There always had been a passion of being active in the medical field, especially with children, for the daughter of a kenian banker and a secretary in civil service. Working in Baraka now is different from what she had first expected, Martha tells me. „It is more then I ever came across, but it’s not only sadness, it is also joy.“ She found a diverse community with different needs. And though it is not always easy she is glad to work here.

„Where do you see yourself in 10 years? Any dreams?“ I ask her.

Martha has indeed some plans: to open up a children’s home for the vulnerable, to build a school, even a hospital, to help educating children to a high level….To make her dreams come true, Martha is taking distant classes at Kenyatta University to become a bachelor in special needs education. She just finished her second year of four. And though she also is mother of a 5-year old daughter, she took classes in sign language to be able to translate for the deaf community at church.

„I love challenges,“ Martha says. And she wants to do her best with what she has and where she is. „Even if it is cloudy today, tomorrow might be a brighter day.“ Having worked with her during the last 5 weeks, it is easy to believe her.

17.15 Uhr am Nachmittag. Die letzte Patientin hat sich gerade aus dem Sprechzimmer verabschiedet und macht sich auf den Heimweg. Martha bittet mich an ihren Schreibtisch im Baraka Health Center. Durch das offene Fenster sind die Stimmen der Menschen auf der Strasse und flotte Musik zu hoeren,  Vor 5 Jahren startete Matha ihre Berufstätigkeit als Clinical Officer mit dreijaehriger Ausbildung (angesiedelt zwischen pflegerischer und ärztlicher Taetigkeit) in einem Krankenhaus in Nairobi: für 2 Jahre arbeitete sie in einem HIV-Programm mit dem Ziel, die Ansteckung von der Mutter auf das Kind zu verhindern. Immer gab es eine Leidenschaft für die Arbeit, besonders mit Kindern, im medizinischen Bereich für die Tochter eines kenianischen Bankers und einer Ministerialangestellten.

Die Arbeit in Baraka ist anders, als sie es erwartet hatte, sagt mir Martha. „Es ist umfangreicher, als ich es mir je vorgestellt haette, aber es ist nicht nur traurig, es gibt auch Momente grosser Freude.“ Sie fand eine vielschichtige Gesellschaft vor mit sehr unterschiedlichen Beduerfnissen. Und obwohl es nicht immer einfach ist, arbeitet sie gerne hier.

„Wo siehst du dich in 10 Jahren? Hast du Träume?“ frage ich sie.

In der Tat hat Martha Pläne: ein Kinderhaus zu eroeffnen, eine Schule zu bauen, vielleicht eine Klinik, aber vor allem in der Ausbildung von Kindern mitzuwirken.

Damit ihre Träume Gestalt annehmen koennen, hat Martha ein Fernstudium in Sonderpädagogik an der Kenyatta University begonnen und hat gerade das zweite von vier Jahren abgeschlossen. Und obwohl sie auch Mutter einer fünfjährigen Tochter ist, belegte sie Kurse in Gebärdensprache, um für die Gehörlosen in der Kirchengemeinde übersetzen zu können. „Ich liebe Herausforderungen,“ sagt Martha. Und sie moechte ihr Bestes geben, mit dem was sie hat und wo sie gerade ist. „Auch wenn es heute wolkig ist, koennte morgen ein hellerer Tag sein“, meint sie. Nach fünf Wochen Zusammenarbeit in Baraka glaube ich ihr gerne, was sie berichtet.